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The Day After

So, das erwartete Ergebnis ist eingetreten. Und nur zu bedauern, denn es zeigt, dass ein vollkommen inhaltslos geführter Wahlkampf, der sogar explizit Teile des Wahlprogramms vorenthält, um “Die Wähler nicht zu verunsichern”, trotzdem zum Erfolg führen kann.

Sofern man die Situation als Erfolg bezeichnen kann, abgesehen von Hrn. Kurz in Erfüllung gegangenem Wunsch, als Erster ins Ziel zu kommen. Trost in der Tatsache zu suchen, dass die SPÖ doch Zweiter geblieben ist, erscheint etwas weit hergeholt angesichts des sich unter der 1-Prozent Marke bewegenden Abstandes zum Dritten, der FPÖ.

Eine relativ erwartbare Folge der Situation ist eine ÖVP/FPÖ Koalition, die aus zahllosen Gründen abzulehnen ist. Die Erinnerung an Schwarz/Blau mit Schüssel sollte eigentlich lebendig genug sein, die Gerichtsprozesse zur Aufarbeitung der Vorfälle sind noch nicht einmal abgeschlossen.

Andererseits sind die Optionen der Fortführung der grossen Koalition mit umgekehrten Rollen sowie die Variante SPÖ/FPÖ gleichfalls abzulehnen, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen.

Eine Fortführung der bisherigen Konstellation erlaubt der FPÖ, weiterhin die Regierung vor sich herzutreiben, ihre Ziele zwar durchzusetzen, aber die Folgen nicht tragen zu müssen: sie werden nach dem absehbaren Fehlschlag natürlich kräftig auf die unfähige Regierung schimpfen. Und das Wahlergebnis sagt, dass die meisten die Situation nicht korrekt einschätzen sondern den am lautesten Schreienden glauben werden.

Insbesondere die SPÖ würde jede Glaubwürdigkeit verlieren. Kanzler Kern würde dafür wohl nicht zur Verfügung stehen, es würde wohl Doskozil nachrücken. Der aber liess in seiner bisherigen Performance so ziemlich alles vermissen, was auch nur eine entfernte Befähigung für dieses Amt annehmen liesse. Die SPÖ stünde also nach kurzer Zeit ohne Unterstützung ihrer Basis da, ohne ihren Besten Obmann seit Jahrzehnten. Und mit einer drohenden Neuwahl, die wohl mit einem vernichtenden Ergebnis enden würde.

Die ins Spiel gebrachte Variante einer Koalition SPÖ mit FPÖ hätte ähnliches zur Folge, mit dem zusätzlichen Nachteil, dass die ÖVP als moralischer Sieger dastünde und wohl bei der nächsten Wahl noch weiter zulegen könnte.

Verhandlungen: Ja. Echte Koalitionsoptionen sehe ich für die SPÖ aber nicht. Schadensbegrenzung bei der resultierenden Schwarz-blauen Koalition, ruhiger Aufbau der im Wahlkampf etwas untergegangenen Themen und eine Aufbereitung des gelungenen Plan A für die nächste Wahl ist wohl der bessere Weg. Und in 5 Jahren reden wir nochmal. Spätestens.


Es ist Zeit

Slogans in Zeiten des Wahlkampfes, immer schwierig. Die derzeitige Gefährdungslage ist aber vielleicht der richtige Moment, plak.at wiederzubeleben.

Es wäre Zeit, Zeit für Änderungen. Hat einer beschlossen und ausgerufen, der ausser der Politik nichts gelernt (bzw. gemacht) hat. Was per se schon verdächtig ist, da zwangsläufig der Bezug zum Leben ausserhalb dieser Blase fehlt.

Und genau dieses Problem merkt man an allen Ecken und Enden des Wahlkampfes von Sebastian Kurz, demjenigen, der die alte, wenn auch nicht ehrwürdige, ÖVP zu einer Bewegung umstilisieren möchte (nicht sehr erfolgreich, die alten Verhaltensmuster wie Klientelpolitik scheinen bei jeder Gelegenheit durch).

So stellt Kurz in rascher Folge fragwürdige Besetzungen der Listenplätze vor (z.B. Hirn. Taschner, dessen Meinungen zu wissenschaftlichen Themen einer gewissen Nonkonformität nicht entbehren), doziert über seine private Definition von Gerechtigkeit und braucht Monate, um das vorzustellen, was er für ein Wahlprogramm hält.

Selbiges sorgt für sofortige Erheiterung bei denjenigen, die die krassen Vorhaben nachrechnen und auf eine sagenhafte Finanzierungslücke von 14Mrd € kommen. Kurz möchte die Rechnung nicht genauer erläutern, es klingt an, er wolle Wähler nicht verschrecken. Spannender Ansatz, denn damit gesteht er ja ein, dass es natürlich eben jene Wähler zahlen sollen.

Und was er nicht alles an seine Gönner wie z.B. Hrn Pierer von der Firma KTM verschenkt. Der seine Spende an die ÖVP als gute Investition sehen kann. Die sogenannte neue Gerechtigkeit beraubt hingegen alle jenen, die ohnehin schon wenig haben. Während hohe und höchste Einkommen nicht nur unangetastet bleiben, sondern mit Geschenken geradezu überschüttet werden.

Mir will das nicht ein: begreifen diejenigen, die in Umfragen für die derzeitige Führung der ÖVP sorgen, tatsächlich nicht, dass sie die Gelackmeierten dabei sind und nachher die Rechnung präsentiert bekämen?

Kurz leistet sich eine Verfehlung nach der anderen, sei es das oben als Wahlprogramm bezeichnete Pamphlet, oder die Absage jeder direkten Konfrontation mit Christian Kern auf ernstzunehmendem Boden (ja, als solchen muss man Ö1 in der traurigen österreichischen Medienlandschaft bezeichnen) , oder Flüge mit Privatflugzeugen mit unklarer Finanzierung. Jedes Interview klingt wie ein Beispiel für leeres Gerede, er vermeidet gezielt jede Form von Inhalt, wiederholt die immer gleichen Worthülsen, nervt mit seiner, sich jeder geläufigen Definition entziehenden Verwendung des Begriffes der Gerechtigkeit.

Christian Kern hat ganz richtig erkannt, dass Kurz ein Abziehbild der FPÖ ist, die mit ihrem neuen, stilleren Ton (man will in die Regierung) tatsächlich kaum noch von der ÖVP zu unterscheiden ist. Was Strache auch als Problem korrekt erkannt hat: Kurz wildert in seiner Wählerschaft. Spannenderweise gilt für die FPÖ ganz ähnlich, dass ihr oft als Autorisierung herangezogener Kleiner Mann in keiner Weise von der Umsetzung ihrer Ziele profitieren würde.

Es wäre also hoch an der Zeit, diese Schimäre zu beenden und Kurz den Platz anzuweisen, den er verdient: im rechten Eck derer, die ihre eigenen Interessen über die der Gesellschaft stellen. "Gehts der Wirtschaft gut..." Ja, eh. Als wäre die Wirtschaft Selbstzweck. Nein, Danke.


Netzneutralität

Offener Brief an die RTR

Sozialleistungen

Nach kürzlichem Amtskontakt (und dem angemessenen zeitlichen Abstand zur Erholung davon) ist mir neuerlich aufgefallen, wie weltfremd Bestimmungen zur Erlangung diverser sozialer Unterstützungsleistungen (im speziellen Fall Kinderbetreuungsgeld) oftmals sind.

Im wohlgemeinten Versuch, die pösen Sozialschmarotzer aussen vor zu halten, wird ein Dschungel an Bestimmungen und Vorbedingungen geschaffen um auch den letzten Betrüger abzuschrecken bzw., wenn das nicht gelingen sollte, zumindest auszufiltern.

Oberflächlich betrachtet scheint die Strategie ja auch aufzugehen: die Zahl der Unterstützten sinkt (war das nicht der eigentliche Sinn?). Und mit ihnen zusammen natürlich die auszubezahlenden Summen. Wieder etwas Sinnvolles geleistet. Danke, liebes Amt.

Im Detail sieht es dann aber irgendwie doch anders aus... Gerade professionelle Amtssitzer lassen sich natürlich auch von den wirrsten Vorbedingungen nicht abschrecken sondern begegnen ihnen mit Gleichmut wie andere Arbeitnehmer auch den unausweichlichen Unsinnigkeiten, die jedes größere Büro mit sich bringt. Und so verhält es sich auch: diese Leute arbeiten für das Amt. Nicht am Papier, aber von Zeitauslastung und Bezahlung her betrachtet sehr wohl. ein geübter Sozialschmarotzer ist mit derartigen Hürden nicht zu erschrecken... und vergisst auch kein Detail fristgerecht mitzubringen / einzureichen. Er hat ja schliesslich Zeit dafür. Und diese Zeit bezahlt ihm das Amt am Wege der zugebilligten Sozialleistungen.

Die tatsächlich Bedürftigen quälen sich durch den Behörden- und Genehmigungsdschungel mit deutlich mehr Mühe (und weniger Zeit). Und bleiben dabei durchaus manchmal auf der Strecke. Aber Hauptsache, die Summe stimmt...

Dann gibt es noch eine Klasse Anspruchsberechtigter, die aufgrund der Hürden den Hut drauf hauen: zu dämlich das Spiel, zu einfallsreich der Gesetzgeber. Und, gerade für antragstellerisch nicht einschlägig Vorgebildete, zu unübersichtlich die Flut an Bestätigungen, Vorbedingungen, drohenden Rückforderungen etc.

Die Aussicht, trotz allenfalls 3-facher Zwischenbilanzierung Jahre später mit Rückforderungen der Krankenkasse und sich daraus ergebenden langwierigen Gerichtsverfahren konfrontiert zu sein, hinterlässt die Freude über staatliche Hilfe mit reichlich bitterem Beigeschmack. Danke, liebes Amt.


Fortsetzung

Vielleicht ist heute ein guter Tag, schreibenden Zeitvertreib wieder aufzunehmen: Berlusconi wurde rechtskräftig und in letzter Instanz des Steuerbetrugs für schuldig befunden. Nur in seiner Welt logisch erscheint die daraus erwachsene Drohung, die Justiz neu strukturieren zu wollen... Wobei er wohl nicht der einzige Politiker ist, dem eine ziemlich unabhängige Justiz ein Dorn im Auge ist: auch Merkel ist wohl nicht erbaut, dass das deutsche Höchstgericht die Vorratsdatenspeicherung wieder gekippt hat.

Was auch eine schöne Überleitung zum erfreulichsten Ereignis der jüngeren Vergangenheit darstellt: Edward Snowden, der Aufdecker des Programms der NSA, das die VDS als Kinderspiel erscheinen lässt, hat Einreisepapiere für Russland erhalten. Asyl. Temporär zwar, aber immerhin. Schön zusammengefasst hat es jemand auf Twitter: "Wie gut, dass die USA den Kalten Krieg gewonnen haben: Sonst würden heutzutage Menschen überwacht und Whistleblower verfolgt." Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen.

Nachsatz: Berlusconi weint, dass er nach "20 Jahren Dienst für Italien" das quasi nicht verdient habe. Ich finde ja eher bedenklich, dass sie ihn nicht früher erwischt haben...


Tradition

Ein Land muss wählen, obwohl es keine Wahl hat -- das klingt bekannt. Aber immerhin hat Österreich noch keinen Berlusconi und unser Pausenclown, der Koalitionen vorab verweigert, wird wohl auch keine 20% erreichen. Andererseits hat Grillo in Italien Hrn. Stronach die Ehrlichkeit voraus, seine Berufsbezeichnung als 'Komiker' anzugeben... Way to go, Frank.

Natürlich lässt sich in einer Demokratie, die diese Bezeichnung auch verdienen möchte, nicht vorab der Antritt einer Partei verhindern, die eines der demokratischen Grundprinzipien ablehnt und Koalitionen ausschliesst, also absolutistische Ansprüche stellt. Es bleibt den Wählern vorbehalten, derart destruktives Verhalten entsprechend abzustrafen -- was aber in Italien nicht einmal ansatzweise passiert ist.

Dort hat es vielmehr denjenigen erwischt, der wohl die Hauptverantwortung dafür trägt, dass Italien die letzten Jahre ein paar vorsichtige Schritte weg von der internationalen Lachnummer machen konnte: Mario Monti. Ein Hinweis, dass fachliche Kompetenz mit Wahlerfolg wenig zu tun hat... eine nicht unbedingt erfreuliche, wenn auch absehbare Erkenntnis.

Leider lässt sich aus Europa-Feindlichkeit momentan viel mehr politisches Kapital schlagen als aus dem Anspruch, die wahren Probleme der Staatengemeinschaft anzugehen (und beispielsweise die Kommission in ihrer aktuellen Form abzuschaffen bzw. deren Rechte auf reine Vorschläge zu reduzieren). In dieser Ablehnung eines gemeinsamen Europa werden früher oder später die USA das Ruder ergreifen, um der drohenden wirtschaftlichen Vormachtstellung Chinas etwas entgegenzusetzen.


Einfach

Beharren ist immer die einfachere Lösung. Ein Sieg ist es aber selten.

Logistik

Die Geschichte eines eBay-Paketes

Zu lösen war die simpel scheinende Aufgabe, ein kleines, reichlich ein halbes Kilo wiegendes Paket aus dem befreundeten Ausland mit lokalem Sprachkolorit Richtung Wien zu befördern. Die Firma DHL in Tateinheit mit der österreichischen Post meinte, dieser gewachsen zu sein und nahm besagtes Paket im Absender entgegen.

Um dieses durch plötzlichen Ortswechsel nicht zu verunsichern durfte es erst mal in Ruhe abliegen bevor es zwei Tage später dann doch aus der gewohnten Umgebung in die weite Welt entlassen wurde.

Von den sich plötzlich ergebenden Möglichkeiten ganz benommen musste sich das bemitleidenswerte Paket dann im Verteilzentrum Linz, das es mit letzter Kraft erreicht hatte, von Samstag bis Montag vormittag erholen. Eine nicht zu stressige und sicher rüttelfreie da langsame Überführung ins Paketzentrum Wien schien angeraten: Wenn es denn Montag morgen weiter verschickt wurde ist ein Eintreffen in Wien gegen 13:00 kaum mit dem weiten Weg von Linz zu erklären... In Wien ruht es nunmehr seit 24 Stunden und kann sich akklimatisieren.

Insgesamt keine sehr beeindruckende Vorstellung -- es befindet sich auch nach 24h noch nicht in Auslieferung sondern im Rekonvaleszenzbereich des Wiener Verteilzentrums... Wird unglaublich erholt und sonnengebräunt ankommen denke ich. Wenn es denn mal ankommt.


Paypal

Vor zwei Wochen habe ich endlich mein Paypal-Konto gekündigt. Und da die penetrant immer neue Reifen zum Durchspringen aufgestellt haben... Der Ablauf ist ungefähr so:

"Sind Sie sicher?" Ja.
"Wollen Sie wirklich...?" JA.
"Aber dann wird Ihr Konto tatsächlich gelöscht!" JA, verdammt.
"Na gut" Endlich.
"Vielleicht möchten Sie doch noch...?" NEIN, möchte ich nicht.

OK, das stimmt so nicht ganz: ein paar Iterationen mehr waren es noch. Und eine davon wollte eine Begründung wissen. In diesem Eingabefeld ist schlussendlich folgendes gelandet:

--
Nachdem die Erfahrungen von willkürlichen Kontoschliessungen und unendlichen, direkt kafkaesken Verifizierungsprozessen auch meinen Bekanntenkreis erreicht haben, sehe ich es als an der Zeit, einer derartigen Spässen vorzubeugen und werde jegliche Nutzung Ihrer Dienste künftig meiden.
Der Umgang mit Händlern wie auch die gezielte Vermeidung von Kontrollprozessen, denen Banken nicht umsonst unterliegen, ist in meinem Empfinden höchst unprofessionell und ohne grundlegende Änderungen keine Basis für eine weitere Geschäftsbeziehung.

Permlink: Plak.at: Paypal

Desinteresse

Nach der leider durchaus überschaubaren Teilnehmerzahl der samstäglichen Demo gegen die Überwachungswut der EU Kommission (die in der finanziellen Förderung zahlreicher einschlägiger Projekte zum Ausdruck kommt) stellt sich die Frage, ob die lieben Mitbürger die Gefahr nicht verstehen, anders einschätzen oder, in klassisch österreichischer Manier, mal abwarten: so schlimm wirds schon nicht kommen.

Nun sind die neu gewonnenen Fähigkeiten automatisierter Überwachungssysteme nicht ganz leicht zu vermitteln, schon weil vieles stark nach Science Fiction klingt -- aber durchaus bereits real ist. Bilderkennung in Photos bei Facebook wird von manchen als ärgerlich wahrgenommen, dass aber computerbasierende Auswertungen von Bewegtbildern nicht nur die Gesichter erkennen können sondern diese auch verfolgen und nach Unterbrechungen wiedererkennen und dem Bewegungsmuster zuordnen können, wird oftmals als unmöglich abgetan bzw. in der möglichen Tragweite vollkommen falsch eingeschätzt.

Andererseits ist vielen Menschen auch nicht bewusst, was alles über sie im Netz verfügbar ist... Vielleicht sollte man da ansetzen: diese Informationen sind sofort verknüpfbar. Und wer nichts zu verbergen hat... ist ohnehin verdächtig. Mir zumindest.


Privatkopie

Anlässlich der heute anstehenden Demos zu den Themen Festplattenabgabe und Reform des Urheberrechts ein paar Worte zu den in Streit stehenden Vorgängen.

Künstlerinitiativen wie "Kunst hat Recht" (kein Kommentar) und natürlich insbesondere die Verwertungsgesellschaften fordern eine Abgabe auf Computerfestplatten gleich der Leerkassettenabgabe aus Urzeiten. Mit welcher Begründung? Nur damit, dass sich diese Medien zum Ablegen urheberrechtlich geschützter Inhalte technisch eignen würden.

Ausgehend von meiner eigenen Nutzung sehe ich den primären Einsatz von Festplatten nicht im Ablegen von Privatkopien sondern (der Datenmenge nach) im Speichern selbst erstellter Photos, der Sicherung der Primärkopie digital erworbener Inhalte sowie der Backupkopie selbst erworbener physischer Medien (CDs, DVDs).

Da ich für all diese Inhalte bereits bezahlt habe, tut es mir leid, Künstlern (die ich sehr schätze) sowie Verwertungsgesellschaften (die ich bei weitem nicht so schätze) mitzuteilen, dass ich für diese Kopien nicht bereit bin, nochmal zu zahlen. Diese stellen entweder die Nutzbarkeit an sich sicher (im Falle digital erworbener Artikel) oder sichern gegen Probleme physischer Medien.

Unter einer Privatkopie, die Anspruch auf gesonderte Vergütung hat, verstehe ich lediglich die (nicht-kommerzielle) Weitergabe an Dritte, die sich nicht im Besitz der Physischen Medien (oder, allgemeiner, den Artikel nicht selbst erworben haben). In diesem Fall ist eine Abgeltung korrekt und angebracht. In anderen aber nicht. Das hat direkten Einfluss auf die Konzeption einer solchen Abgabe: diese kann sinnvollerweise nur auf Medien erfolgen, deren primärer Daseinszweck eben diese Privatkopie ist. Und Festplatten sind das, auch aufgrund der geänderten Vertriebsstrukturen in Richtung rein digitaler Distribution) eben nicht -- wie ja auch bereits mehrfach gerichtlich festgestellt.

In exakt diese Richtung muss auch eine dringend notwendige Reform des Urheberrechts gehen: jegliche Nutzung durch den Käufer selbst ist durch den ursprünglichen Kaufpreis abgedeckt. Die Weitergabe (per direkter Kopie, über Tauschbörsen etc.) sollte in sowohl den Künstlern als auch den Kunden gegenüber fairen Art und Weise abgegolten werden. Eine Abgabe auf MP3-Player kommt eher in Frage als auf allgemein genutzte Computerteile, wobei auch diese in Betracht ziehen muss, dass der Anteil selbst erworbener Titel auf diesem Player normalerweise viel höher sein wird als der Anteil kopierter Titel.

Und Nein: ich bin nicht der Ansicht, dass die Veröffentlichung zufälliger Anordnungen von Tönen bereits einen Anspruch auf Lebensunterhalt nach sich zieht. Initiativen wie "Kunst hat Recht", die derartiges immer wieder in ihren Statements vermitteln, sind unbrauchbare Diskussionsteilnehmer. Verwertungsgesellschaften, die Künstlerinteressen vorschieben, aber primär Labelinteressen meinen, desgleichen.

In kurzer Zusammenfassung: Abgeltung der Nutzung kreativer Inhalte -- selbstverständlich. Subventionierung überalterter Geschäftsmodelle mit Hilfe des Gesetzgebers: keinesfalls.


Pandora

Ja, klar: der pöse, pöse Terrorismus. Da muss man schon schwerste Geschütze auffahren. Und darf, leider unter aktivem Wegsehen der Mehrheit, rigoros gegen anderslautende Meinungen vorgehen. Derartige Panik-Gesetzgebung beschert uns dann bis vor kurzem unvorstellbare Überwachungsgesetze, die in lange nicht mehr dagewesener Manier die gesamte Bevölkerung unter Generalverdacht stellen.

Durch die geradezu elegante Effizienz der Massnahme passiert... nichts. Keine Anschläge, auch (bzw. schon überhaupt) keine verhinderten. Aber genau dafür haben wir die Vorratsdatenspeicherung ja eingeführt: Prävention ist schliesslich besser als... nachher und so.

Problem an der Argumentation ist allerdings, dass die VDS keine Anschläge verhindert hat. Sie hat und wird auch nicht bei der Aufklärung solcher Vergehen helfen können. Dafür beschneidet sie die Rechte der Bürger massiv und in seit den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr gesehener Art und Weise.

Aber da wir ja jetzt glücklich all diese schönen Daten anhäufen, müssen wir doch zumindest irgendetwas Sinnvolles damit anfangen. Wie wäre es mit der Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen?

Grandiose Idee: Die Basis ist geschaffen, die kleine Scheibe zusätzlich (Ausweitung der Einsatz-/Abfragemöglichkeiten) geht schon noch durch. Und vor allem: Erfolge. Denn Urhebrerechtsverletzungen gibts ja tagtäglich genug... Also drauf!

Nun ist es nicht so, als hätte niemand vor diesem Szenario gewarnt. Kassandra, wir verstehen dich zunehmend...

Uns fehlt eine tiefgreifende Reform des Urheberrechts, die die Unterwanderung des Rechtsstaates durch die mit ungerechtfertigter Sonderstellung ausgestatteten sog. "Verwertungsgesellschaften" beendet und dieser Art der Klientelpolitik einen Riegel vorschiebt.

Nichts gegen die Verfolgung wirtschaftlich orientierter Urheberrechtsverletzungen. Was aber mit der leider unzureichenden Gesetzeslage an Schindluder gegenüber Endverbrauchern betrieben wird, stinkt zum Himmel.


Augen

Zunehmend wird "1984" nicht mehr als Warnung sondern als Anleitung verstanden -- niemand weiss, wie viel Video- und sonstiges Material während der Olympischen Spiele in London entstanden ist (zusätzlich zu den ohnehin enormen Mengen der Londoner Alltäglichkeit).

Nun wird nicht diese sich jeder manuellen Sichtung entziehende Menge als Artefakt eines Problems (nämlich der bereits grundsätzlich falschen Überwachungswut) gesehen, sondern als simples, technisch zu lösendes Problem: die Auswertugn der Überwachung wird zunehmend automatisiert. Projekte die INDECT, das auf eine weitreichende Automatisierung der Überwachung der EU-Bevölkerung abzielt, werden mit Geldern der zu überwachenden Bürger finanziert, obwohl diese Projekte nicht nur nachgewiesen nicht das Mindeste bringen (weder einen Zugewinn an Sicherheit noch eine erhöhte Aufklärungsquote), dafür aber in einer noch vor wenigen Jahren vollkommen unvorstellbaren Art und Weise in die Privatsphäre der Betroffenen eindringen. Auch die ebenso sinnlose wie freche Vorratsdatenspeicherung soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben -- insbesondere, da diese bereits in Kraft ist.

Schluss mit dem Überwachungswahn. Ist unsere Gesellschaft so schwach und krank, dass sie ihren eigenen Werten (zur Erinnerung: da kamen so Dinge wie Freiheit und Selbstbestimmung des Individuums vor sowie das seltsame Konzept des Rechts auf Privatsphäre) so wenig Kraft zutraut, die Ordnung einer Gesellschaft aufrecht erhalten und verteidigen zu können, dass diese Werte präventiv über Bord geworfen werden müssen?

So traurig es ist: die Terroristen, die unseren Lebensstil zerstören wollten, haben gewonnen. Nicht wegen ihrer ideologischen Überlegenheit, ihrer perfekten Strategie oder besseren Finanzierung -- Nein, ganz simpel, weil wir zu faul und zu feige wurden, unsere in Frage gestellten Werte als solche und unter Anwendung eben dieser Werte zu verteidigen. Wir selbst leisten der Zerstörung unserer Gesellschaft durch unsere Toleranz der zunehmenden Überwachung mehr Vorschub, als sich irgendein Feind dieser Werte jemals hätte erträumen können.

Dazu kann man nur sagen: Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben. Ein jämmerliches Schauspiel.

Permlink: Plak.at: Augen

Desinformation

Hr. De Gucht, der sein Liebkind ACTA grad am besten Weg Richtung Ausguss sieht, versucht in letzten, eher verzweifelt wirkenden Rundumschlägen, noch zu retten, was wohl nicht zu retten ist.

Sein gebetsmühlenartig wiederkehrendes Mantra der Desinformationskampagne der ACTA-Gegner lässt sich mit Anwendung des auch in der Kriminalistik beliebten Grundsatzes 'Cui Bono' ad absurdum führen: Wem nützt eine Ablehnung von ACTA in direkter Weise (über die Wahrung von Bürgerrechten etc. hinausgehend)?

Weit einfacher und eindeutiger zu beantworten ist die gleiche Frage aber bezüglich der Befürworter von ACTA: die Nutzniesser sind klar. Und sie haben Unmengen Geld in ihre Lobbyisten gesteckt. Das passiert nicht ohne Gewinnaussicht...


Re: Re:

Und die Antwort auf die Antwort:

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S.g. Fr. Köstinger,

zunächst herzlichen Dank für Ihre Antwort auf meine Nachricht. Aufgrund der bereits heute anstehenden Abstimmung im Parlament darf ich meine Anmerkungen kurz fassen und möchte nur wenige Punkte herausgreifen.

So sehe ich zum einen nicht nur Mängel in der Beantwortung von Fragen durch die Kommission sondern, wie bereits erwähnt, jegliche demokratischen Prinzipien verletzt wenn ein Abkommen im Geheimen verhandelt wird und die einzige Information an die Öffentlichkeit in nicht autorisierten Weitergaben von Entwurfsversionen der Vertragstexte besteht (alleine aufgrund derer das Parlament einige Änderungen anbringen konnte, eine offizielle Konsultation gab es meines Wissens nicht).

Ein Verweis an den EuGH wurde bereits 2010 angeregt, von der Kommission allerdings abgelehnt. Somit kann ich im plötzlichen Meinungsumschwung des Hrn. De Gucht nur mehr Verzögerungstaktik erkennen. Dass dieser Herr weiters bereits deponiert hat, das Parlament im Falle einer Ablehnung zu ignorieren und nochmals abstimmen zu lassen, sollte Sie als Mitglied eben dieses Parlaments als Missachtung Ihrer Institution sogar noch mehr beleidigen als mich. Diese Punkte sehe ich als Hinweise auf grobe Mängel im demokratischen Prozess.

Wie ich bereits in meiner ursprünglichen Nachricht angedeutet habe bin ich kein grundsätzlicher Gegner von Immaterialgüterrechten, aber der Überzeugung, dass diese einer angemessenen Nutzung nicht hinderlich sein, sondern, im Gegenteil, dieser Vorschub leisten sollten. Weiters sehe ich die Vermischung von Konzepten des Urheberrechts mit jenen des geistigen Eigentums als problematisch: Patente auf technische Entwicklungen sind klar zu trennen vom Urheberrecht. Und Software sowie Geschäftsprozesse sind keine technischen Entwicklungen und somit nicht Patentfähig.

Ich darf Sie nochmals ersuchen, bei der heutigen Abstimmung über ACTA dieses Abkommen aufgrund sowohl des Inhaltes als auch der Verfahrensweise abzulehnen und diese Ablehnung als Grundlage eines Initiativvorschlages zur Aktualisierung des nicht mehr zeitgemäßen Urheberrechts zu nutzen. Der momentane Zustand ist unbefriedigend, neue Ansätze dringend notwendig.

Mit freundlichen Grüßen,
Wolfram Saringer.


Followup: Antwort von Fr. MEP Köstinger

Wie bereits in meiner ursprünglichen Nachricht an Hrn. Karas angemerkt darf ich hiermit die gemeinsame Antwort durch Fr. Köstinger nachreichen:

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Sehr geehrter Herr Saringer,

ich darf mich für Ihre E-Mails an Hr. Mag. Karas und an mich sowie für Ihr Interesse an einem sehr interessanten und heiß diskutierten Thema bedanken.

Ihren Schreiben entnehme ich, dass Sie sich mit dem Werdegang des Anti-Counterfeiting Trade Agreements (ACTA) bereits genauer auseinander gesetzt haben. Das begrüße ich genau so sehr, wie die unzähligen E-Mails besorgter EU-BürgerInnen, die mich in den letzten Monaten erreicht haben. Es ist von außerordentlicher, ja sogar elementarer Wichtigkeit, dass sich die BürgerInnen am Demokratiegestaltungsprozess, aber auch bei dem Entscheidungsfindungsprozess aktiv einbringen und ihre Meinungen kundtun. Das verstehe ich unter Demokratie und dafür sind wir Europa-Parlamentarier auch da.

Wie Sie bereits wissen, hat der federführende Außenhandelsausschuss (INTA) vor zwei Wochen seine Entscheidung zu ACTA gefällt. Der sozialistische Berichterstatter David Martin hat eine Ablehnung des ACTA für das Plenum vorgeschlagen. Diese Empfehlung wurde mit 19 zu 12 Stimmen angenommen. Die sozialistische, grüne, kommunistische und liberale Fraktion im INTA haben sich für eine sofortige Ablehnung ohne endgültige Prüfung des ACTA ausgesprochen. Dem gegenüber standen die Europäische Volkspartei sowie die ECR-Fraktion, die sich aus Mangel an Antworten seitens der Kommission aktuell weder für noch gegen ACTA aussprechen konnten.
Die EU-Kommission hat nach anhaltenden Diskussionen im EU-Parlament sowie in der Öffentlichkeit den Vertragstext von ACTA im April an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) verwiesen. Dieser soll nun klären, ob ACTA im Gegensatz zu Grundrechten der EU-BürgerInnen steht oder nicht. Diese Stellungnahme des EuGH gilt es abzuwarten, da nur diese eine endgültige Klärung herbeiführen kann.

Die ÖVP-Delegation, wie die EVP Fraktion im EU-Parlament sprechen sich klar für den Schutz des geistigen Eigentums und für die Wahrung und den Schutz der Meinungsfreiheit sowie der Grundrechte der EU-BürgerInnen aus. Das war schon seit jeher ein Grundsatz der ÖVP und wird auch in Zukunft einer bleiben.

Fakt ist, dass die ursprünglichen Schöpfer des ACTA, nämlich die EU-Kommission sowie die Mitgliedsstaaten kläglich versagt haben, dem EU-Parlament und den BürgerInnen offene und brennende Fragen zu beantworten bzw. glaubhafte Garantien dafür abzugeben, dass die Freiheit der/s Einzelnen nicht eingeschränkt wird.
Um die Rolle des EU-Parlaments nochmals klar hervorzuheben: Wir sind weder die Befürworter noch die Gegner des ACTA, sondern die Richter.

Ich möchte nun kurz auf die zwei Themen eingehen, die Sie in den Schreiben an Hr. Karas und an mich angeschnitten haben:

"Weder ÖVP noch EPP haben sich in der umgebenden Diskussion bislang durch Vertretung des im Parteinamens getragenen Volkes hervorgetan"
Sie irren, wenn Sie meinen, dass die ÖVP-Delegation sich in den bisherigen Diskussion nicht im Namen der BürgerInnen eingebracht hat. Wortmeldungen im Plenum, Schriftliche Anfragen an die Kommission, Fragen an Kommissar De Gucht sowie Diskussionsbeiträge bei Aussprachen zeugen vom Gegenteil. Ich darf Sie einladen diese auf meiner Webseite nachzulesen bzw. anzuschauen:http://www.elisabeth-koestinger.at/23907/bzw.http://www.europarl.europa.eu/sidesSearch/search.do?type=QP&language=DE&term=7&author=96882sowiehttp://www.elisabeth-koestinger.at/20211/.

"Das Prozedere des Zustandekommens spricht jedes demokratischen Begriffes Hohn: Verhandlungen unter strengster Geheimhaltung, der Versuch, mit einer raschen Abstimmung dieses zur Tatsache zu erklären werfen, wie die Argumentation seiner Proponenten, bereits bereits ein schlechtes Licht auf dieses Abkommen."

Der Vertrag von Lissabon, der Ende 2009 in Kraft trat, stattet das EU-Parlament mit mehr Verantwortung und mehr Macht aus. Seit diesem Inkrafttreten, ist das Parlament dem Rat nahezu gleichgestellt und muss im Bereich des Außenhandels internationalen Abkommen zustimmen, damit diese in Kraft treten können. Ein Abändern einzelner Paragraphen und Passagen ist laut den Verträgen nicht möglich. Dieses Prozedere kommt auch bei dem Handelsabkommen ACTA zur Anwendung.
Also erst ab Ende 2009 hat die Kommission, die die ausschließliche Verhandlungskompetenz bei internationalen Abkommen inne hat, die Pflicht, das EU-Parlament über den Verhandlungsprozess ganzheitlich zu informieren. Ab diesem Zeitpunkt machte das EU-Parlament auch intensiv davon Gebrauch und auf drängen der Abgeordneten wurden Paragraphen, wie zum Beispiel betreffend 3-Strike-Verfahren oder der verpflichtenden Gepäckskontrolle an EU-Außengrenzen, aus dem Vertragstexte heraus gestrichen.
Die Verhandlungen zum ACTA unterschieden sich also in keinster Weise von anderen Verhandlungen zu internationalen Abkommen.

Nichtsdestotrotz gibt es auf einige Fragen noch immer keine zufriedenstellende Antwort. Bis nicht die letzte Fragen geklärt ist, kann sich die ÖVP-Delegation weder für noch gegen ein Abkommen aussprechen. Wir wollen die Stellungnahme des EuGH abwarten und dann, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, eine fundierte Entscheidung treffen.

Wir sprechen uns klar gegen Hüftschuß-Entscheidungen aus. Dafür steht für die europäische Wirtschaft, der europäischen Kreativindustrie, die europäischen ArbeitnehmerInnen, die KMUs, aber vor allem für die europäischen BürgerInnen zu viel auf dem Spiel.

Ich bedanke mich nochmals für Ihre Schreiben und stehe für weitere Anregungen gerne zur Verfügung.

Freundliche Grüße,

Elisabeth Köstinger


Dunkel

Die aktuelle Strategie der ACTA-Befürworter ist offensichtlich, die vermeintlich all-wirksame Terror-Keule auszupacken und die Gegner ihres geliebten (und wahrscheinlich einkommenssichernden) Abkommens zu verunglimpfen.

Aktuellster Auswuchs diese Unsitte: Wort-Sondermüll abgesondert von Marielle Gallo, einer konservativen französischen EU-Abgeordneten. Nach dem Auszügen aus dem Interview, die bei netzpolitik.org veröffentlicht wurden, möchte ich das Angebot, Fr. Gallo denke für 'die Bürger', da diese ja mit 'anderen Dingen' beschäftigt seien, lieber ausschlagen: ich glaube nicht, dass diese fehlgeleitete und informationsresistente Dame meine Anliegen ausreichend zu vertreten imstande ist.

Ich würde den Terrorismus eher an anderer Stelle ansiedeln -- dann allerdings stimmt, dass die Menschen, die z.B. gegen ACTA demonstrieren, davor Angst haben: vor dem Terror der Konzerne, der durch die Ausschaltung von Gerichten als letzter Kontrollinstanz ganz neue Dimensionen annehmen könnte. Fr. Gallo, in aller Deutlichkeit: Wir, die Bevölkerung Europas, zu deren Vertretung Sie irrtümlich entsendet wurden, wollen das nicht. Auch nicht unter anderem Namen.

Nicht genügend, setzen.

Permlink: Plak.at: Dunkel

Hörbeschwerden

Wie an dieser Stelle bereits bemerkt leidet Hr. Karel De Gucht ganz offensichtlich an eingeschränkter Wahrnehmungsfähigkeit (oder massiven Problemen, Wahrgenommenes korrekt und konsistent mit seiner Umwelt zu interpretieren).

Die geradezu lächerliche Drohung, im Falle einer Ablehnung von ACTA durch das EU Parlament, dieses erneut abstimmen zu lassen, fällt in diese Kategorie. Akut fällt mir kaum eine geeignetere Methode ein, ein Nein zu festigen... Sollte Hr. De Gucht also nur vermeiden wollen, sich selbst öffentlich von seinem Kind verabschieden zu müssen -- das Parlament wird ihm diese Bürde hoffentlich abnehmen. Und von einer weiteren, nämlich der seines Amtes, sollte man den Herrn anlässlich dieses neuerlichen Nachweises seines Demokratieverständnisses ebenfalls befreien.


Offener Brief an MEP Elisabeth Köstinger

S.g. Fr. Abgeordnete Köstinger,

in Anbetracht der anstehenden Abstimmung über das Anti Counterfeitung Trade Agreement im INTA Ausschuss ersuche ich Sie dringend, den Einwänden gegen dieses in aller Heimlichkeit verhandelten Abkommens Rechnung zu tragen und dagegen zu stimmen.
Weder ÖVP noch EPP haben sich in der umgebenden Diskussion bislang durch Vertretung des im Parteinamen getragenen Volkes hervorgetan: Nutzen Sie diese Gelegenheit, diesen negativen Eindruck zu korrigieren.

Mit freundlichen Grüßen,
Wolfram Saringer.


Offener Brief an Hr. Mag. Othmar Karas

S.g. Hr. Abgeordneter Mag. Karas,

da Sie als Vertreter Österreichs im EU-Parlament sitzen darf ich mich in einer mich auch persönlich betreffenden Angelegenheit an Sie wenden und ersuche Sie, in der anstehenden Abstimmung über das Anti Counterfeitung Trade Agreement am 4. Juli gegen dieses zu stimmen.

Das Prozedere des Zustandekommens spricht jedes demokratischen Begriffes Hohn: Verhandlungen unter strengster Geheimhaltung, der Versuch, mit einer raschen Abstimmung dieses zur Tatsache zu erklären werfen, wie die Argumentation seiner Proponenten, bereits bereits ein schlechtes Licht auf dieses Abkommen.

Der Umgang mit den von Hunderttausenden in ganz Europa getragenen Protesten ist ein weiteres Indiz, dass hier Klientelpolitik betrieben wird: beschwichtigende Worte ohne auf inhaltliche Kritik einzugehen, gebetmühlenartige Beschwörung der (nicht vorhandenen) Transparenz, Verzögerungstaktik um dann den Fischereiausschuss durchwinken zu lassen etc. -- wenn ACTA eine positive Auswirkung hat, dann die, dass erstmals eine breite Masse geschlossen dagegen vorgeht.

Inhaltliche Kritik wird Ihnen bereits zu Ohren gekommen sein, ich möchte die Punkte nicht im einzelnen erneut iterieren. Insgesamt sehe ich mich durch die schwammigen Formulierungen dieses Abkommens, die Bezug nehmen auf nach wie vor geheim gehaltene Verhandlungsprotokolle, von einer kartellartigen Medienindustrie gegängelt und in meinen Rechten als zahlender Konsument eklatant beschnitten. Das Abkommen dient einzig dazu, bestehendes, überholtes Urheberrecht zu zementieren und die Entwicklung neuer, kundenfreundlicherer Dienste zu behindern.

Ich denke nicht, dass das ein Weg ist, mit digitalen Kopien umzugehen: viele der nicht lizensierten Angebote leben ausschliesslich aufgrund mangelnder Kompetenz der Rechteinhaber und deren Unfähigkeit bzw. Unwillen, von einem Markt bestimmte Preise und Services zuzulassen.

Insgesamt bleibt zu sagen, dass sich weder ÖVP noch EPP im Umgang mit ACTA (oder auch Vorratsdatenspeicherung) mit Ruhm bekleckert haben. Helfen Sie, dieses negative Image zu korrigieren, indem Sie gegen ACTA stimmen. Es geht auch um die Glaubwürdigkeit des EU Parlaments als Kontrollinstanz.

Abschliessend darf ich Sie bitten, mir Formbriefantworten oder fertige Textbausteine zu ersparen -- auch ich habe mir die Zeit genommen, diesen Text neu zu verfassen. Ich behalte mir die Veröffentlichung (inkl. Ihrer Antwort) aufhttp://plak.at/sowie anderen Plattformen vor.

Mit freundlichen Grüßen,
Wolfram Saringer.


Arm

Mein Mitleid gehört definitiv der EU-Kommission: in einem Anfall geistiger Umnachtung (wie anders könnte man eine derartige vollkommenen Verkennung, oder eher Verleugnung, der Sachlage bezeichnen), wird die Behauptung aufgestellt, die Vorratsdatenspeicherung schaffe Mindeststandards für Datenschutz und Privatsphäre?

Nun, in besonders verquerer, der EU-Politik beileibe nicht ferner, Verdrehung der benutzten Worte könnte man tatsächlich sagen, die Vorratsdatenspeicherung schaffe einen neuen, weit unter dem bisherigen europäischen Mindestniveau liegenden Standard für Datenschutz...

Man könnte zu der Auffassung gelangen, die Kommission arbeite aktiv daran, EU-Gegnern Argumente an die Hand zu liefern... wirklich jämmerlich.

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Schwarz

Erfreulich, dass sich auch Aussenstehende wie die ÖVP in die Diskussion um geistiges Eigentum einbringen: dieses setzt in gewisser Weise Geist voraus (zugegeben, eine oft schwer nachzuvollziehende Ableitung), derzeit absolute Mangelware in den schwarzen Reihen.

Im Rahmen einer parlamentarischen Enquete wurden mehr oder weniger die Positionen der Contentindustrie propagiert, hirn- und geistlos leere Phrasen wie die Mär vom sehr gering ausgeprägten Bewusstsein der Nutzer etc. rezitiert und dem bedingungslosen "Schutz" gehuldigt.

Die ÖVP wächst also weit über sich hinaus und hat von der Produktion einzelner Sargnägel auf die Fliessbandfertigung ganzer Sargdeckel umgestellt. Und wenn ein Hr. Petz meint, das "ins Netz stellen" sei gleichzusetzen mit gewerbsmässiger Rechtsverletzung -- erklärt vielleicht seine Position in einem Verlag diese Haltung, belegt aber nicht gerade die Fähigkeit logischen Denkens und der korrekten Einschätzung seiner Mitmenschen.

Derartige verzichtbare Wortspenden, insbesondere in Tateinheit mit dem Vorschlaghammer "Kinderpornographie" (wie auch immer diese in den Titel des Standard-Artikels geraten sein mag), zeugen von der Hilflosigkeit der Verwerterindustrie, nicht von der grundsätzlichen Unwilligkeit der Nutzer, für Inhalte angemessenes Entgelt zu entrichten, wenn diese in der gewünschten Form und zum gewünschten Zeitpunkt zur Verfügung gestellt werden (bestes Beispiel nach wie vor Apple/iTunes).

Nein, Aufgabe der Konsumenten ist es definitiv nicht, diese Geschäftsmodelle zu entwerfen und fertig zu präsentieren. Nutzer haben durch die Verwendung diverser Downloadplattformen ausreichend über ihre Anforderungen Auskunft erteilt, es ist den Anbietern überlassen, daraus Schlüsse zu ziehen und Angebote zu unterbreiten. Ein Bestehen auf veralteten Geschäftsmodellen wird nicht weiterhelfen...


Rechtsstaat

Gleich Hrn. Dr. Müller, seines Zeichens Geschäftsführer des "Vereins Anti-Piraterie" ("VAP"), bin ich durchaus für eine "(...) Reparatur dieses rechtsstaatlichen Mißstandes": Vorratsdatenspeicherung spricht der Rechtsstaatlichkeit Hohn und muss alleine aufgrund dieser Tatsache mit sofortiger Wirkung zurückgenommen werden.

Zusätzlich zur bewiesenen Wirkungslosigkeit bzgl. terroristischer Straftaten tritt nunmehr die bereits vorab vermutete Begehrlichkeit der sog. Rechteinhaber (die in den meisten Fällen jedoch lediglich Rechteverwerter sind, was natürlich wesentlich weniger Aufregungs-autorisiert klingt), die diese quasi zufälligen Datenhaufen gerne nach ihrem eigenen Mist durchstöbern möchten.

Hr. Müller ist bereits mehrfach mit seinen der allgemeinen Rechtsauffassung widersprechenden, eher der Agitation zuzurechnenden Interviews aufgefallen. Die unten verlinkte Presseaussendung des VAP passt in dieses Bild: ein von der Zeit überholtes Geschäftsmodell schlägt im sinnlosen Versuch der Rettung mit aller Kraft um sich, anstatt positiv an einer für alle Beteiligten akzeptablen Lösung mitzuwirken. Auf derartige Beiträge kann verzichtet werden.


Scheibchenweise

Früher nannte man das Salami-Taktik: in kleinen, möglichst unauffälligen, für sich genommen vielleicht sogar unbedenklichen Schritten auf ein größeres Ziel hinarbeiten, das, offen genannt, niemals erreichbar wäre.

In schönster Demonstration dieser Vorgehensweise kommt nun, für (fast) alle Betroffenen anscheinend vollkommen überraschend, der erste Versuch der Content-Industrie, die Nutzung der Vorratsdaten (für sich bereits ein Verstoss gegen die Menschenwürde) über ihren vorgeblichen Daseinszweck der Terrorbekämpfung, für den sie ohnehin ungeeignet bzw. unnötig sind, hinaus zur Verfolgung von Filesharern zu nutzen.

Dazu passt nur ein klassischer Twitter-Kommentar: "U MAD?"

Nach neuesten Erkenntnissen leben wir in einem nur mehr schlecht kaschierten Polizeistaat. Damit nicht genug (oder vielleicht auch direkte Folge): eine Reihe gieriger Geschäftemacher fällt, bewehrt mit zunehmend zweckentfremdeten Gesetzen, über ihre Kunden her um noch etwas mehr Geld zu erpressen. Und werden von der Politik auch noch gedeckt in ihrem Tun.

Es ist höchste Zeit für eine Copyright-Reform, die sowohl die Interessen der Schaffenden als auch der Konsumenten beachtet. Wohlgemerkt sind hier die sog. Rechteverwerter nicht genannt): diese sollten als reine Vermittler mit der Verteilung der Einkünfte befasst sein und selbst keinerlei Gewinn machen dürfen. Niemand sagt, dass das derzeitige System mit Rechteverwertern, die sich Kulturschaffende quasi im Stall halten und sie aussaugen, die einzige Variante ist... Es wird Zeit, hier etwas Licht ins Dunkel einiger Köpfe zu bringen.

Beruhigend daran ist einzig, dass das Vorhaben der Rechteverwerter vollkommen undurchführbar ist: es wird sich immer und jedes Mal ein technischer Weg finden lassen. Solange die Herrschaften also so einfältig sind, zu glauben, private Kopien wären ihr Problem -- sind sie ohnehin dem Untergang geweiht. Da können sie dann Einfaltspinsel wie Hrn. Sven Regener gleich mitnehmen.


Demontage

Einem Mann namens Jürgen Bodenseer, der bislang ein eher unauffälliges Dasein als Tiroler Wirschaftskammerpräseident und Wirtschaftsbundobmann geführt hat, wurde diese Tätigkeit offensichtlich zu langweilig und er sah sich in zweifelhaften Onlinediensten (namentlich Facebook) bemüssigt, über eine kleine Reform des Strafrechts 'nachzudenken'. Um genau zu sein die Wiedereinführung der Todesstrafe.

Dazu eine Frage, Hr. Bodenseer: Gehts noch ganz gut? Oder regnets in Tirol zu viel? Oder fehlt die Sauerstoffzufuhr? Diese wird gemeinhin als der Denktätigkeit förderlich erachtet...

Natürlich bleibt es Hrn. Bodenseer unbenommen, weiterhin die Demontage der ÖVP zu betreiben. Allerdings würde trotz der unzweifelhaften Effizienz der Bemühungen für eine vorsichtigere Wahl der Themen plädieren, eine Wiedereinführung der Todesstrafe widerspricht europäischen Werten in krassester Art und Weise und schiesst weit über das offensichtliche Ziel der Diskreditierung einer Partei hinaus.

Letztere wird im übrigen bereits bestens betreut von Fr. Fekter (deren Liste an Verfehlungen mittlerweile zu lang ist, um sie in Neben- oder Klammersätzen zu umreissen) oder neuerdings bedauerlicherweise auch unterstützt durch Hrn. Othmar Karas (Zustimmung zum Flugdatenabkommen).

Konservativ bedeutet nicht den unverrückbaren Glauben an einen totalitären Staat (mit den Instrumenten Überwachung und Bestrafung). Bitte um bessere Vorschläge.


April

Nun war die erwartete/befürchtete Veröffentlichung von gestohlenen Politiker-E-Mails nur ein Aprilscherz. Wie Hr. Ehrenhauser richtig bemerkt, sollte es uns zu denken geben, dass wir es offensichtlich für nicht nur möglich sondern sogar wahrscheinlich gehalten haben. Wie ruhig einige Politiker die letzten Nächte verbracht haben sei einmal dahin gestellt: als allgemeines Sittenbild spricht die Glaubhaftigkeit der Ankündigung leider Bände.

Das Handling der Veröffentlichung Samstag Nacht war nicht unbedingt glücklich, die Stellungnahme von Anonymous Austria als Reaktion darauf deutet die Befürchtung eines Vertrauensverlustes an.

Insgesamt sehe ich es aber als durchaus gelungenen Aprilscherz (im Sinne des Wortes): massive Aufmerksamkeit und allseitige Enttäuschung, einem Fake aufgesessen zu sein. Getreu den Wurzeln von Anonymous: For the Lulz.

Jeder gönnt einem korrupten Politiker peinliche Veröffentlichungen (die in AT ohnehin viel zu selten wirkliche Konsequenzen haben). In diesem Fall war die Erwartung auch in irgendeiner Form Rache für die Einführung der Vorratsdatenspeicherung, einer massiven und beispiellosen Einschränkung der Grundrechte. Dazu ist zu bemerken, dass dieser Mist ausnahmsweise nicht auf dem Haufen österreichischer Politiker gewachsen ist sondern eine stark verspätete Umsetzung einer EU-Richtlinie darstellt und tatsächlich eher auf Minimalniveau erledigt wurde (hier soll Fr. Fekter als Negativbeispiel allerdings nicht unerwähnt bleiben: sie hatte sich für eine längere Datenhaltung von 9 Monaten eingesetzt).

Leaks sind ein Mittel im Kampf um Bürgerrechte, aber beileibe nicht das einzige. Darauf zu setzen und zu vertrauen, dass eine Gruppe von Mitmenschen viel riskiert und die Drecksarbeit erledigt ist nicht ganz fair: jeder kann sich aktiv einbringen und die Verfassungsklage gegen VDS unterstützen.

Zum mehrfach angesprochenen Vertrauensverlust in Anonymous Austria ist folgendes zu sagen: Jeder befördert seine Ziele mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Wenn eine Gruppe bereit ist, für ein Ziel ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen, indem sie den allgemeinen Vertrauensvorschuss für einen, am Medienecho gemessen, mehr als effektiven Scherz nutzt -- Hut ab. Da ist jemand von seiner Sache wirklich überzeugt und gibt alles für einen Erfolg.

Die Damen und Herren mit den Masken tun mehr für die Gesellschaft als sie ihr allenfalls schulden. Da sei ihnen etwas Vergnügen gegönnt ;-)

Permlink: Plak.at: April

Kopie

Wenn Kopieren mit Stehlen gleichzusetzen ist... können wir der MPAA, RIAA, IFPI und ähnlichen Vereinigungen entsprechend für deren (größtenteils ungerechtfertigte) Forderungen eine Kopie unseres Geldes schicken. Im Zweifelsfall sollte die ASCII-Version reichen -- schliesslich sind ja auch die meisten Musikkopien nur komprimiert...

Permlink: Plak.at: Kopie

Fairness

Hr. Rothensteiner, seines Zeichens Chef der RZB und Obmann der Wirtschaftskammer-Sektion der Banken, sieht eine Erhöhung der Bankensteuer in Folge der von der Regierung als notwendig erachteten Rettung der ÖVAG als 'Ungerechtigkeit' und 'unfaire' Behandlung.

Er gesellt sich damit zu anderen Personen mit fragwürdiger Definition des Gerechtigkeitsbegriffs (der neuerdings ja geradezu Freiwild zu sein scheint). In der Sache wäre zu antworten, dass es wohl nicht zu viel verlangt ist, wenn Banken die Rettung eines anderen Instituts mittragen (und zwar im Empfinden der bedeutenden Mehrheit der aktuellen Zahler noch zu wesentlich höherem Anteil). Hr. Rothensteiner, in welcher anderen Branche springen Staat und Steuerzahler ein, wenn ein Unternehmen sich aufgrund seiner Misswirtschaft ins Aus manövriert hat? In diesem Glashaus sitzend sind die genannten Steine mehr als frech.


Unwohlsein

Leider sind auch Teile des EU-Parlaments von leichter geistiger Diarrhöe befallen und faseln etwas davon, die Ratifizierung von ACTA sei im öffentlichen Interesse (das exakte Gegenteil ist der Fall) oder dass ein Rechtsgutachten geheimzuhalten sei, bis alle Vertragsparteien unterzeichnet und ratifiziert hätten.

Alleine Konstrukte wie die Vermutung, die Veröffentlichung besagten Gutachtens könne Besorgnisse bezüglich der Ordnungsmässigkeit des Ratifizierungsprozesses auslösen, spricht doch deutlich für die wahre Absicht hinter der Geheimhaltung: eine Diskussion soll unterbunden werden bis es zu spät ist. Das Vertrauen der Bevölkerung in einen ordnungsgemässen Prozess ist offensichtlich leider vollkommen irrelevant -- und spricht für die bereits mehrfach unterstellte verkehrte Welt einiger (gewählter, wie ich nochmal erinnern möchte) sogenannter Volksvertreter.

Kurzfristig bleibt nur eine Frage: Hr. Wieland, wie können wir Ihnen helfen? Ein leichter Schlag auf den Hinterkopf zur Erhöhung des Denkvermögens? Oder besser die Abwahl aus einer Position, die Sie ganz offensichtlich in jeder Hinsicht, mental wie auch logisch, überfordert?
Nur eine Bitte im Gegenzug: ersparen Sie uns künftig Ihre übelriechenden Wortkaskaden (der Begriff 'Satz' würde Ihren jämmerlichen Begriffsaneinanderreihungen bereits zu viel der Ehre antun).


Sensibel

Die EU Kommission bleibt auf ihrer Linie: ein Ersuchen um Einblick in das Rechtsgutachten bzgl. Vorratsdatenspeicherung wird mit den Hinweis auf die sich daraus zwingend ergebende 'externe Beeinflussung' der Entscheidung der Kommission und die besondere Sensibilität der Angelegenheit abgewiesen.

Sensibel erscheint hier allenfalls die Kommission, wenn sie sich nicht mit Argumenten einer öffentlichen Diskussion zu stellen bereit ist. Naheliegend die Unterstellung, diese Argumente fehlten... was auch ein aktuelles Gutachten über die fehlenden Vorteile der Vorratsdatenspeicherung belegt.

Denn Damen und Herren der Kommission dürfte irgendwie aus dem Blick gelaufen sein, dass sie nicht als Selbstzweck sondern in unser Aller Sinne Entscheidungen zu treffen haben. Und ja: wir bestehen geradezu auf externer Beeinflussung, denn die Kommission alleine scheint ihren Auftrag nicht ernst genug zu nehmen. Und Entscheidungen zu treffen, die das Allgemeinwohl hin und wieder etwas aus den Augen verlieren.

Bedenklich an auch diesem Prozess ist, dass die betroffene Öffentlichkeit von den Entscheidungen möglichst fern gehalten werden soll (wie ja bereits im Falle von ACTA) und intransparente Entscheidungen gerade heraus befürwortet werden. Dieses fehlgeleitete, obrigkeitslastige Demokratieverständnis trägt nicht zu einem positiven Image der EU insgesamt bei. Wenn also langsam die Transformation vom Handelsraum zu geteilten Werten vollzogen werden soll, wäre es nicht nur angeraten sondern absolut essentiell, diese neuen, gemeinsamen Ausprägungen der Politik auf eine breite Basis zu stellen. Akteneinsicht zu verweigern dient diesem Ziel jedenfalls in keinster Weise.

Die in der entsprechenden Richtlinie niedergelegte Ausnahme von der Ausnahme der Informationstransparenz im Falle überwiegenden öffentlichen Interesses ist in diesem Fall sicher anwendbar -- schliesslich betrifft die Vorratsdatenspeicherung als verdachtsunabhängige Datenerhebung alle EU Bürger. Wie dieses Konzept der Vorverdächtigung Einzug in sich selbst als demokratisch deklarierende Staaten halten konnte bleibt mir verschlossen... Es zeigt aber einen sich beständig vergrössernden Abstand zwischen Bevölkerung und Regierungen. Letztere scheinen bereits in beständiger Furcht vor ersteren zu leben...


Reaktionen

Nach der ersten, geradezu peinlich weltfremden Reaktion der EU Kommission auf die Anti-ACTA-Proteste vom 11.2.2012 melden sich nunmehr weitere Politiker zu Wort. Das meiste klingt beschwichtigend und auf Hinhalten ausgerichtet -- und erweckt den Eindruck, unsere gewählten Vertreter verstehen noch immer nicht, worum es hier geht.

Positiv ist die Bewertung durch Martin Schulz, seines Zeichens Präsident des Europaparlaments, zu bewerten. Er kritisiert sowohl die Vorgehensweise als auch die Unausgewogenheit bzgl. der Einschränkung von Bürgerrechten zugunsten des Urheberrechts.

Hr. Spindelegger ringt hingegen um klare Worte und möchte lediglich die Bedenken 'einfliessen' lassen und den Inhalt des Abkommens 'prüfen'. Als wäre das nicht bereits *vor* der Unterzeichnung angebracht gewesen...

Hr. Mitterlehner bleibt offensichtlich bei seiner bereits in dem veröffentlichten Brief dargelegten, irrigen Position, ACTA seit gut und notwendig. Spontan fällt mir da ein Filmzitat ein, natürlich gänzlich ohne Kontext sei es hier eingeworfen: "Tut mir leid, wir haben seine Medikamente noch nicht ganz im Griff'. 'Wilde Kreaturen' wenn ich mich richtig erinnere... Zufällig gings auch dort um Besitzansprüche von Menschen mit zu viel Geld.

Interessant eine in einem Urteil vom November 2011 geäusserte Position des EuGH, eine dauerhafte Filterung des Internetverkehrs sei mit dem Recht auf privaten Datenschutz und dem Recht, Informationen zu versenden und zu erhalten, nicht vereinbar. Eine nunmehr auch von Deutschland und der Justizkommissarin Viviane Reding ins Spiel gebrachte Bewertung von ACTA durch den EuGH könnte also interessante Erkenntnisse bringen. Mrs. Reding ist auch die grundsätzliche Bekenntnis zu einem freien Netz zu Gute zu halten: "Die EU steht für ein frei zugängliches Internet sowie für Meinungs- und Informationsfreiheit im Internet".

Bulgarien hat sich dem Kreis der ACTA-Verweigerer zugesellt -- offensichtlich haben dort die Überlegungen nicht so lange gedauert wie hierzulande. Dafür gab die SPÖ-Delegation zum EU Parlament bekannt, gegen ACTA stimmen zu wollen und daran arbeiten zu wollen, dass die gesamte sozialdemokratische Fraktion sich diesem Nein anschliesst.

Abschliessend sei nochmal an die Briefe an die EU Parlamentarier und die nationalen Abgeordneten erinnert... Die Taktik mit Aufschieben und in einem unbewachten Augenblick durchboxen ist schliesslich auch nicht neu. Und wie Anonymous im unten verlinkten Video vermerkt: Wir kennen das Spiel jetzt.


Unrat

Nach der Lektüre des unten Verlinkten Heise-Artikels zur Reaktion der EU Kommission auf die Anti-ACTA Proteste vom vergangenen Samstag war eine kleine Pause notwendig, um die eigentlich durchaus angebrachten Verbalinjurien wieder auszufiltern und eine gemessene Antwort zu Papier zu bringen.

Es stellt sich jedoch auch nach näherer Überlegung noch die Frage, wofür sich die Versammlung eigentlich hält? Berechtigte Proteste gegen die jedwedem demokratischen Prozedere hohnsprechenden und Bürgerrechte mit Füssen tretenden, als 'Handelsabkommen' getarnten Erosionen europäischer Werte (bzw. ehemaliger solcher) werden als 'uninformiert' abgetan. Der Argumentation, die bedauert, die Diskussion 'verschiebe sich zu Grundrechten' ist entgegenzuhalten, dass es von geballter Ignoranz zeugt, ACTA diesen Aspekt der Beeinflussung abzusprechen: es beinhaltet eine massive Einschränkung von Grundrechten und ist unter anderem *auch* aus diesem Grund abzulehnen.

'Einfluss unzureichender Informationspolitik'? Welcher Hohlraum in diesen Köpfen resoniert hier überlaut? Man kann es natürlich als Ergebnis absolut unzureichender Informationspolitik sehen, wenn Proteste erst nach der Unterzeichnung stattfinden: bis dahin wurde das Abkommen ja tunlichst geheimgehalten. Diese Tatsache ist eigentlich nur schlechtem Gewissen und der Vorahnung, mit dieser Frechheit bei offener Diskussion nicht durchzukommen, zuzuschreiben.

Wieder einmal liegt die Verantwortung nunmehr beim Europäischen Parlament, den unvertretbaren Schwachsinn, den die Kommission verbrochen hat (und keine andere Formulierung erscheint passend in Anbetracht der weitreichenden Auswirkungen zu Lasten Aller) zu korrigieren. Und ACTA das wohlverdiente 'Nein, unter keinen Umständen' zukommen zu lassen. Eigentlich höchste Zeit, die Kommission, die ihre Unfähigkeit und Ignoranz bereits mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, endlich abzuschaffen und diese Gefahr für die europaweite Demokratie unter Quarantäne zu stellen.

Permlink: Plak.at: Unrat

Demo

Man glaubt es kaum: trotz der leicht frostigen Bedingungen waren zwischen 3000 und 4500 Menschen in Wien sowie zwischen 1000 und 2500 in Linz, Bregenz und Graz auf der Strasse um gegen die größte Zumutung der jüngeren Vergangenheit zu demonstrieren und ihr Mitspracherecht in einem der widerwärtigsten Versuche der Umgehung rechtsstaatlicher Prinzipien anzumelden.

Wie mehrere der Sprecher der Abschlusskundgebung korrekt angemerkt haben ist mit dem heutigen, durchaus erfolgreichen Tag die Geschichte nicht vorüber: wie auch bereits beim Thema der Softwarepatente werden neue Anläufe kommen, dieses den Grundrechten und vor allem dem Gerechtigkeitsempfinden der Mehrheit wiedersprechenden Unding namens ACTA doch noch möglichst unbemerkt durchzuboxen.

Als erster Schritt, das zu verhindern, ist die Nachbearbeitung der Demo besonders wichtig: Informiert die Abgeordneten im österreichischen Parlament wie die EU-Abgeordneten über eure Sicht der Dinge. Eine Liste mit Mailadressen findet sich z.B. auf der unten verlinkten Stopp-ACTA Page. Ein paar persönliche Worte an ein paar Parlamentarier wirken sicher besser als ein Vorlagetext an viele...

Kündigt im Schreiben die Veröffentlichung der Antwort bereits an. Und tut das auch -- Peinlichkeiten wie das Geschreibsel, das Hr. Mitterlehner zum Thema abgeliefert hat, brauchen Publikum um ihren maximalen Amusementwert entfalten zu können...

Permlink: Plak.at: Demo

Privat/Recht

Die zentrale Frage im Kontext von ACTA lautet:
"Wollen wir tatsächlich die Bewertung und Sanktionierung von Handlungen in die Hände privater Unternehmen legen?"

Abgesehen von dem Umstand, dass das Urheberrecht im aktuellen Zustand weder zeitgemäss ist noch die Richtigen berücksichtigt muss an ACTA alleine der Umstand, dass es vollkommen intransparent hinter verschlossenen Türen zwischen Lobbyisten und Mitgliedern der Kommission verhandelt wurde und nur in Fragmenten ganz entgegen der Absicht der verhandelnden Parteien an die Öffentlichkeit gelangte, höchsten Verdacht erregen, dass einflussreiche Gruppierungen sich hier ihre Pfründe sichern wollen.

Es ist innerhalb der jüngsten Vergangenheit bereits der zweite Fall, in dem staatliche Instanzen zu Exekutionsorganen privatwirtschaftlicher Interessen degradiert werden anstatt diese zu regulieren und die berechtigten Interessen der Staatsbürger gerade gegenüber diesen zu vertreten: Im Falle der Banken wurde ein vollkommen unbegründeter Sonderstatus im Wirtschaftsgefüge ausverhandelt, der nicht anders denn als Farce zu beschreiben ist. Und nunmehr versucht die Content-Industrie dem nachzueifern. Sich mit Hilfe einiger handzahmer Politiker, die entweder keinerlei Ahnung von dem haben, was sie da zu regulieren versuchen oder -- schlimmer -- sehenden Auges das neu entstandene Standbein unserer Kultur ansägen weil es ihrem persönlichen Vorteil dient.

Nicht nur die Herangehensweise von ACTA, z.b. geheime Verhandlungsprotokolle, die den Unterzeichnern nicht bekannt und / oder zugänglich sind, später heranziehen zu wollen, um die schwammigen Formulierungen des unterzeichneten Textes zu 'interpretieren' sondern das gesamte gedankliche Gerüst, das Netz von privilegierter Privatpolizei regieren zu lassen, widerspricht rechtsstaatlichen Grundsätzen in geradezu grotesker Art und Weise.

Wenn man vor Unkenntnis und offener Ignoranz strotzende Statements wie Hrn. Mitterlehners Antwort auf eine entsprechende Anfrage bzgl. seiner Unterstützung für ACTA lesen muss entsteht ein geradezu überwältigend negativer Eindruck von den sog. Volksvertretern. Es wirkt einfach nur mehr frech. Wie kann eine die Interessen grosser Bevölkerungsgruppen derart mit Füssen tretende Person eigentlich auf eine weitere politische Karriere (zumindest in gewählten Positionen) hoffen?

Die im Raum stehende Befürchtung ist, dass ein grundlegender Wandel im Umgang mit der Abwägung der Bedürfnisse der Marktteilnehmer im Gange ist und übermächtige Konsortien Staaten und deren Strukturen zu instrumentalisieren versuchen. Wir sollten es nicht soweit kommen lassen, dass erst ein Äquivalent der Französischen Revolution wieder zur Balance beiträgt. Wehret den Anfängen. Stoppt ACTA. Und ähnlichen Schwachsinn.


Unsinn

Unter der Kurzfassung "Mythos Schutzlücke" publiziert der CCC ein Dokument der kriminologischen Abteilung des renommierten Max-Planck-Instituts, das belegt, dass die Vorratsdatenspeicherung entgegen anderslautenden Behauptungen auch der österreichischen Innenministerin bei Straftaten keine Ermittlungsvorteile bringt.

Nur zur Befriedigung voyeuristischer Gelüste unseres Sicherheitsapparates ohne Verdachtsmoment Grundrechte aller Bürger zu missachten ist ein vollkommen unhaltbarer Zustand. Fr. Innenminister, stellen sie diese unverhältnismässige und sinn- wie nutzlose Massnahme mit sofortiger Wirkung ein.

Permlink: Plak.at: Unsinn

Schweigen

Während die unheiligen Zwillinge SOPA/PIPA weltweite Proteststürme entfacht haben wurde letztes Jahr von der EU ACTA angenommen und soll diese Woche von Österreich unterzeichnet werden.

Diese Entwicklung ist kennzeichnend für zwei Probleme: Erstens die Schlitzohrigkeit der Politiker, lieber im Stillen den Pfad des geringsten Widerstandes zu gehen, in Kombination mit der Bequemlichkeit der Bürger. Nichts Neues also.

Ein Problem noch größerer Tragweite in Bezug auf die künftige, ungehinderte Entwicklung digitaler Grundlagen der Kultur und Gesellschaft ist jedoch, dass zwar die überalterte Contentindustrie eine Lobby hat, deren Opponenten (von Vertretern neuer Geschäftsmodelle über Entwickler bis zu simplen Nutzern digitaler Dienstleistungen) jedoch nicht. Es wäre hoch an der Zeit, zu akzeptieren, dass die Contentindustrie die technische Entwicklung (zu recht) als existenzbedrohend wahrnimmt (verschuldet allerdings nicht durch überhand nehmende Piraterie sondern durch eigene Unfähigkeit zur Adaption) und aus diesem Grund mit aller Gewalt auch weiterhin versuchen wird, ihre Vorstellungen restriktiver Gesetze durchzudrücken.

Dagegen im Sinne einer freien Gesellschaft erfolgreich vorzugehen heisst, Themenführerschaft zu übernehmen und eigene Gesetzesentwürfe einzubringen, die das Schicksal dieser überalterten Geschäftsmodelle besiegeln, den Konsumenten wie auch Vertretern aktuellerer Verfahren zur Verteilung Mühe und Geld sparen und die Tore für eine an Konsumentenbedürfnissen orientierten Serviceindustrie öffnen.

Es wird Zeit, klare Gegenforderungen zu formulieren und auch Geld für eine eigene Lobby in die Hand zu nehmen. Ad Hoc Proteststrukturen werden auf Dauer nicht funktionieren (wenn wieder einmal der Fischereiausschuss über Softwarepatente in der EU abstimmt), eine dauernde Vertretung in Brüssel sowie gegenüber nationalen Regierungen ist notwendig.

Sonst steht zu befürchten, dass es nach dem immer gleichen Muster weitergeht: Viel fordern, bei Protest ein paar Sachen rausstreichen -- und im Endeffekt doch die Hälfte der Forderungen durchbringen. Kein schlechter Schnitt... Aber das lässt sich genauso umgekehrt anstellen.

Erste Vorschläge:
*) Verbot von DRM und ähnlichen Massnahmen.
*) Klagen wg. Copyrightverletzung nur nach Hinterlegung der potentiellen Schadenssumme des Beklagten um im Falle der Abweisung Schadenersatz leisten zu können (und willkürliche Klagen zur Einschüchterung zu verhindern)
*) Explizites und dauerhaftes EU-weites Verbot, Softwarepatente und ähnliche Regelungen einzuführen
*) Monatliches Freibier-Kontingent für alle (OK, darüber kann man noch verhandeln)


Leben

Lohnender Film aus Österreich: "Atmen" von Karl Markovics. Eine interessante, durchaus berührende Geschichte, entspanntes Tempo ohne hektische Schnitte und vor allem eine gelungene Kameraführung, die die Geschichte gut unterstützt. Ansehen. Trotz der Überhäufung mit Filmpreisen...

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Daneben

Das Neue Jahr beginnt heiter: so erweist sich SOPA als zahnlos gegenüber dem Hauptziel The Pirate Bay. Schönes Beispiel für vollkommen fehlgeleitete Anlass-Gesetzgebung, die nicht nur weit am eigentlichen Ziel vorbeischiesst, sondern auch massive Kollateralschäden bedingt.

Update: Zusätzlich begeht der Author von SOPA Vergehen, die nach seinem Entwurf strafbar sind. Ein schönes Beispiel für die mental retardierte Gier, die hinter derartigen Vergehen gegen die Gesellschaft steckt.


Inkompetenz

Die Länge der unnötigen, zum guten Teil sogar kontraproduktiven Massnahmen schlägt beinahe die Länge der unnötigen Schlangen auf den Flughäfen...


SOPA

Ein schönes Beispiel der hier bereits zahllose Male angeprangerten Gier der Contentindustrie ist der Versuch, mit SOPA weitreichende Privilegien zu etablieren, die privaten Unternehmen ohne jegliche richterliche Kontrolle Zensurmassnahmen erlauben, die weit über das Ziel des ohnehin fragwürdigen und in der bestehenden Form nicht mehr zeitgemässen Schutzes geistigen Eigentums hinausschiesst. Ein klassischer Fall von 'Bock zum Gärtner machen'...

Fehlgeleitete Versuche, wie Inhalte per DNS-Sperre aus dem Netz zu verbannen, klingen für technisch auch nur minimal fluente Personen wie eine Satire. Ungefähr so lange, bis man in die geifernden Gesichter der Proponenten des Vorschlages schaut: Diese Ignoranten meinen das tatsächlich ernst.

Man könnte ja meinen, Gier schaltet die Intelligenz aus -- Fehler der These: dazu müsste selbige grundsätzlich vorhanden sein. Dieser Makel lässt sich auch durch die vollkommene Erklärungs-Resistenz nachweisen: Alternativangebote, die aufgrund ihrer kontrollierteren Antworten einfach weit weniger attraktiv sind, werden als unzureichend und technisch unterlegen abgewiesen.

Zitat aus dem unten verlinkten Artikel:
"SOPA presupposes that criminals, faced with a DNS filtering shock and awe campaign, will fold tents and leave the Internet. Good luck with this."
Viel besser kann man den verbohrten Umgang der SPOA-Proponenten mit der Realität nicht beschreiben.

Es wäre langsam an der Zeit, die lächerlichen Versuche des Schwanzes, mit dem Hund zu wackeln, aufzugeben und sich der Realität zu fügen: Konsumenten sind bereit, für Qualität und Service zu zahlen. Ohne Erfüllung dieser beiden Kriterien aber nicht. Keine Kopfstände, Rumpelstilzchentänze oder ähnliches werden daran etwas ändern. Good luck with that.

Permlink: Plak.at: SOPA

Interesse

Selbiges konnte man Providern selten unterstellen -- zumindest, was Bedürfnisse ihrer Kunden betrifft. Ganz anders sieht das natürlich aus, wenns um Daten geht, die Kunden *nicht* verraten wollen, so z.B. aufgerufene Programme und Webseiten oder gesendete bzw. empfangene SMS. Enter Carrier IQ...

Natürlich ist bei den gerade hoch gehenden Wogen bzgl. Datensammelei eines nicht zu vergessen: SMS und aufgerufene Webseiten gehen ohnehin durch Providerhände und können zu grossen Teilen auch an anderen Stellen der Infrastruktur geloggt und/oder eingesehen werden. Für diese Transportdienste wird von Kundenseite stillschweigend ein Post-ähnliches Ethos angenommen (teilweise auch tatsächlich aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen gerechtfertigt), nur bleibt diese Zurückhaltung nun beim Einsatz der Carrier IQ Software auf den Endgeräten?

Die distanzierung des Softwareherstellers und Dienstleisters Carrier IQ selbst ist bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar, wenn auch von einer gewissen Dealermentalität geprägt (ich gehe auch davon aus, dass die weitreichenden Datensammelfähigkeiten ein Verkaufsargument waren). Dessenungeachtet waren offensichtlich die Provider diejenigen, die über den Umfang der Datensammlung bestimmt haben -- und, wie ich unterstelle, in den seltensten Fällen ihre Kunden korrekt davon in Kenntnis gesetzt haben, dass Nutzungsdaten, die auch höchst privater Natur sein können, erfasst werden.

Eine Anfrage beim eigenen Provider ob des Einsatzes besagter Software wäre sicher angebracht. Vielleicht ist genau das der Skandal, den die Branche braucht, um wieder zu Vernunft zu kommen (siehe z.B. Mindestvertragsdauer).


Lesen

Interessanterweise kommt gerade die Diskussion auf, was eine gute Website zum Lesen ausmacht, angestossen durch Brent Simmons' Beschwerde "The Pummeling Pages", der, vollkommen korrekt, den aktuellen Stand insbesondere kommerzieller Publikationen im Web als ihrem primären Daseinszweck nicht dienend kritisiert: Inhalt zwischen aufdringlichen Werbeeinschaltungen und hinter allen möglichen und vor allen unmöglichen Hürden versteckt, von SEO-Unzucht zur Strecke gebracht.

In positiver Weise an die Analyse des Ist-Zustandes anschliessend hat Simmons inzwischen die in nicht nur seinem Empfinden entscheidenden Punkte für lesbare Inhalte in einem weiteren Artikel zusammengefasst. Die einzelnen Punkte der "Pub Rules" sind ausreichend erklärt und bedürfen keiner weiteren Erläuterung. Die entscheidende Frage: welche Publikation bringt den Mut auf, das zu versuchen? Und einen guten Teil der tatsächlich noch existenten *Leser* abzuschöpfen? Es wäre ein erfreuliches Experiment -- und wie manche Beispiele der jüngeren Vergangenheit zeigen: die nicht ausgetretenen Pfade führen zum Erfolg...

Permlink: Plak.at: Lesen

Glaube

Goldenes Brett vor dem Kopf
Nicht ein fehlender wissenschaftlicher Beweis macht etwas zu schädlichem Gedankengut. Problematisch ist das Bedürfnis, wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse zu Gunsten esoterischer Pseudoerklärungen zu ignorieren.

Permlink: Plak.at: Glaube

Partei

Anhand des Strohfeuers namens Piratenpartei Österreich ein paar Überlegungen, warum Politik in dieser Form nicht funktioniert...

Welche Bedingungen muss eine Gruppe von Personen erfüllen, um in der politischen Landschaft als Partei erfolgreich auftreten zu können? Eine Partei benötigt zunächst ein Programm, radikal formuliert eine Art Lebensentwurf für ihre Mitglieder. Weitgehender Konsens über zugrundeliegende Werte, ein, wenn man so will, Profil.

Es ist noch nicht als problematisch zu werten, wenn man dieses Profil nicht in ein einzelnes Wort ('Konservativ' oder ''Kommunistisch') fassen kann, mehr als ein paar (wenige) Sätze sollten aber nicht notwendig sein, die Basis der Forderungen (früher auch Visionen) zu erläutern. Wie sonst sollte man Aussenstehende, die möglicherweise interessiert, aber nicht involviert sind, vermitteln, dass ihr Engagement sich lohnt? Dass es sich um eine Gruppe von Personen handelt, die grundsätzliche Ansichten zu Sinn und Unsinn im Bezug auf mögliche Entwicklungen der Gesellschaft teilen?

Meiner Ansicht nach besteht genau darin das Problem der Piratenpartei (-en): die weitestgehende Divergenz über grundsätzliche Fragen wird nicht als Problem erkannt sondern zum Prinzip erhoben ("Wir sind offen für alle Standpunkte." -- dem ist in alter Tradition entgegenzuhalten: Wer für alles offen ist kann nicht ganz dicht sein.)

Erstmalig habe ich den Beitritt zu einer politischen Partei tatsächlich in Erwägung gezogen. Diese Überlegung führte allerdings zu einem 'Leider Nein': zum einen plane ich nicht, Energie in sog. basisdemokratische Strukturen (bzw. das Fehlen von Strukturen) zu stecken, zum anderen sind zwar viele der Ziele ident oder ausreichend ähnlich zu den meinigen -- Ziele sollten sicher aber aus genannten Werten ergeben und nicht umgekehrt Grundlage einer Partei sein.

Die derzeit als Piratenpartei (Sorry, noch immer der denkbar unglücklichste Name ever) firmierende Personengruppe wäre nach meiner Überlegung besser in einer Lobbygruppe für Rechte im digitalen Zeitalter aufgehoben. Die verfolgten Ziele erachte ich nach wie vor als äusserst wichtig in den kommenden Jahren und Jahrzehnten. Aber es gibt effizientere Möglichkeiten, diese Anliegen zu Gehör zu bringen als eine amorphe Parteikonstruktion, die lediglich eine winzige Sparte des Lebens abdeckt.

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Kontrolle

Die Presse zitiert Pilz folgendermaßen:
"Er glaube aber nicht, dass Österreichs Politiker schlechter seien als anderswo, betonte der Grüne. Das Problem seien fehlende Gesetze und fehlende Kontrolle."

Dem kann ich nur widersprechen: wenn Politiker sich alleine aufgrund von Gesetzen zu Benehmen wissen, sind sie schlechter als notwendig: es fehlt Moral (für dieses altmodische Wort findet sich für Außenstehende im Netz sicher eine brauchbare Definition...)


Falsch

Manche Firmen verdienen nicht einmal in der Auflistung ihrer Verfehlungen die Nennung ihres Namens. So auch diejenige, die angebotene Geräte mit dem unglaublich dümmlichen Satz "Exklusiv für alle" bewirbt. Wem fällt so ein Schwachsinn ein? Und auf welchen Niveau sucht dieses Unternehmen Kunden? Sowohl vom widersprüchlichen inhaltlichen Aspekt als auch vom wiederwärtigen Exklusivitätsanspruch her auf durchaus ähnlichen Niveau wie einst die Kreditwerbung mit 'Da wird der Nachbar aber schaun' -- ganz weit unten. Und wieder ein Unternehmen, mit dem jeglicehr Geschäftskontakt ausgeschlossen ist.

Permlink: Plak.at: Falsch

Leistung

Einer der zentralen Sätze der vergangenen Jahre: "Wos war mei Leistung?"

Unter dieses Motto könnte man beträchtliche Teile der Unternehmensberatung wie auch der Politik stellen (also eher auf die Seite der Frage denn die der Antwort). Mal abgesehen von ministerieller PR-Beratung in Form von Inseratenempfehlungen durch Hrn. Ostermayer an die ÖBB: Wo genau liegt die Leistung bei dem Hochegger-Beraterverträgen mit der ÖBB, die ja doch erkleckliche Summen in Richtung des Hrn. Hochegger verschoben haben?

Bei Beratungsrahmenverträgen, die unbesehen 150.000-200.000,-/Monat austeilen mit zusätzlicher Vergütung bei 'weiteren Leistungen' (d.h. wenn weitere Rechnungen einlangen sind auch diese kommentarlos zu begleichen) und Pönale falls andere externe Berater beigezogen werden -- könnte man schon auf die Idee kommen, einfach den falschen Job zu haben. Oder doch nur die falschen Freunde?

Vielleicht auch nur etwas heutzutage äusserst Hinderliches: ein Gewissen. Ganz schlecht. Impfung? Möglich. Aber teuer.


Gier

Zwei aktuelle Beispiele für den Schaden, den ungezügelte Gier im Verbund mit uninformierten Politikern anrichtet.

Pass

Gerüchteweise habe ich vernommen, dass es Leute geben soll, die am Vorabend ihrer Abreise draufkommen, dass ihr Reisedokument ein entscheidendes Merkmal eingebüsst hat: seine Gültigkeit. Was tun?
Je nach Dringlichkeit bleiben die Varianten Expressausstellung oder Not-Pass. Letzteres ist quasi die Instantvariante, gleich zum mitnehmen. Zuständig ist in Wien eine in der Lerchenfelderstrasse 4 beheimatete Behörde, mitzubringen sind neben ca. 75,- auch zwei Passbilder sowie der alte Reisepass.
Ausserhalb der Amtsöffnungszeiten hilft die Rathauswache (Tel.: 01/ 4000 -98350) weiter -- oder im Extremfall auch die Ausweisstelle direkt am Flughafen Schwechat.
Im übrigen akzeptiert nicht jedes Land die max. 5 Jahre abgelaufenen Reisepässe da es sich hierbei um keine Bestimmung des Schengenabkommens sondern um einen Sondervertrag zwischen einzelnen Ländern handelt, eine Zusammenfassung der zur Einreise benötigten Dokumente ist unten verlinkt.

Permlink: Plak.at: Pass

Erfindungen

Ein schönes Demonstrationsbeispiel für die Schwachsinnigkeit des Ansinnens, Software bzw. reine Prozesse für Patentfähig zu erklären: eine Firma namens Openwave verklagt Apple und RIM in USA wg. unlizensierter Nutzung unter anderem folgender "ihrer" "Technologien" und "Erfindungen":
*) Verwendung einer E-Mail Applikation wenn kein Netzwerk verfügbar ist
*) Zugriff auf aktualisierte Versionen von Applikationen auf einem Mobilgerät
*) Navigation zwischen Seiten ohne Verzögerung

Das ganze Problem besteht natürlich aus mehreren Teilen: einerseits einer Firma, die die Frechheit hat, derartige Allgemeinformulierungen als Patente einzureichen. Andererseits aber auch eine offensichtlich vollkommen ignorante Behörde, die dafür tatsächlich Patente vergibt. Und schliesslich eine Justiz, die derartigen Schwachsinn nicht mit Geldstrafen belegt sondern als valide Forderungen anerkennt. Alle drei Punkte bedürfen der Überarbeitung. Und es gibt absolut keine Entschuldigung, diese Exzesse der Gier und Ignoranz auch in Europa einzuführen.

Die unsagbare Perversion der Softwarepatente besteht ja darin, lediglich ein Problem zu beschreiben und dann die Hand aufzuhalten, wenn jemand anders eine Lösung für eben dieses Problem liefert: Die Patente beinhalten ja keine Implementierungen...


Offenheit

Es gibt einige Dinge, mit denen man einen Tag besser nicht beginnen sollte... dazu zählt das Ö1 Morgenjournal. Weniger aufgrund journalistischer Mängel als vielmehr aufgrund des überdimensionierten Raumangebotes für Fekter und neuerdings Mikl-Leitner: Anstatt den Unsinn, der genannten Personen im Rahmen ihres Zeitverbrauchs über die Lippen kommt, in kurzen Worten zu umreissen (und in der folge zu widerlegen), dürfen die Glanzstücke unserer Innenpolitik in unbeholfenen Worten die viel zu wenig verschämten Ausgeburten ihrer Machtphantasien selbst darlegen. Was man wiederum natürlich als journalistischen Mangel interpretieren kann...

Aktuelles Beispiel nach den mehr als bedauerlichen Anschlägen in Norwegen: Mikl-Leitner serviert erneut ihren Vorschlag eines Anti-Terror-Gesetzes. Anstatt dem leuchtenden Beispiel Norwegens zu folgen, das von den Untaten tief getroffen ist und dessen ungeachtet den einzig richtigen Weg wählt und den Terroristen nicht die Themenhoheit überlässt, möchte Fr. Mikl-Leitner in vermeintlich opportunem Moment Verschärfungen in Überwachung und Datensammelei durchsetzen.

Es ist eine Schaden für jede Demokratie, sich von einzelnen Extremisten (mehr oder weniger weit entfernt von der politischen Mitte) Gedanken und Handeln diktieren zu lassen anstatt derartige Versuche beim Namen zu nennen und unbeirrt den Weg in Richtung Freiheit und Demokratie weiterzugehen. Warum ist es diesen Personen nicht beizubringen, dass sie in vorauseilendem Gehorsam die Forderungen der Terroristen erfüllen? Meine schlimmste Befürchtung: weil die Ziele übereinstimmen... Abschaffung von Freiheit und Selbstbestimmung. Künftige Generationen werden Fekter, Mikl-Leitner und ähnlichen Proponenten politischer Kurzsichtigkeit und/oder Gier hoffentlich zu danken wissen.

Es wäre eine wichtige Aufgabe der SPÖ, ihre derzeit sanft vorgebrachte Ablehnung ausnahmsweise nicht in dynamischen Schlangenlinien rund um den Hardlinerunsinn herumzulegen sondern diesem einen Riegel vorzuschieben.


Sagenhaft

Der Mann hat Mut. Und Humor. Aber vermutlich braucht man von beidem nicht unerhebliche Mengen, wenn man die rechtsfreundliche Vertretung von Karl-Heinz Grasser übernimmt.
So fordert Hr. Ainedter nunmehr die Einstellung der Vorermittlungen gegen seinen Mandanten weil eine "Intensivierung des Verdachts" nicht mehr zu erwarten und "Sämtliche Sachverhalte (...) hinreichend geklärt" seien.

Die Tatsache, dass nach 1,5 Jahren noch keine Anklage erhoben wurde führe ich allerdings weniger auf mangelnde Substanz als vielmehr ein Übermass derselben zurück: da wird man wohl schon eine ganze Weile an der Erstellung einer Anklageschrift sitzen.

Ironie der Geschichte: der "beste Finanzminister" kannte sich selbst bei den für seine Veranlagungen gewählten Konstrukten nicht aus -- und musste der Expertise seines offensichtlich sinistren Steuerberaters vertrauen. Eigenartig, dass KHGs Wunderfähigkeiten immer die Kleinigkeit zu kurz greifen sollen als dass er strafrechtlich für seine Taten belangbar wäre -- das war dann immer jemand anders.

Den Herrn von der Schippe springen zu lassen wäre wohl das größte Versagen der Justiz der letzten Jahrzehnte und steht damit wohl hoffentlich nicht zur Debatte. Gerade die selbstverständlich für alle Genannten geltende Unschuldsvermutung bedarf dringendst der Klärung.


Vorratsverdacht

Wie schon lange vermutet: der eigentliche Beweggrund für viele Unterstützer der Vorratsdatenspeicherung (per se bereits eine Verletzung von Grundrechten wie noch vor wenigen Jahren vollkommen unvorstellbar) ist nicht der (ohnehin nicht mal fragwürdige Schutz vor Verbrechen sondern eine bessere Verfolgbarkeit von Urheberrechtsverletzungen.

Die Ungeheuerlichkeit, für reine zivilrechtliche Ansprüche eine derart freche Einschränkung von Menschenrechten wie der informationellen Selbstbestimmung überhaupt nur zu überlegen, zeugt von der Geisteshaltung (oder besser: Gier) der Rechteverwerter: Grob gesagt ist 'Das Maul nicht vollbekommen können' keine valide Begründung für derartige Exzesse des Rechtssystems.

Die Vorratsdatenspeicherung (die in einem plötzlichen Anfall von Einsicht von EU-Seite als Optional gekennzeichnet wurde -- kurz nachdem Österreich entsprechende Gesetze verabschiedet hat...) an und für sich ist vollkommen indiskutabel, selbst unter dem Gesichtspunkt der (offensichtlich ohnehin nur vorgeschobenen) Verbrechensbekämpfung.

Den ohnehin bereits vollkommen widersinnig rechtlich privilegierten Rechteverwertern (die sich noch dazu in den seltensten Fällen mit den Inhabern decken) weitere gesetzliche Rückendeckung für ihre oft nur mehr als erpresserisch zu bezeichnenden Feldzüge zu geben, widerspricht nicht nur dem gesunden Menschenverstand (einer aussterbenden Spezies) sondern auch jeglichen wirtschaftlichen Interessen. Die Folgen sind am Beispiel der Patentrechtsstreitigkeiten in USA gut ablesbar... derartige Zustände sind in Europa unerwünscht. Vielleicht sollte man gesetzgebende Körperschaften daran gelegentlich erinnern.


Mengen

Gleich ein Nachsatz mit Katastrophe #2: "jede Menge". Klingt schon widerwärtig schwammig und heisst in den meisten Fällen: "wir hoffen, ...". Da sollten sich annehmbarere Formulierungen finden...

Permlink: Plak.at: Mengen

Kult

Der aktuelle Trend, etwas (meist etwas Beworbenes) mit dem Attribut "kultig" zu versehen, hat geradezu autistische Züge: es steht in keinerlei Relation zu tatsächlichen Gegebenheiten, soll vielmehr diese Erhebung zum nicht hinterfragten Kulturgut quasi vorwegnehmen. Danke. Nein, Danke um genau zu sein.
Sollte sich um einzelne Produkte (im weitesten Sinne) tatsächlich Kult-artiges entwickeln, so ist das auch ohne die aufdringliche Attribution feststellbar (interessanterweise kommt in diesem Fall das alleine in seiner glitschigen Art das Wort "Kult" vermeidende "kultig" nicht zum Einsatz...).

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Irrtum

Die fehlgeleiteten Worte des Hrn. Werner Müller zum Thema Internet wundern wenig: schliesslich verbringt er seine Freizeit mit der Leitung des 'Vereins für Anti-Piraterie' -- ein Unding schon alleine des Namens wegen.

Versuche, zu erklären, dass Urheberrechtsverstöße strafrechtlich verfolgbar sein sollen und Massnahmen, die eigentlich (ebenso sinn- und orientierungslos) zur Terrorbekämpfung gedacht sind (Vorratsdatenspeicherung -- der bislang frechste Einschnitt in die Bürgerrechte) auch zur Verfolgung rein privatwirtschaftlicher Dispute zwischen einem ohnehin vom Recht in vollkommen unangebrachter Art und Weise privilegierten "Rechteinhaber" und seinem um Selbstbestimmung kämpfenden 'Noch-Nicht-' oder 'Nicht-Mehr-' Kunden zum Einsatz kommen sollen -- spätestens an der Stelle endet jegliches Verständnis für die immer wieder vorgeschobene Situation der hinter den mit geradezu mafiösen Methoden vertriebenen Produkten der Industrie stehenden Kreativen.

Auf die vollkommen sinnlose Sperrverfügung betreffend ein Filmdownloadportal einzugehen lohnt nicht: Technisch auf vollkommen verlorenem Posten. Der Punkt, Apple verkaufe Kunden derartige Besschränkungen ihrer Rechte nur mit Design ist von ähnlicher Qualität: Niemand ist gezwungen, Applegeräte und -dienste einzusetzen. Durch die noch dazu gesetzlich gedeckte (!) Monopolstellung der Rechteverwerter aber gibt es auf diesem Gebiet keinen Wettbewerb -- ergo erzeugt ein unzufriedener Kunde Druck, indem er Zahlungen einstellt. Evtl. befördert durch alternative Verfügbarkeit (die oft noch dazu die Kundenwünsche bzgl. Nutzbarkeit besser abdeckt).

Fazit: Gratisnutzung urheberrechtlich geshcützter Werke wird sich nie komplett unterbinden lassen. Am meisten schadet sich jedoch die Industrie der Rechteverwerter selbst: durch ihre überhebliche Position Kunden gegenüber. Die meisten sind bereit, für Inhalte angemessen zu zahlen. Betonung auf 'angemessen'... das inkludiert auch unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten.

Permlink: Plak.at: Irrtum

Thinking

The state of the union regarding big companies can be reasonably be deducted from this one statement taken from the article linked below:
"But not every boss thinks he needs more time for thinking. “You can hire McKinsey to do that for you,” says one."

This really leaves no further questions to be asked, all explanation necessary for these uninspired, greedy businesspeople so common today lies within this single statement: Let others do the hard work for me. I'll just collect as much money as possible and won't stick my head out.


Ära

Bzw. das Ende einer solchen: Gunter Sachs als Letzter seiner Art ist tot. Ihm war der zweifelhafte Ruf der Playboys wohl kaum zu verdanken, die glamouröse Seite hat er aber definitiv befördert. Für jemand, der Stil stets hochschätzte, war der drohende Verlust der geistigen Oberhoheit über das eigene Leben Grund genug, diesem ein Ende zu setzen. Hut ab.

Update: eine nette Betrachtung zum Thema Playboy auf Zeit Online.

Permlink: Plak.at: Ära

Demontage

Es gibt ganz unterschiedliche Arten und Möglichkeiten, einem momentan bedauerlicherweise im politischen Aufwind befindlichen Windbeutel weiteres Stimmvolk (unter Vermeidung passenderer Begriffe) zuzutreiben, die ÖVP praktiziert gleich mehrere davon. Letzter Coup: Marek wird Parteichefin. Auf was hinaus? Den durchschlagenden Erfolg bei der letzten Wahl in Wien?

Ob die Besetzung des sicher sinnvollen Posten eines Integrationsstadtrates glücklicher gewählt ist sei dahingestellt... aber zunächst seien Taten abgewartet um nicht gleich den Namen zum Programm und definierenden Merkmal des zeitlichen Aspekts der politischen Karriere zu erklären.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass mich als einziger blauer Ausblick der Himmel erfreut.


Inkompetenz

Eine aktuelle Ministerin zeigt besondere Affinität zur Trittbrettfahrerei und möchte nicht nur die zuständigen Behörden per Weisung verpflichten, innerhalb eines gegebenen Zeittraums Ergebnisse zu liefern (was ja schon Züge eines sowjetischen Fünfjahresplans hat), sondern auch gleich das Allheilmittel technischer Ignoranten einführen: die Websperren.

Gerade hat die deutsche Politik den Unsinn und das Missbrauchspotential (warum fällt mir an der Stelle die Contentindustrie ein?) eines derartigen Unterfangens erkannt und Pläne in der Richtung durch eine verstärkte Verfolgung von Straftaten ersetzt, da muss die heimische Politik den gleichen Unsinn nochmal aus der Mottenkiste klauben... Kompetenz ist da nicht die erste Assoziation.

Was die eingangs erwähnten Fortschrittsvorschriften anbelangt: eine Aufstockung des Personals der Staatsanwaltschaft zur Bewältigung der gestellten Aufgaben (und Ja: die Untersuchung der BUWOG Affäre sollte langsam zu einem Ende kommen) wäre sinnvoller, als mit Einengung der zeitlichen Handlungsspielräume die ohnehin schon in Frage gestellte Abarbeitung anstehender Fälle zu behindern.


Zwölf

Nach weniger positiven Erfahrungen mit einer Tasche, die den Laptop, für den sie als passend verkauft wurde, leider mit einer innen liegenden Niete zerkratzt, war also wieder Platz für Neues.

Mit dem Wunsch nach haltbaren Materialien, Platz für einen 13" Laptop und Begleitmaterial wie z.B. Kopfhörer, Bücher etc. kam ein Artikel über eine Freizeitbeschäftigung der Kostümhaus im 12. Bezirk wieder ins Gedächtnis: dort werden mit zwangsläufig vorhandenen Überkapazitäten zwischen Theater-/Filmproduktionen unter dem Markennamen "Wien Zwoelf" eben Taschen hergestellt. Einerseits fast ausschliesslich aus recycelten Materialen (Favorit ist der Feuerwehrschlauch aus dem der Umhängeriemen gefertigt wird), andererseits eben in Handarbeit in der Nachbarschaft.

Da die Adresse der Kostümhaus mit Längenfeldgasse zwar durch die U-Bahn Station vertraut klingt, der Weg von selbiger aber nicht unerheblich ist und im entscheidenden Augenblick auch die öffentlichen Verkehrsmittel die Kooperation verweigerten, musste eine Verkaufsstelle im 7. Bezirk (Advanced Minority in der Zollergasse) herhalten. Erfreulicherweise waren einige Modelle lagernd, auch A4 hochkant mit dunkelgrauer Klappe. Da die Website des Herstellers Photos und Detailinformationen bietet hier nur ein paar persönliche Eindrücke vom Gebrauch in den letzten Wochen...

Zum einen trägt sich die Tasche sehr angenehm, der Riemen rutscht nicht von der Schulter (auch bedingt durch den innen aufgenähten Klettverschluss (der weiche Teil liegt offen, nicht die Krallen) und lässt sich kurz genug einstellen um die Tasche einseitig tragen zu können.

Die im Riemen befindlichen Metallösen erschliessen sich erst mit der eingebauten Erweiterungstasche: in einem Steckfach auf Körperseite findet sich ein Sack (aus Fallschirmseide), der herausgezogen und mit einem Haken in eben jenen Ösen gefestigt werden kann, somit das Volumen für Einkäufe temporär erweiternd. Sehr hilfreich, der verstaute Haken ist jedoch durch die Hülle zu spüren.

Der andere Kritikpunkt sind die innenliegenden Kleintaschen: leider auf Körperseite angebracht, auf der abgewandten Seite wären sie mir lieber gewesen da so Ausweise und Ohrhörer zwischen Laptop und Körper zu liegen kommen.

Apropos Laptop: dieser sollte beim Transport mit einer eigenen Schutzhülle versehen sein, eine Polsterung bietet die Tasche nicht. Dafür schleppt man kein unnötiges Gewicht herum und hat mehr Platz wenn kein Laptop transportiert wird.

Insgesamt zwar nicht geschenkt, in Anbetracht der Qualität (inkl. 12 Jahre Garantie auf alle Nähte) aber durchaus das Geld wert. Und schön anzusehen ausserdem...

Permlink: Plak.at: Zwölf

Jan Weiler: Drachensaat

Mehr noch als beim Kameramörder dreht sich die Handlung um Macht und Realitätsverzerrung durch Medien. Diverse Container-und Talk-Shows auf die Spitze treibend versammelt ein Arzt einige speziell ausgewählte Patienten, die, wie er meint, an einem besonderen, durch unsere Konsum-zentrierte Gesellschaft hervorgerufenen Syndrom leiden, in einer einsamen Klinik, um ihnen eine von ihm konzipierte Therapie anzubieten.

Die Ereignisse überschlagen sich als die Mitglieder der Therapiegruppe den Auftrag ernst nehmen und tatsächlich zur Entführung eines Proponenten der Erfolgs- und Konsumorientierten, kapitalistischen Gesellschaft entführen. Die Erzählperspektive wechselt von einem Mitglied der Gruppe zum Entführten und schliesslich zu Gerichtsprotokollen. Abgesehen von der teilweise durchaus fundierten Kritik an sowohl Kapitalismus wie auch dessen Gegenbewegungen finden sich einige heitere Elemente und einige Absurditäten. Die Geschichte hätte meine Ansicht nach allerdings an Qualität gewonnen durch Weglassen der Luft essenden Dame... Dessen ungeachtet eine eindeutige Leseempfehlung.


Herbert Rosendorfer: Monolog in Schwarz

... und andere dunkle Erzählungen. Dem Untertitel wird der Band durchaus gerecht, so erfährt man Details über den Totbeter, die Hunde-Vernichtung und auch die Leiden des römischen Statthalters einer Provinz im Nahen Osten vor ca. 2000 Jahren... lesenswert, wenn auch teilweise einfach absurd.


Thomas Glavinic: Der Kameramörder

Das Buch hatte ich in der Buchhandlung einige Male aufgrund des etwas reisserischen Klappentextes wieder weggelegt... zu Unrecht.
Der naiv berichtende Ton ist in Endeffekt ein entscheidendes Merkmal des Romans, der auch das Ende perfekt aufbereitet. Auch in der Schilderung der stückchenweise zu Tage tretenden Details des Mordes, um den sich die Geschichte mehr nebensächlich dreht, schafft diese bemüht neutrale und gerade darum beunruhigende Darstellung Spannung.
Das Wochenende zweier Paare in der Provinz, untermalt von den Medienberichten zu eben jenem Mordfall, eskaliert zusehends, die Akteure nähern sich unversehens dem Zentrum der Handlung. Und Nein: bis kurz vor Schluss hätte ich den Ausgang nicht vorausgesehen...


Menschenrechte

Wenn Grasser sich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wendet, stellt sich doch die Frage, um welche Menschenrechte es hier gehen mag: Das Recht auf 'schiefe Optik' oder das Recht auf Steuerhinterziehung -- weils eine rechtzeitige Selbstanzeige ohnehin wieder gut macht? Oder... (bitte nach Stand der laufenden Berichterstattung selbst auszufüllen)


Weste

Österreich hat zwar ein unglaublich kompliziertes Steuerrecht -- aber andererseits auch einige essentielle Vereinfachungen für unbedarfte Mitbürger, die sich unversehens in den zahlreichen Fallstricken verfangen haben und bei Kenntnisnahme (meist mit Hilfe eines Steuerberaters, ohne den man wenig Chancen hat) natürlich nichts Eiligeres zu tun haben, als Asche aufs eigene Haupt zu streuen und Busse zu tun (im Amtsdeutsch klingt das mit der Bezeichnung 'Selbstanzeige' viel zu abstrakt und wird dem reinigenden Effekt nur unzureichend gerecht).

So auch geschehen im Falle des Karl Heinz G., der ein Investment von geradezu lächerlichen rund 35.000,- im fernen Kanada vollkommen 'aus den Augen verloren' hat, dieses zu guter Letzt sogar noch mit 10.000,- weniger aufgelöst hat. Und -- wider alle Logik -- für zwischenzeitliche Gewinne jetzt doch Steuern zahlen soll. Wer kann das auch so genau wissen? Doch vielleicht grad mal der Finanzminister... Oder doch nicht?

Nun, in der Bananenrepublik Österreich weiss offensichtlich auch der zu diesem Zeitpunkt noch im Amt befindliche Finanzminister nicht, was genau zu versteuern ist. Das drängt zumindest 3 mögliche Gründe auf:

1.: Das Steuerrecht ist unüberschaubar geworden. Zugegeben, das ist es.
2.: Derjenige war einfach nachlässig. Möglich. Allerdings dann gerade bei dieser Kombination aus Nachlässigkeit und Amt eine unglückliche Besetzung.
3.: Der Betroffene war der Ansicht, dass gerade ein Finanzminister nicht alles, was ihm so zugetragen wird, zu versteuern hat. Unterstützung für diese Variante findet sich durchaus in der Argumentation rund um die Homepage-Affäre des gleichen Ministers.

Natürlich ist es hier besonders bedauerlich, dass eine Selbstanzeige vor Verfolgung schützt -- insbesondere nach einer so langen Zeitspanne, dass Teile bereits de rVerjährung anheim gefallen sind. Dessen ungeachtet verdeutlicht die Episode den Hintergrund der ja mittlerweile von der Justiz in Untersuchung genommenen Geschäftsgebarung des Herrn Karl-Heinz G.

Übrigens: Die Nachzahlung betrug rund 18.000,-. Ein Geschäft, dass Einkünfte mit einer Steuerverpflichtung in dieser Höhe nach sich zieht, vergisst man nicht einfach am Rande. Es sei denn, es waren deutlich lukrativere Angelegenheiten in Arbeit. Möglicherweise unterschätze ich aber auch ein Ministergehalt deutlich...

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Joachim Garraud @Passage

Heinekens Exportsaft mochte ich noch nie besonders (ja, es gibt Schlimmeres... aber einfach auch Besseres), die unter dem Firmennamen geführte Veranstaltungsreihe 'Green Room' kann zumindest oft mit interessanten Acts aufwarten. Der tatsächliche Erstkontakt jedoch anlässlich eines Gastspiels von Joachim Garraud in der Passage lässt die teuer designten Flyer wieder wesentlich uninteressanter erscheinen.

Ob das Publikum primär aus den üblichen Wochenendgästen der Passage bestand oder Besuchern der Einzelveranstaltung liess sich nicht zuverlässig erkennen. Ich habe jedoch den starken Verdacht, dass das mittlerweile am Wochenende meist genau so aussieht... Und es hat mich daran erinnert, dass ich geschmackvolle Kleidung schätze -- aber keinen wüsten Aufputz, der auch altersmässig einfach nicht passt.

Dass der Stargast des Abends gerade mal gegen 01:40 an die Decks schreitet finde ich bei 18,- Eintritt ebenfalls unangemessen. Im Gegensatz zum Beginn des Abends mit durchaus ansprechender Loungemusik hat der (gleiche) Vor-DJ ab ca. 23:30 mittelalte Housenummern, die schon bei Erscheinen nur durchschnittlich waren, in unangemessener Lautstärke durchgeknetet (ja, die Anlage ist OK -- Gefühl für den Verlauf eines Abends wäre trotzdem gefragt) -- keine gelungene Überleitung zu Garraud. Das Publikum erwies sich als begeisterungsfähig -- oder anders: ein mässiges Set hat interessanterweise doch Beifallsbekundungen ausgelöst. Das geht besser...

Wenn der Sinn nach House steht vielleicht zur Abwechslung doch mal in den Lutz Club...


Theater Olé

In winzigen Räumlichkeiten im 3. Bezirk als 'Wiens erstbestes Clowntheater' geführt stellt das Theater Olé ein liebenswertes Hobbyprojekt der 7 Direktoren und Direktorinnen dar.

Ich habe im Allgemeinen keinen besonderen Hang zu Clowns (wahrscheinlich sticht mir die manchmal beabsichtigte, manchmal zufällige tragische Seite zu sehr ins Auge), die Darbietung des Varieté Olé war jedoch einwandfrei: Die budgetbedingt minimale Haustechnik wurde ebenso selbstverständlicher Bestandteil des Programms wie die zahlreichen Pannen und kleinen Missverständnisse, um die sich die Geschichte eigentlich dreht. Nie mit hausierender Peinlichkeit konfrontiert fühlt man sich vom Enthusiasmus des Ensembles mitgetragen -- man merkt die Freude am eigenen Projekt.

Rund um die Vorstellung gibts ein von Spenden finanziertes Buffet, der Schokoladenkuchen und insbesondere die Olivenkugeln seien noch gesondert hervorgehoben. Nicht nur deshalb einen Besuch wert...


Kabarett

Einer mehr als gut besuchten Vorlesung des Juridicums, in der Teile der im Rahmen der Untersuchung der BUWOG-Affäre erstellten Telephonabhörprotokolle verlesen wurden, nachfolgend meinte Grassers Anwalt Ainedter, die Veranstaltung sei "kabarettistisch hochwertig, aber rechtlich bedenklich. Die Causa Grasser verkommt immer mehr zur Posse."

Dem kann ich nur widersprechen: Die Causa verkommt nicht zur Posse, sie war immer eine. Die breitere Öffentlichkeit macht das nur deutlich.

Schade, dass die Veranstaltung heillos überlaufen war... im Sinne politischer Bildung sollte sie abgehalten werden bis jeder interessierte Bürger die Gelegenheit hatte, sich einen Einblick in gelebte Demokratie zu verschaffen.


Business

Eine Zusammenstellung von 100 Anmerkungen zu dem, was das englische Wort 'Business' kurz und präzise umreisst. Einige davon treffen ins Schwarze, so z.B.:

13. Stop wishing. Start selling. Stop imagining. Pick up the phones. Stop playing with pipeline percentages. Ring every account and ask for business.

Ganz un-amerikanisch legt die Liste einen unübersehbaren Schwerpunkt auf korrekten Umgang mit Mitarbeitern sowie deren Motivation. Und die eigene Vorbildwirkung. Durchaus 15min Lesezeit wert.


Papier

Ausgewogene Stellungnahme zum Thema Buch vs. elektronischer Text:

"Aussterben wird das Buch nicht, dazu ist es uns schlichtweg zu heilig (...)"

"Wer denkt, dass wir wahre und geistreiche Kultur nur zwischen zwei Buchdeckeln aufbewahren können, dem fehlt es an Weitsicht."

Wie auch das besondere Flair von Schallplatten werden Bücher irgendwann besondere Momente veredeln, die Masse an Gelesenem wird rein elektronisch verbreitet werden (und ihrem geistigen Gehalt entsprechend leicht entsorgbar sein).

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maschek. 090909

Interessantes, wenn auch nicht neues Konzept: Fernsehbilder mit neuen Texten zu unterlegen. In diesem Fall wurde nur am 9.9.2009 irgendwo auf der Welt gesendetes Material verwendet und mit einer kleinen Geschichte versehen. Teilweise ganz amüsant, im Grossen und Ganzen aber eher eine Adaption von Bierzeltunterhaltung für Rabenhofpublikum: eher trivial und allenfalls als Ad Hoc Improvisation akzeptabel, mit der Vorlaufzeit jedoch eher schwach. Dem Publikum dürfte es allerdings grösstenteils gefallen haben -- so unterschiedlich sind die Geschmäcker.

Vorsicht bei den Links: die Rabenhof-Seite plärrt ungebeten los und lässt sich anscheinend auch nicht gewaltfrei stummschalten.


Kanone

Leslie Nielsen verstarb 84-jährig -- die späte Rache der bis zum Äussersten gequälten Lachmuskulatur seines Publikums kam in Form einer Lungenentzündung.

Eine passende Gelegenheit, die Nackte Kanone 1-3 und vor allem "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" wieder auszugraben und ein weiteres Mal zu geniessen -- man entdeckt jedes Mal ein paar neue Absurditäten.

Permlink: Plak.at: Kanone

Schutz?

Zitat aus dem unten verlinkten Artikel:
"Ein Schutzsystem, das denen nicht zugute kommt, für die es da ist, kann nicht zukunftsträchtig sein"

Vollkommen richtig. Die derzeitige Fassung der Rechte zum Schutz geistigen Eigentums (wie auch immer man über dieses Konzept denken mag) dienen nicht diesem, sondern der simplen kommerziellen Nutzung zumeist abgetretener Rechte -- also schützt de facto das Recht nicht, wie ursprünglich intendiert, den eigentlichen Urheber. Lediglich die sog. 'Rechteverwerter' können sich, auch aufgrund intensiven Lobbyings, auf Sonderrechte berufen, die einem eine Karikatur des Rechtsstaates vor Augen führen.

Ein weiteres Problem in dem Kontext ist die Einschränkung der Wissenschaft durch immer stärker beschnittene Zugänge zu Informationen und Grundlagenforschung -- nicht gerade ein zukunftsträchtiges Szenario. Dringlichstes Problem ist aber die zunehmende Kriminalisierung von Konsumenten, die normalerweise keine Einwände dagegen haben, eine als gerecht und angemessen empfundene Bezahlung für geistiges Schaffen zu leisten, aufgrund mangelnder Verfügbarkeit geeigneter Dienste, deren gelieferte Inhalte das Gewünschte leisten, aber zu Tauschbörsen etc. getrieben werden.

So bleibt nur zu vermerken:
Liebe Content-Industrie, auch Ihr werdet den Gesetzen des Marktes Folge zu leisten haben und eure Sonderstellung aufgrund durch nichts gerechtfertigter Ausnahmen rechtsstaatlicher Regelungen aufgeben müssen. Je eher, desto besser für alle.


Kahlschlag

Die Rodung der Zukunftsgestaltung Österreichs geht weiter: für ein paar Meter Tunnelbau werden international anerkannte Forschungseinrichtungen wie das Erwin-Schödinger-Institut der Basis ihrer Arbeit beraubt. Ist das nachhaltige Sorge für die kommenden Jahre? Lässt sich ohne Investitionen in Bildung und Forschung der Lebensstandard in Österreich auch nur auf heutigem Niveau halten (ich rede nicht vom geistigen... das kann stellenweise ohnehin nicht weiter absinken)?

Auch in Anbetracht der geringen Summen sind Winschränkungen bei Forschung und Lehre die kurzsichtigsten und dümmsten Sparideen. Schluss damit -- ein reicher Staat wie Österreich könnte sich das selbst als Luxus leisten. Und als unabdingbare Notwendigkeit für unsere Zukunft sollte die Investition keinen zweiten Gedanken wert sein: Ohne gehts nicht.


Sinn und Zweck

"Copyright ist kein Zweck an sich"
Dass diese Satz von der für die 'Digitale Agenda' Europas zuständigen EU-Kommissarin Neelie Kroes stammt gibt Hoffnung: Nach dem Exzessen einzelner vermeintlicher Inhaber sog. 'Rechte', die daraus ableiten, automatisch auch 'Recht' zu haben, ist ein Umdenken und Neuorientieren in der Abwägung der Interessen zwischen Schaffenden und Konsumierenden dringend notwendig.

Interessanterweise fehlt bei diesem kurzen Entwurf des Problems ein Teil -- derjenige, der z.Zt. am lautesten schreit: die Verteilungsindustrie. Leider wird das derzeitige, viel zu restriktive und auf Kommerzialisierung ausgelegte und sich eben oft als Selbstzweck darstellende Copyright, primär von einem Gewerbezweig zum Nachweis ihrer Daseins- nicht nur -berechtigung sondern sogar -notwendigkeit genutzt.

Wenn Recht aber genutzt wird, um nahezu allen beteiligten Parteien zu schaden, läuft etwas ziemlich schief. Eine Kriminalisierung von Millionen Nutzern kann nicht rechtens sein -- und da geht es nicht um die Beschneidung der Rechte der tatsächlichen Urheber. Schön, dass dieser Gedanke auch bei der zuständigen EU-Kommissarin angekommen ist: sie ist in der Position, tatsächlich etwas zu bewegen und neuen Geschäftsmodellen den Weg zu ebnen.


Schulden

Schönes Zitat aus einem Interview mit einem anders denkenden Wirtschaftswissenschafter namens Heiner Flassbeck:

"Freihandel ist kein Naturgesetz. Das funktioniert nur, wenn es ein Geben und Nehmen ist."

Stimmt... der aktuelle Umgang mit importierenden Ländern kann mittelfristig nur zu noch größeren Problemen führen. Und da bisherige Ansätze, die aktuelle Krise in dem Griff zu bekommen, wenig bewirkt haben, wäre ein neuer Denkansatz vielleicht nicht die schlechteste Möglichkeit...


Rot

Es gibt Dinge, die sind mir zu hoch. Bestes aktuelles Beispiel: US-Wahlen. Erst vor 2 Jahren haben die Amerikaner mit viel Enthusiasmus den engagiertesten Präsidenten seit langem gewählt. Und weil nach eben 2 Jahren nicht alles repariert ist, was 8 Jahre Bush-Administration an Abfall hinterlassen haben -- wählen sie ihn quasi ab.

Leider kommt bei den emotionalisierten Massen der Kern des Problems nicht mehr an, da Argumente bereits mit Gefühlen 1:10 aufgewogen werden: Das Lieblingsziel der Republikaner, die Gesundheitsreform, bringt die USA gerade mal auf einen EU-Standard von vor ewig. Sie ist nur vor dem Hintergrund des furchtbaren Zustandes der USA eine Revolution, der Rest der zivilisierten Welt ist bereits einiges weiter.

Die einschneidenden Änderungen zum Positiven in der Aussenpolitik, die gesichtswahrende Vorbereitung des unvermeidlichen Abstiegs der USA als einzige Supermacht, die Suche nach internationalen Kompromissen, getragen von Mehrheiten, statt der Konfrontationssucht des Hrn. Bush -- all das mag innenpolitisch von Ewiggestrigen in Rot als Schwäche interpretiert werden. Realistisch betrachtet ist es genau das Gegenteil.

Schade, dass ein fähiger Mann das seinen Landsleuten nicht vermitteln kann und sich von primitivster Seite anschütten lassen muss. Beruhigenderweise hat die Tea Party in einigen ihr zentralen Staaten verloren... ein Lichtblick.

Permlink: Plak.at: Rot

Cafe Museum

Erst kürzlich wieder eröffnet, inzwischen mit Freewave und reichlichen Vorschusslorbeeren gesegnet, musste ich mir das neue Cafe Museum ansehen. Kurzfassung: 5min haben gereicht.

Zum einen gibt die gegenüber früheren Inkarnationen deutlich ausgebaute Tortentheke direkt gegenüber des Eingangs dem Cafe eher Konditorei-Charakter, zum anderen scheint das Publikum zu einem guten Teil aus Touristen zu bestehen. Nichts gegen diese -- in einem Cafe meide ich sie dennoch.

Weiters sehe ich keinen Grund, für einen kleinen Mokka €2,80,- zu zahlen. Und über die rechte Spalte der Speisekarte möchte ich grösstenteils den gnädigen Mantel des Schweigens breiten. Nur so viel sei gesagt: Ohne es probiert zu haben bezweifle ich, dass das z.B. Schnitzel den geforderten Preis tatsächlich wert ist. Die Qualität müsste beispielsweise um ca. 30% über den ganz hervorragenden Ausprägungen der Gattung im Rochus liegen...

Also bleibt es insgesamt bei dem einen halben Besuch. Schade, denn die die roten Bänek sehen eigentlich einladend aus. Einladender als die Bestuhlung der letzten Cafe-Museum-Version...


Farbenleere

Anders lässt sich österreichische Politik nicht mehr beschreiben: es dominiert die Leere, in Ideen wie Figuren.

Über das Wiener Wahlergebnis wurden bereits viele Worte verloren, die Analysen, welche Themen man hätte forcieren sollen um 'Wähler abzuholen' gehen allerdings meiner Ansicht nach fehl: Aufgabe der Politik ist nicht das 'Abholen' der Wähler sondern das Unterbreiten von Vorschlägen, die eine langfristige Vision verfolgen. Und genau daran mangelt es.

So ist der aktuelle Zustand ein Fragen des Wählers nach seinen Wünschen und die nachfolgende Versicherung, dass man ja genau das realisieren wolle. Was kommt heraus, wenn man allgemein gering politisch Interessierte nach ihren Wünschen und Vorstellungen fragt? In Anlehnung an einen Ausspruch, der Henry Ford (*) zugeschrieben wird: ein sichereres Einkommen.

Es kann nicht zielführend sein, dass Politik zum lediglich exekutierenden Organ eines dumpfen Stammtisch-Wählerwillens verkommt. Wahlen sollten die Realisierung einer langfristigen Vision beurteilen und Ideen einbringen, nicht alleine die Themen vorgeben. Sonst passiert eben ein Wahlkampf wie in Wien oder es kommt zum Ruf nach dem 'starken Mann' wie gerade wieder bei 10% der Befragten in Deutschland.

Ein deutliches Zeichen des Verfalls jeglicher politischen Kultur (sofern so etwas in Österreich irgendwann existiert hat) ist der Fall des burgenländischen Bürgermeisters, der trotz eingestandenem Wahlbetrugs keinen Grund für einen Rücktritt sieht. Das kann doch so einfach nicht sein... ausser anscheinend in Österreich. Und erklärt wohl leider auch das häufig anzutreffende aktive Desinteresse an Politik, die nicht als Chance, derartige Umstände zu ändern, verstanden wird, sondern als Ursache des Übels.


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(*) Henry Ford meinte dereinst, hätte er seine Kunden gefragt, was sie für ein Produkt brauchen, hätten sie gesagt: eine schnellere Pferdekutsche...


Bacher

Wie ein Relikt aus der Zeit, als die österreichische Öffentlichkeit noch von prägnanteren Figuren geprägt war als denjenigen WWs ('wandelnden Witzen'), die heute deren freigewordene Plätze besudeln: Gerd Bacher z.B. zum österreichischen Föderalismus:

"Der Föderalismus (...) ist eine Dauerolympiade im Gartenzwergesport."

Oder zur traurigen Zeitungslandschaft:

"Für das, was dieser Markt finanziert, sind "Die Presse", der "Standard" und "Salzburger Nachrichten" eh beachtlich. Mehr ist nicht drin (...)."

Permlink: Plak.at: Bacher

Urheber

Wer ist eigentlich der Urheber solch schwachsinniger Ideen wie einer -rechtsabgabe auf Festplatten? Dazu noch in der Höhe von 44,-/TB -- das ist mehr als der halbe aktuelle Verkaufspreis...
Derartige Summen zu verlangen weil man eine Festplatte schliesslich zum Speichern von kopierter Musik verwenden *könnte* ist mehr als frech. Schliesslich *könnte* man selbige Platte auch verwenden, um in diese Hohlköpfe frische Luft zu lassen -- trotzdem brauche ich für den Erwerb keinen Waffenschein. Zumindest noch nicht... Siehe gestriger Martenstein-Link zum Thema Übervorsicht.

Aber nachdem ich ja künftig für Platten derart viel Geld abrücken soll... werde ich sie zwangsläufig auch für die bereits abgegoltenen Leistungen nutzen. Und zwar für Kopien.

Eine gänzlich andere Frage stellt sich aber: Digital erworbene Musik muss irgendwo abgelegt werden. Und hier handelt es sich *nicht* um eine Privatkopie, in diesem Fall zahle ich also zweimal. Es wird Zeit, die sog. Rechteverwerter aus der Nahrungskette auszuschliessen. Ich habe das ewige Geschrei, Content müsse bezahlt werden weil sonst eine ganze Industrie sterbe, satt. Übersatt. Was kümmert es mich? Es stirbt nicht der Content und nicht der Produzent desselben, es stirbt ein überaltertes Vertriebskonzept. So what? Je früher, desto besser für alle.


Warnung

Nach einer längeren Durststrecke trifft Martenstein den Nagel auf den Kopf: seine Kommentare zur mittlerweile vollkommen ungehindert wuchernden staatlichen Fürsorge sollten den Verantwortlichen zu denken geben. Das Leben ist nun einmal lebensgefährlich. Und ich brauche keine Rolltreppen, die vor sich selbst warnen...


Verpröllt

Den selbsternannten Landesvater scheint die zu lange Regierungszeit zu sehr zu belasten... die Kritikfähigkeit sinkt im Stress und die Wortausfälle werden größer. Manchmal auch vom Pressesprecher als Quasi-Privatmeinung kundgetan... Gute Entgegnung von Hrn. Traxler.


Apple AppStore

Ausnahmsweise keine neue Tirade bzgl. uneinsichtiger, willkürlicher Entscheidungen bei der Zulassung von Applikationen: Apple hat die Richtlinien aktualisiert und scheint diesmal etwas besser getroffen bzw. auf die berechtigten Beschwerden der Entwickler gehört zu haben.

So ist es zum einen nicht mehr untersagt, mit anderen Tools als der Apple-eigenen Entwicklungsumgebung Anwendungen in unterschiedlichen Sprachen zu erstellen. Zum anderen gibt es eine Liste von nunmehr veröffentlichten Richtlinien für die Zulassung -- der bislang reichlich undurchsichtige Entscheidungsprozess sollte damit etwas transparenter werden.

Zitat aus den recht informell formulierten Richtlinien:
"We have over 250,000 apps in the App Store. We don’t need any more Fart apps."
True.

Zumindest mal Schritte in die richtige Richtung...


Schmarotzer

Meta-Review eines Buches zur Finanzkrise: Wie bespreche ich ein Buch anhand einer Buchbesprechung?
Tim Bray schreibt über eine lesenswerte Analyse der US-Immobilienblase und die daraus zu ziehenden Lehren:
"Finance’s relationship to the economy should best be considered by policymakers as that of a dangerous parasite to its host."

Good point. Auch die Worte bzgl. Gier und Rücksichtslosigkeit geben zu denken... wie auch die Erkenntnis, dass nach der Gesetzeslage die von jedweder Form der Fairness angeratenen langen Haftstrafen für die Beteiligten leider so nicht werden zustande kommen können.


CEO

Management a la Steinzeit: Edward Mike Davis als Chef der Firma tiger Oil spricht zu seinen Untertanen. Zitat:

"There is one thing that differentiates me from my employees. I am a known son-of-a-bitch, and I care to remain that way. I have the privilege of swearing publicly, in front of anyone, or doing anything I want to because I pay the bills. When you work for me, you don't have that privilege."

"Do not speak to me when you see me. If I want to to speak to you, I will do so. I want to save my throat. I don't want to ruin it by saying hello to all of you sons-of-bitches."

Befriedigend zu wissen, dass die Firma 1980 in Konkurs ging...

Permlink: Plak.at: CEO

Widerspruch

Am Schwachsinnsende von derstandard.at zum Thema 'Neues Layout eines Magazins' gefunden:
"Es bleibt aber poppig, feministisch und glamourös".
'Poppig' -- kein Kommentar.
'feministisch und glamourös' -- ja, eh klar. Nennt man das Auflösung eines Widerspruchs?


iPad Vorläufer

Star Trek hat nicht nur die Wortprägungen in der Technik stark beeinflusst, auch zahlreiche Geräte wurden vorausgedacht.

Interessante Nebenbemerkung:
"Because Jeffries was forced by budget restraints to be creative, however, the original Enterprise bridge was relatively sparse and simplistic. "Because he did such a brilliant job visualizing it, I think the original Star Trek still holds up today reasonably well," Okuda said."

Das zeigt an einem eindrucksvollen Beispiel, dass gerade simples Design am längsten überlebt und zeitgemäss wirkt...


Schlögl

Einige interessante Punkte:

"Auf einer stimmungsmäßigen Ebene, die durch viele Faktoren erzeugt wird, bin ich extrem unzufrieden. Dass da immer so ein brauner Kack aufgekocht wird die ganze Zeit."

"Ein Problem der Grünen besteht im 'Preaching to the converted' "

"Solidarität ist ja den Sozialdemokraten auch schon peinlich."

"Es ist ja extrem interessant, dass dieser Antiintellektualismus jetzt schleichend wieder kommt. Mir fallen Kronen-Zeitungs-Artikel ein, wo der Dichand Studenten punziert hat."
(R.I.P.)


Überschwemmung in Pakistan

"In fact, that would make it bigger than the combined number of people affected by the Tsunami, Haiti earthquake and 2005 Kashmir earthquake...combined."

Trotzdem kaum ine Zeile in westlichen Medien. Könnte das damit zu tun haben, dass dort kaum Touristen unterwegs sind? Auch in Thailand schwand das Interesse rapide als die letzten westlichen Touristen evakuiert waren... andere betroffene, weniger Touristen-verseuchte Gebiete wurden in der damaligen Berichterstattung auch kaum erwähnt. Hm.


Verblödung

Treffsichere Kritik am Geschäftsmodell der öffentlich-rechtlichen Sender, 1:1 auf Österreich umzulegen. Harte Worte:
"Das Fernsehen, weit davon entfernt, die Zuschauer auf die Höhen der bürgerlichen Bildung zu heben (wie eine berühmte Formulierung der deutschen Arbeiterbewegung lautete) oder ihnen auch nur die Chance auf Teilhabe zu eröffnen, konkurriert mit den billigsten Boulevardmedien um die niedrigsten Instinkte der dümmsten Bevölkerungsteile."

Leider nur zu wahr. Beim derzeitigen Qualitätsniveau von Bildungsauftrag zu sprechen klingt wie Hohn: er wird nicht nur nicht erfüllt, er wird geradezu karikiert. Also entweder Schluss mit den Gebühren -- oder Schluss mit der peinlichen Konkurrenz zum Bildermüll der Privaten.


Indiskutabel

Wenn der Salzburger Bischof Laun zur Tragödie bei der Love-Parade, über deren kommerzialisierten Namens-Nachfolger man denken mag, wie man möchte, sagt, Gott strafe aus Liebe, so erübrigt sich eigentlich jeder weitere Kommentar.

Derartigem Schwachsinn gehört dauerhaft Bühne und vor allem Boden entzogen. Ein Gottes-Bezug in der Verfassung sollte sich bei solchen Äusserungen der selbsternannten 'Vertreter auf Erden' wohl endgültig ad absurdum geführt haben. Nein Danke, Herr Laun.


Sinnfrei

Die zwei verlinkten Artikel mit obskuren Fallen in klassischen Urlaubsländern sind schöne (oder weniger schöne) Beispiele für den mittlerweile vollkommen aus dem Rahmen geratenen Drang zur Überreglementierung. Warum zeigen Gesellschaften, die mehr als genug von Allem, was man zum angenehmen Leben benötigt, zunehmend die Tendenz, mit einem schier unüberschaubaren Dickicht an vollkommen sinnfreien Gesetzen und Regelungen diese Möglichkeit eines angenehmen Daseins wieder einzuschränken?

Die Frage wäre wohl eigentlich anders zu stellen: Zur Zeit der Prohibition (dem Beispiel sinnfreier Gesetzgebung schlechthin) gab es genügend Widerstand, der schlussendlich zur Aufhebung führte. Fehlt dieser Sinn für zivilen Ungehorsam heutzutage komplett? Sind Bürger westlicher Staaten (das an derartigen Stellen gerne verwendete Wort 'Demokratie' lasse ich bewusst aussen vor) heute, eingelullt von Fernsehen und ähnlich abstumpfenden Prozessen, nicht mehr imstande, selbst zu entscheiden und ihre weniger gewählten als eher nicht verhinderten Repräsentanten in die Schranken zu weisen? Hinweise auf gegenteilige Entwicklungen nehme ich gerne entgegen...


Rechtschreibung

Bei jedem Besuch im Online-Standard bin ich froh über die nette Firefox-Ad-On Binnen-I-be-gone, die dankenswerterweise inzwischen Nachahmer bei anderen Browsern gefunden hat: so wird die unnötige Verunstaltung der Texte zumindest grösstenteils auch in Safari und Google Chrome repariert -- und lässt den Blick auf ein nicht nur den Standard betreffendes Problem fallen: die in vielen Fällen leider nicht gerade hochwertigen Inhalte. Zur Behebung dieses Mangels bleibt wohl nur der Wechsel auf andere Publikationen...


Harmlos

Schade, dass auch der Standard manchen wirren Gedanken, die noch lange nicht den Namen 'Theorie' verdienen und auch keinesfalls die Ehre, umstritten zu sein, so viel Raum bietet. Nach Impfgegnern aktuell also Aids-Verleugnern bzw. HI-Virus-Ungläubigen.

Wobei sich in diesem Fall eine einfache Lösung anbietet: in bester wissenschaftlicher Tradition sollten die Herrschaften doch sich einfach eine HIV-Infektion zulegen -- bei der für sie ja erwiesenen Harmlosigkeit sollte das doch kein Hindernis am Weg zum Nachweis der Korrektheit darstellen, oder? Und falls die Annahme doch nicht stimmt... Pech. Aber dann kommen wenigstens keine Unbeteiligten zu Schaden durch falsche Annahmen.


Begriffen

Es ist ja nicht so, dass sich alle Proponenten des Musikgeschäftes der Einsicht verschliessen, dass der aktuelle Versuch, mit (vollkommen unpropoertionalen) Rechtsmitteln gegen Filesharing vorzugehen, sinnlos ist: der Ex-Pink-Floyd-Manger Peter Jenner hat da recht vernünftige Ansichten. Wäre schön, wenn sich das bisschen in der Branche rumsprechen würde... es könnte zu einem gesunderen Verhältnis zwischen Produzenten und Musikinteressierten führen.


Weiss

Es wird Zeit, dass ein Gericht endlich Hrn. Grasser von der ständig und auch jetzt schwer auf ihm lastenden Unschuldsvermutung befreit... ein neuer Zeuge, der über empfundene Unregelmässigkeiten im Vergabeverfahren der Abwicklung des BUWOG-Verkaufs berichtet, könnte dabei helfen...
Wie reinigt man eigentlich so viele weisse Westen?

Update 14.07.2010: Nicht jede von Grassers Aussagen scheint wörtlich zu nehmen zu sein: Entgegen seiner Behauptung, mit Maischberger keinen Kontakt mehr zu pflegen belegen Protokolle des abgehörten Telephons Maischbergers, dass die beiden sehr wohl miteinander über die anstehenden Prozesse gesprochen haben...
Wie schön, wenn sich die Teile so fügen...

Permlink: Plak.at: Weiss

Voller Durchblick

Das Thema Nacktscanner scheint eines derjenigen zu sein, die von einigen wenigen mit Beharrlichkeit einfach durchgedrückt werden. Öffentliche Diskussion wird weitgehend gemieden, aufkeimender Widerstand ausgesessen. Und sobald medial etwas Ruhe einkehrt, wird ein weiterer, zumindest kleiner Schritt in die gewünschte Richtung unternommen.

Ohne in Fäkalsprache zu verfallen fällt es mittlerweile schwer, derartiges Verhalten sachgerecht zu klassifizieren. Es ist tatsächlich absolut widerwärtig, zuzusehen, wie mühsam errungene Persönlichkeitsrechte von geldgierigen Konzernen und vollkommen ignoranten Politikern mit Füssen getreten werden. Zum 101. Mal: diese Teile sind eine vollkommen schwachsinnige Geldverschwendung, die nichts tut als die Privatsphäre der Fluggäste massiv und regelmässig zu verletzen. Sie bringen *absolut keinen* Zugewinn an Sicherheit, es zeugt von vollkommener geistiger Unzulänglichkeit, sich den bereits zum Thema veröffentlichten Argumenten und Studien zu verschliessen und Unsummen auszugeben für etwas, das eine Metall gewordene Zumutung darstellt.

Es ist offensichtlich höchste Zeit, Flugzeuge und insbesondere Flughäfen als Massentransportmittel abzulösen. Meine Befürchtung ist allerdings, dass der geballte Schwachsinn dann an anderer Stelle erneut zuschlägt. Vielleicht sollte man diesem durch gezielte Massnahmen bei den nächsten Wahlen zuvorkommen. Wie mündig sind EU-Bürger eigentlich?


Homöopathie

Sehr treffendes XKCD-Cartoon... und ein thematisch passender Profil-Artikel, der über eine Schweizer Metastudie berichtet, die sämtliche zum Thema verfügbaren Studien zusammenfasst und bewertet. Mit dem Schluss, dass homöopathische Medikamente keinerlei Wirkung jenseits von Placebos zeigen -- wenig verwunderlich. Es wird aber auch der in meinem Empfinden am meisten vernachlässigte Aspekt zumindest erwähnt, der engere Kontakt zwischen Arzt und Patient, der durchaus positive Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf gerade bei chronischen Erkrankungen.

Zitat aus dem verlinkten Artikel:
Michael Frass, Vorstand der Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft für Homöopathie, kritisiert die Konzentration der Auswertung auf einige wenige große Studien: „Denn dadurch entsteht eine komplette Verkehrung der eigentlichen Grundaussage, dass die Homöopathie nämlich hervorragend wirkt.“

Derartige Stellungnahmen aus dem Bereich homöopathischer Medizin tragen nicht unbedingt zur Erhöhung der Akzeptanz als ernsthafte wissenschaftliche (oder zumindest wirksame) Behandlungsergänzung bei. Auch die Vertreter der Homöopathie selbst gehen meiner Ansicht nach am Kern vorbei: Zeit für den Patienten, Zuwendung und Unterstützung bei der Ursachensuche sind die wirklich wichtigen Beiträge der Homöopathie, nicht irgendwelche hochverdünnten Wässerchen. Ohne diese Verbohrtheit wäre ein (insbesondere für sinnvoller) Frieden mit der Schulmedizin wesentlich leichter.


Wasser

Ein gutes Beispiel für medien-verzerrte Realität: Ertrinken sieht nicht so aus, wie man sich das nach den Bildern aus Film und Fernsehen vorstellt...
Die im Artikel angeführten Statistiken (ca. die Hälfte der pro Jahr ertrinkenden Kinder sind nicht einmal 25m von einem Erwachsenen entfernt) sollten zu denken geben -- die Liste der Merkmale akuter Gefahr sollte man sich wohl merken.

Via John Gruber.

Permlink: Plak.at: Wasser

Durchsichtig?

Wenn die sog. Transparenzdatenbank nun keine Parteispenden beinhaltet, die Argumentation der Regierung lautet, es handle sich um eine Transfer- und nicht eine Spendendatenbank und Transfer zuvor als 'Zahlungen ohne direkte Gegenleistung' definiert wurden -- muss ich daraus schliessen, dass Parteispenden eine direkte Gegenleistung nach sich ziehen. Gerade deshalb gehören diese in vollem Umfang offengelegt, ohne Diskussion.


Durchsicht

In Fragen des Datenschutzes sollte man es als höchste Alarmstufe werten, wenn US-Amerikaner sagen, eine Frage auf diesem gebiet sei bei ihnen besser im Sinne des Konsumenten geregelt...

So geschehen in Bezug auf die Nacktscanner, die heimlich, still und leise Einzug in europäische Flughäfen (derzeit Heathrow, Manchester und Schipol) halten:

But Mary Ellen Callahan, head of data protection at the Department of Homeland Security, said: "There is more privacy protection in place in the US than in Europe, because we embedded those provisions before rolling out the system," according to EUObserver.

Weg mit den unnützen Klumpert. Abgesehen von der vollkommen inakzeptablen Verletzung der Intimsphäre bringen die Teile erwiesenermaßen keinerlei Sicherheitszugewinn -- loose/loose also. Nein Danke.


Staatstrauer

Auch, wenn niemand Schlechtes zu wünschen ist: die ständigen Zwischenrufe aus dem rechten Stammtischeck sollten mit dem heutigen Tag langsam verstummen. Hans Dichand weilt nicht mehr unter den Leserbriefschreibern. Die Seite in der Krone sollte anstandshalber künftig eigentlich weiss bleiben...

Wird spannend, wohin die führungslose österreichische Politik in den nächsten Wochen driftet. Vielleicht doch mal eine Zehe ins liberale Gedankengut? Oder zurück an die angestammten Plätze und jeder gegen jeden? Wie lässt sich das Machtvakuum füllen? Und vor allem: Was wird aus Cato?


Wieder FIFA

Eine herrliche Blamage für die nach wie vor voll in ihrem Marken- und Kontrollwahn befangene FIFA: Ein Bierhersteller (d.h. nicht der WM-Sponsor) hat reihenweise orange, anderweitig ungebrandete Kleidungsstücke verteilt... die FIFA hat im Übereifer eine Reihe von Niederländerinnen durch den Ordnerdienst aus dem Stadion führen und stundenlang von der Polizei verhören lassen. Das fliegt ihnen medial gerade ziemlich um die Ohren -- vollkommen zurecht.

Ich frage mich überhaupt, warum die Polizei zum willfährigen Gehilfen der rein kommerziell motivierten Exzesse der FIFA wird... Da läuft irgendwas ordentlich schief.


Schlange

Sowas geht natürlich nicht unkommentiert durch: Berlusconi behauptet, bei ihm stünden die Frauen Schlange. Stellt sich zuerst die Frage, was eine 'Schlange' konstituiert. Und zweitens: wie es zu einer Ansammlung von 2 Frauen kommen kann. Alimenteforderungen?

'Reich, sympathisch und nicht blöd' spricht eigentlich für sich selbst. Die Reihenfolge als Argument stimmt schon, nur sollte man erwähnen, dass, abgesehen von der Tatsache, dass die beiden letztgenannten Punkte vollkommen aus der Luft gegriffen sind, ein starkes Gefälle herrscht beim Beitrag zum Ergebnis: dieses wird eindeutig vom monetären Aspekt determiniert.

Und die Drohung, noch 120 werden zu können, zieht wohl eine baldige Gesetzesänderung in Italien nach sich, die ab einem Alter von 100 die Amtsperioden auf 20 Jahre verlängert...


Bodenschätze

Nun hat man in Afghanistan offensichtlich doch noch etwas gefunden, was neben dem natürlich vorrangigen Ziel der Hilfe beim Aufbau einer Zivilgesellschaft bisschen Motivation für die Bündnispartner bringt: Bodenschätze. Zwar kein Erdöl, aber immerhin.

Interessant in dem Kontext: die Nachricht wird vom obersten US-Befehlshaber in Afghanistan bekanntgegeben. Verwunderlich -- ich hätte mir eher erwartet, dass das unter dem Tisch als Argument bei den Verhandlungen mit dem Bündnispartnern Verwendung finden würde...

Nachdem die Russen offensichtlich Bescheid wussten, bleibt die Frage: war nicht vielleicht diese Möglichkeit eines kleinen Souvenirs eine starke Motivation, in Afghanistan einzumarschieren?

Auch Köhlers Aussage, deutsche Soldaten würden auch Wirtschaftsinteressen verteidigen, stellt sich da irgendwie in neuem Licht dar... er hatte doch recht damit.

Der Standard scheint sich den beliebten Abscheibfehler mit der US-Billion erspart zu haben, die NY-Times spricht tatsächlich von "nearly $1 trillion in untapped mineral deposits"...

Update: Link zum NYT Artikel hinzugefügt -- wie gewohnt viel ausführlicher als der Standard. Enthält auch Betrachtungen zur künftigen Auswertung und der im Raum stehenden Aufteilung zwischen einigen wenigen, gut positionierten Leuten im Karzai-Umfeld...


WM

Langsam merkt Südafrika wohl, was sie sich mit der FIFA eingetreten haben... in logischer Fortsetzung der unvergesslichen Markenexzesse im Rahmen der EM 2008 in Österreich wird wenig Geld im Land hängenbleiben, das meiste wandert an internationale Konzerne -- und die FIFA selbst. Danke.

Permlink: Plak.at: WM

Lecker

Also doch: konstant schlechte Arbeitsbedingungen und daraus resultierende negative Presse zeigen Wirkung. Schlecker verliert Kunden. Und zu recht.
Ich hoffe, das ist endlich genug Anstoss, die Behandlung der Mitarbeiter von Grund auf zu überdenken...

Permlink: Plak.at: Lecker

Druckwerk-Update

Interessante Idee einer Atheistenvereinigung in Finland: am Aktionstag konnten mitgebrachte religiöse Schriften gegen weltanschaulich weniger Verbindliches (vulgo: Pornographie) getauscht werden... Alleine die wütenden Reaktionen machen die Geschichte interessant ;-)


BP

Intelligenter Kommentar von Tim Bray zum Ölproblem im Golf von Mexiko:
"Hating the company has the potential to distract from a larger problem, the immense number of other poorly-regulated oil platforms in the Gulf"

Es handelt sich tatsächlich nur um ein Symptom unserer allgegenwärtigen Abhängigkeit von Erdöl und sollte aufgrund der Ausmaße eigentlich genug Denkanstoss geben, um diese langsam zu lösen...

Interessant auch die Argumentation zum emotionalen Umgang mit grossen Firmen... Richtig: die meisten Firmen ab einer gewissen Größe haben eigentlich zu viele Gesichter (in Form von Einzelnprojekten oder -produkten sowie Mitarbeitern), als dass man sinnvoll ein Gesamtbild zeichnen könnte.

Permlink: Plak.at: BP

Burgenland

Weit entfernt vom Versuch, als SPÖ-Apologet aufzutreten, kann ich dem Schluss der Medien, die SPÖ habe eine weitere Wahlschlappe erlitten, nicht zustimmen: der grösste Abfluss erfolgte in Richtung der Nichtwähler. Und die FPÖ hat nicht der SPÖ Stimmen abgenommen, sondern primär Nichtwähler rekrutieren können. Als Schlappe würde ich den Verlust eines Mandats noch nicht sehen, das Mobilisierungsproblem ist allerdings sicher weitreichender -- und der für die SPÖ wohl eigentlich bedenkliche Schluss aus dem Ergebnis.

Nicht nur, dass jeder Wahlerfolg der FPÖ wenig erfreulich ist für das politische Klima in Österreich: dieser Wählerstrom bedeutet wohl, dass die Themen der SPÖ als nicht so wichtig empfunden wurden. Ich denke nicht, dass es hier hauptsächlich um Protestwähler geht, es sollte nicht dem Landeshauptmann der berühmte Denkzettel verpasst werden -- sondern schlimmer: die Themen waren schlecht gewählt und konnten viele nicht überzeugen, an der Wahl teilzunehmen und für die SPÖ zu stimmen.

Zum Absturz der Grünen bleibt nur zu vermerken, dass es im Burgenland offensichtlich bereits genug Radwege gibt...


Gier

Das in Europa bereits bekannte Geschäftsmodell einiger Anwälte, aktiv Klienten aus dem Medienbereich zu suchen und deren vermeintlich verletzte Rechte gegenüber angeblichen Filesharern zu vertreten und diese unter Androhung hoher Klagssummen zu einer aussergerichtlichen Einigung (die im Vergleich zu den angedrohten Summen im Falle einer Klage interessant geringfügig sind...) zu nötigen, fasst nun auch in den USA Fuss... Derartiges Verhalten wirft kein gutes Licht auf einen ganzen Berufsstand -- warum geht die Kammer bzw. deren US-Äquivalent nicht gegen diese aktive Rufschädigung vor?

Permlink: Plak.at: Gier

Google

Street View -- nicht in Österreich. Gut so. Aber das wirkliche Thema sind natürlich immer noch die 'aus Versehen' gesammelten WLAN Daten. Die sich auf insgesamt 600GB belaufen. Ich muss sagen, dass ich noch nie 'aus Versehen' 600GB an Daten gesammelt habe... das klingt schon stark nach Absicht.

Aber noch besser das Begehren der deutschen Bundesregierung nach Auslieferung der gesammelten Daten: Was haben sie damit genau vor? Wollen sie diese *fachgerecht* löschen? Oder ist das ein ähnliches Spiel wie mit den Schweizer Bankdaten? Die Erhebung ist zwar illegal, aber nachdem sie jetzt schon mal da sind... würden wir doch gern einen Blick rein werfen. Soviel zum Datenschutzaufschrei...

Permlink: Plak.at: Google

Verstand

Wenigstens ein einziger Politiker hat verstanden, dass Einsparungen an den Unis die schlechteste aller Effizienzideen ist... Bravo Heinz Fischer.

Besonders schmerzt es natürlich, Schäuble recht zu geben: dennoch hat der deutsche Finanzminister da eindeutig mehr Realitätssinn als sein österreichischer Amtskollege bzw. dessen Parteikollegin Karl, die die Uni-Budgets einfrieren wollen. Vollkommen falscher Ansatz: die sind jetzt schon viel zu klein. Das Werk der Strick-Liesl fortzuführen ist eine ernste Attacke auf die Zukunft unseres Landes. Klingt dramatisch -- ist aber so.


Striptease

Wieder einmal Facebook: nach der anscheinend heute freigeschalteten, gross angekündigten Vereinfachung der Einstellungen betreffend Privatsphäre und Datenweitergabe, trifft es The Onion wohl recht gut:

"PALO ALTO, CA— All 1,472 employees of Facebook, Inc. reportedly burst out in uncontrollable laughter Wednesday following Albuquerque resident Jason Herrick's attempts to protect his personal information from exploitation on the social-networking site."

Auch der Rest der Anmerkungen ist lohnend, Link siehe unten.

Der Erfolg von Facebook erschliesst sich mir ja noch immer nicht -- die Meldung auf The Register, dass Facebook die Namen von Mitgliedern an Werbepartner weitergibt, ist eigentlich wenig überraschend, wenn man das gesamte Geschäftsgebaren betrachtet. Und einer solchen Firma zu vertrauen finde ich mehr als blauäugig...

Die Idee der Abbildung sozialer Netzwerke ist nicht grundsätzlich verwerflich. Und natürlich stellt sich die Frage, wie die sicher massive Infrastruktur finanziert werden kann. Nur geht Facebook bei der Beantwortung dieser Frage regelmässig zu weit (Beacon anyone?). Interessant in dem Kontext das Konzept von peer to peer social networks wie z.B. Diaspora -- mal sehen, ob das etwas wird.


Get a Mac - No more

Eine der wohl peinlichsten Werbekampagnen der letzten Jahre (die es über mehrere Instanzen geschafft hat), findet ein verspätetes aber wohl verdientes Ende: Get a Mac ist nicht mehr. Na endlich.

Wenn MAc-Fans das bedauern (Zitat mactechnews.de: "(...), witziger war Apples drei Jahre lang aktuelle Serie aber durchaus"), so zeugt das lediglich von dem Bedürfnis der jeweiligen Fanboys nach mentaler Stützung... ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass so penetrante Plattitüden einen potentiellen Umsteiger nicht eher abgeschreckt haben.


Vitamine

Eine Bilderstrecke angeblich sexistischer Werbekampagnen könnte mich ja beinahe bewegen, das im Grunde vollkommen unnötige wie -sinnige Pendant zu derstandard.at aufzurufen -- ich werde trotzdem verzichten, mir den angestauten geistigen Mief der lächerlichen Zitronen-Awards zu Gemüte zu führen. Nice try...


Impfungen

Eine gut recherchierte Analyse der Vorgänge rund um die Vorzeigeperson der US-amerikanischen Impfgegner, Dr. Wakefield. Sehr fein auch der nicht nur für Impfgegner passende Kommentar zum vermehrt um sich greifenden Umgang mit Wissenschaft:

"Facts and evidence are seen as just a matter of opinion rather than a proven truth... and blind unreasoning belief is considered as valid as critical thinking."

Leider nur zu wahr...

Es gibt zahlreiche Fälle, in denen belegbare, wissenschaftlichen Kriterien genügende Studien mit simplen Glaubenssätzen ad acta gelegt werden. Und letztere als gleichwertige Argumente geltend gemacht werden. Nichts gegen Offenheit gegenüber wüsten Theorien in Fällen, in denen gesicherte Erkenntnisse nicht vorliegen (auch hier aber müssen sich diese Theorien eine eingehende Prüfung gefallen lassen). Als Alternative zu gesicherten Erkenntnissen, die entsprechenden Überprüfungen standgehalten haben, nur weil der Inhalt dieser nicht genehm ist oder sich eben nicht mit er persönlichen Meinung deckt -- das geht zu weit. Manchmal stellt sich da tatsächlich die Frage, ob die Aufklärung bereits wieder vergessen ist...


David Foster Wallace: Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich

Jeder, der mit Wallace nur ansatzweise in Berührung gekommen ist, kann sich das Ergebnis der Kombination Wallace + durchorganisierte Karibikkreuzfahrt auf einem Luxusdampfer vorstellen... Genau: eine pointierte Blossstellung der Industrie erzwungenen Vergnügens.

Abgesehen von einigen kleinen (oder manchmal etwas grösseren) Bosheiten seinen Mitreisenden gegenüber beschreibt Wallace eine Vergnügungsindustrie von geradezu perfider Perfektion mit strenger Hierarchie, für die meisten Fälle beginnend mit dem ihm besonders verhassten Hotelmanager Mr. Dermatis (wie die meisten leitenden Angestellten des Schiffes griechischer Provenienz), den er späterhin sogar verdächtigt, mit Hilfe der übereffizienten Unterdrucktoilette in seiner (d.h. Wallaces) Kabine ihm nach dem Leben zu trachten.

Auch zahlreiche andere, weniger dramatische Eindrücke wie beispielsweise das nahezu zwanghafte Entschuldigen der anderen Gäste für ihre Anwesenheit (meist entlang der Linie 'Ich war sooo gestresst, ich musste mir einfach etwas gönnen'), Unterhaltungsprogramm-Highlights, die am besten mit den schönen amerikanischen Ausdruck 'tacky' zu beschreiben wären und hinterhältige Prospekte, die nicht nur die Reise beschreiben sondern auch gleich die erlebten Eindrücke der Gäste vorwegnehmen und -formulieren, machen das Buch lesenswert.

Scharf beobachtet und durchaus geeignet, dem Kreuzfahrten weniger zugeneigten Leser handfeste Argumente dagegen zu liefern, lohnt das Lesen in jedem Fall. Auch und gerade im Flugzeug -- wo man ähnlichem Service-Lächeln-Terror ausgesetzt ist, allerdings schneller wieder entkommen wird...


Professionell

wie schön klingen doch die Pressetexte der Hersteller und anderer Proponenten der Nacktscanner: Keinesfalls komme es zu einer Verletzung der Privatsphäre (wie sollte das auch gehen wenn jemand unfreiwillig vor anderen ausgezogen wird?) und das Sicherheitspersonal handle vollkommen professionell und habe nicht das mindeste Interesse an allenfalls erkennbaren Details...

Ja, nein, eh klar... nicht das mindeste Interesse... niemals... Und der im verlinkten The Register Artikel beschriebene Fall ist natürlich ein absoluter Ausnahmefall. Keinesfalls repräsentativ.

Vollidioten.


Initialen

So oft hier österreichische Innenpolitik berührt wurde, so selten kam derjenige zu Wort, der von sich selbst meist in er dritten Person spricht und dazu die Initialen benutzt (ich verstehe die Distanzierung durchaus).

Findet sich nun jener beim Herausgeber des aufgrund des Farbdrucks nicht einmal als Klopapier geeigneten und daher an U-Bahnstationen verschenkten Blattes, das mit seinem Namen so gerne suggerieren würde, für alle Österreicher zu sprechen (was es nicht tut), ist keine hochstehende Rhetorik zu erwarten. Ein paar Perlen wortreicher Hülsen seien aber doch hervorgezerrt und bei Licht betrachtet.

Bei der "Mitte-Rechts-Kraft", die "weder ein Geschichts- noch ein Vergangenheitsverein" sein möchte, fällt bereits auf, dass Rosenkranz in Ungnade gefallen sein dürfte. Und nicht mehr zur "grossartigen und tollen Mannschaft" gehören dürfte.

Auch die Statements zur Entwicklung des Euro zeugen von echtem Weitblick ("75% der Griechen wollen ohnehin die Drachme wieder einführen", "Es wäre vernünftiger gewesen, nicht Mitglied der EU zu werden").

Auch der Zustand der Hauptstadt bereitet dem Retter der Österreicher schlaflose Nächte von max. 4h Länge: zum Thema 20h Arbeitstage im Wahlkampf meint der selbst berufene Messias: "Das wird auch in Wien der Fall sein. Ich werde in Wien Tag und Nacht wahlkämpfen -- weil diese Stadt geht sonst vor die Hunde." Lieber vor die Hunde als einen Bürgermeister mit stramm-teutschem Doppelnamen...

--
Vielen Dank an die edle Spenderin des Ausdrucks des Interviews -- den Besuch der Website des Blattes konnte ich mir somit ersparen.


Privacy

Unter dem Titel kommt fast zwangsläufig irgendwann Facebook zur Sprache. Diesmal gleich vorne weg: Ich mag es noch immer nicht. Und die Firma arbeitet hart daran, dass sich der Abstand vergrössert. Und zwar immer schneller vergrössert.

Dümmliche Aussagen des immer noch sehr wenig erwachsen wirkenden Gründers Zuckerberg ('People don't care about privacy any more'), die von anderen, ernster zu nehmenden Untersuchungen widerlegt werden (Jugendliche in den USA haben sehr wohl Interesse an ihrer Privatsphäre, es fehlen ihnen aber Wissen und Möglichkeiten, diese ausreichend zu schützen) und innovative Features (Stichwort: Beacon) sowie die regelmässige Überarbeitung in Richtung besserer Datenabfluss zu Facebook-'Partnern' werden in Summe immer penetranter.

Der u.a. Artikel bei Macworld verfolgt einen interessanten Ansatz:
"Let users shoot themselves in the foot rather than having Facebook stabbing them in the back."

Kernaussage: User kehren sich nicht um Privatsphäre. Man kann die Einstellungen ruhig im Hinblick auf wenig Weitergabe gestalten, eine Ankündigung später schalten die Leute freiwillig jeden Blödsinn frei -- und wären somit selbst dafür verantwortlich.

Das mag für einen Teil tatsächlich gelten (die z.B. auch AGBs nicht lesen, bevor sie einen Vertrag unterschreiben). Den anderen wäre mit dieser Herangehensweise aber geholfen. Und Facebook könnte den Schwarzen Peter abgeben. Warum also nicht?


Filesharing II

Passend zum letzten Artikel gleich ein Zeugnis vom Unverstand der Content-Industrie: die Songwriters Guild of America schreit nach dem FBI, schliesslich sei Musikpiraterie schlimmer als Bankraub. Und dabei ist noch nicht mal Sommer, das Kochen der 3 Gehirnzellen also nicht durch externe Energiezufuhr erklärbar...


Filesharing

Und wieder eine Untersuchung, die belegt, dass Filesharer die besten Kunden der Content-Industrie sind... Eigentlich sehr einleuchtend: Leute, die starkes Interesse an diesen Inhalten haben, sind durchaus bereit, dafür Geld auszugeben.
Interessanter Punkt: gegen Ende des Artikels zeigt eine Graphik die 'Zahlungswilligkeit', d.h. die Einschätzung von Konsumenten, wie viel Musik, Filme und Computerspiele kosten sollten. Musik und Filme liegen nicht so weit daneben -- eine Entwicklung in die richtige Richtung: es wäre für die Content-Industrie an der Zeit, Marktmechanismen zu akzeptieren. Filesharing als Ventil gehört dazu: es ist das Äquivalent zur Konsumverweigerung, nur für die Industrie schmerzhafter weil sichtbarer...


Brown

Gemeinhin als fataler Ausrutscher gewertet hat Gordon Brown mitten im britischen Wahlkampf-Endspurt eine Wählerin als engstirnig bezeichnet. Grosser Aufschrei, das könne man doch ganz allgemein nicht tun -- und jetzt im Besonderen auf gar keinen Fall.

Gegenfrage: Warum nicht? Vor allem, wenn es nicht unbedingt jeder Grundlage entbehrt? Wo bleibt da der Ruf nach authentischeren Politikern?

Mit einer Entschuldigung als klassischer Lapsus, einmaliger Ausrutscher, schreckliches Versehen ist es wohl nicht zu reparieren, viel interessanter wäre ein proaktiver Umgang: "Es tut mir leid, sollte ich Sie persönlich beleidigt haben. Dessen ungeachtet drückt es ungeschminkt meine Ansicht zu Ihrer politischen Meinung aus. Who's next?'

Gibt es nicht ausreichend Weichspüler-Politiker? Wie wäre es zur Abwechslung mal mit einer Persönlichkeit, die nicht in speichelleckender Manier um jede einzelne Stimme bettelt sondern Wähler mit klaren Standpunkten konfrontiert und deutlich macht, wofür sie steht?

Permlink: Plak.at: Brown

Thoughts on Apple

Es gibt Tage, an denen besonders deutlich wird, was Apple fehlt: wirkliche Konkurrenz.

Während Menschen mit leicht eingedelltem Horizont in Apfelform wie z.B. John Gruber von daringfireball.net in Jobs hin und wieder als 'Gedanken über...' veröffentlichten Evangelien meinen, finale Weisheit zu lesen, stellt sich das klarer denkenden Mitmenschen (z.B. Cade Metz von The Register, siehe Links) anders dar: als Versuch vollkommener Vereinnahmung von Plattform, Entwicklern und letztlich Kunden.

So widerwärtig mir der AppStore Zulassungsprozess ist, so überzogen finde ich Jobs' Forderung, es dürfe nichts (d.h. keine Bibliothek oder Übersetzungsschicht) zwischen Apples heiligen Geräten und den Entwicklern stehen. Meiner Ansicht nach sollte das jeder Entwickler selbst entscheiden...

Jobs' Argument, sie (Apple) hätten schlechte Erfahrungen mit der Abhängigkeit von Drittherstellern gemacht, in Ehren: *niemand* verbietet einem Entwickler, Apples APIs direkt zu nutzen, bloss weil Adobe eine Flash-basierende Entwicklungsumgebung anbieten möchte. Jobs möchte möglichst viele Anwendungen exklusiv für *seine* Plattform. Werkzeuge, die die Portierung erleichtern, stehen dem natürlich entgegen. Dazu ist allerdings anzumerken, dass, wenn besagte Apple Innovationen wirklich so grossartig sind, die Entwickler sie ohnehin werden nutzen wollen -- und ohne Zwang Abstand von Portierungstools nehmen werden, um diese einmaligen Features nutzen zu können. Dazu ist keine Vereinnahmung durch dümmliche Zulassungsprozesse und Vorschriften notwendig.

Leider zeigt sich auch in dem Fall Mr. Jobs wieder als Control-Freak. Der einen persönlichen Feldzug auf dem Rücken anderer austrägt. Schwache Vorstellung, Mr. Jobs.

Addendum: Ich mag Flash noch immer nicht. Und ich habe nicht das mindeste dagegen, wenn Flash ausstirbt. Allerdings macht es das Blockieren störender Werbung so angenehm leicht: man deaktiviert mit Hilfe eines Brwoser-Plugins Flash und startet nur die Anwendungen, um die es einem geht. Das könnte mit HTML5-Werbung schwerer werden...


H-Palm

Eine interessante und , für mich zumindest, etwas überraschende Wende: letzte Nacht gab HP bekannt, Palm um die lächerliche Summe von 1,2Mrd US$ zu übernehmen.

Somit kann man Jon Rubinstein nicht einmal vorwerfen, in seinen Interviews bewusst die Unwahrheit gesagt zu haben: die Möglichkeit einer Übernahme im Falle eines interessanten Kaufangebotes hat er ja offen gelassen. Und die Summe erscheint realistisch... es wirkt nicht wie ein Ausverkauf.

Der erfreulichste Aspekt daran: die Bekanntgabe wirkt in keinster Weise so, als wolle HP Palm (bzw. deren Produkte) einstampfen. Ganz im Gegenteil: mit den zugesagten Ausgaben für die Weiterentwicklung könnte HP webOS den Marktplatz verschaffen, den es in meinen Augen verdient: mit bei der Spitze.

Natürlich kamen sofort die Gerüchte auf, die kommenden HP Tablets würden auf webOS setzen. Nun interessieren mich Tablets nach wie vor nicht im mindesten, eine Erweiterung der installierten webOS Basis macht die Plattform allerdings für Entwickler interessanter und dürfte auf diesem Umweg auch für die darauf basierenden aktuellen und kommenden Smartphones Aufmerksamkeit bringen.

Im Gegensatz zu anderen potentiellen Käufern, insbesondere HTC und Nokia, hat HP derzeit kaum Eigenentwicklungen im Smartphonebereich, eine strategische Ausrichtung auf webOS bedeutet also keinen nennenswerten Bruch mit bisherigen Gerätelinien. HTC wäre in dieser Hinsicht der an einer aktiven Weiterentwicklung wohl uninteressierteste Käufer gewesen: die Firma baut erfolgreich Geräte basierend auf Android und Windows Mobile (künftig wohl auch Windows Phone). Hier wäre Palm wohl reduziert worden auf den Status von Munition im Abwehrkampf gegen Apple.

Nokia hat im Gegensatz dazu zwar Willen zum Bruch mit Traditionen gezeigt (z.B. das Maemo-basierende N900), hat jedoch erst kürzlich mit Intel eine Allianz geschlossen, um im Mobilbereich ein gemeinsames Linux-basierendes System aufzubauen. webOS wäre da wohl nicht gelegen gekommen... Und neben Symbian eine dritte Linie mit einem zweiten Mobil-Linux zu beginnen, wäre wohl wenig zielführend.

Ein interessantes Detail am Rande: der zuständige Manager bei HP war vorher auch bei Palm tätig. Mit ein Grund, warum ich denke, dass HP echtes Interesse an Palm, deren Produkten, Plattform und Mitarbeitern hat.

Insgesamt eine erfreuliche Entwicklung, die endlich Palms Zukunft mit etwas Sicherheit versieht. Und mit HPs weltweitem Vertriebsnetz sollte es auch langsam möglich sein, die Geräte in AT anzubieten...

Permlink: Plak.at: H-Palm

Makler

Zwei Auszüge aus einem Artikel zu den unverschämten 3 Monatsmieten, die Makler üblicherweise für ihre 'Dienstleistung' verlangen (übrigens den höchsten Provisionen im europaweiten Vergleich):

Gerald Gollenz, Obmann des Fachverbandes Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Steiermark, meint, dass man "mehr Rechtssicherheit hat, wenn Makler den Vertrag vorbereiten"

KP-Wohnungsstadträtin Elke Kahr: "Rund 30 Prozent aller derzeit beim Mieterschutzverband Steiermark anliegenden Fälle betreffen Maklerprovisionen und von Immobilienbüros ausgestellte problematische Mietverträge."

Noch Fragen? Stimmt... die hochwertige Ausbildung o.a. Dienstleister. Die gibts tatsächlich und sie besteht lt. Hrn. Gollenz zu mehr als der Hälfe aus Inhalten, die "Mietrechtsfragen betreffen". Dummerweise ist die Ausbildung nicht verpflichtend... und das Ergebnis sieht man ja.

Permlink: Plak.at: Makler

Wahl. Wahl?

Es ist ja nicht so, als ob wir gestern eine Wahl gehabt hätten: es war sicher nicht nur das Wetter an der niedrigen Wahlbeteiligung schuld, der klare Ausgang hat wohl ein übriges getan. Und Hundstorfer hat wohl nicht unrecht, wenn er meint, wären die Wähler unzufrieden, wären sie wählen gegangen.

Eine höhere Wahlbeteiligung hätte wohl Fischers Erfolg nur deutlicher werden lassen da ja normalerweise die grösste Motivation zur Wahl nicht die Würdigung demokratischer Vorgänge sondern der Protest gegen Bestehendes ist...

Dass Hr. Strache von einer Hexenjagd auf die FPÖ-Kandidatin spricht, wirkt eher erheiternd. Leider steht zu befürchten, dass das schlechte Abschneiden Rosenkranz' sich nicht unbedingt auf anstehende Wahlen übertragen lässt -- so wenig, wie Fischers Erfolg ein Erfolg der SPÖ ist. Was diese ja fairerweise auch zugibt...

Das Zündeln der ÖVP am Rande des Geschehens wirkt sehr unprofessionell, weder die Aufforderung zur Weisswahl noch die Schuldzuschiebungen bzgl. der niedrigen Wahlbeteiligung lassen die Partei im besten Licht erscheinen. Sind die Personalreserven tatsächlich so schöpft, dass sich kein würdiger Gegenkandidat finden liess?

Da bislang jeder Bundespräsident, der zur Wiederwahl angetreten ist, auch im Amt bestätigt wurde, stellt sich tatsächlich die von Fischer aufgeworfene Frage, ob eine Verlängerung er Amtszeit in Verbindung mit Abschaffugn der Wiederwahlmöglichkeit nicht sinnvoll wäre. Überlegenswert wäre vielleicht auch eine Mischform mit einer Art Amtsbestätigung zur Halbzeit.


Homosexuelle in der katholischen Kirche

Christian Berger, seines Zeichens ehem. Herausgeber einer konservativ-katholischen Publikation, berichtet über ein System der Unterdrückung innerhalb der Kirche. Lesenswert.

Zitat:
"Mein Vorgänger war dem Förderkreis der Zeitschrift zu eigenständig geworden, und so rechnete man wohl mit einem linientreuen, willigen und wegen seiner sexuellen Veranlagung obendrein gut domestizierbaren neuen Herausgeber."


Schwachsinn

Sachen wie das sog. Anti-Terror-Gesetz kommen raus, wenn man Politiker und Moralapostel alleine machen lässt: man soll künftig nicht einmal mehr Schwachsinn nennen dürfen, was ganz offensichtlich ein solcher ist. Die Gedankenpolizei ist nach den vollkommen abartigen Exzessen der US-amerikanischen 'political correctness' auch bei uns angekommen...

So gesehen ist der Titel des Presse-Artikels ganz korrekt: es handelt sich um Terror in Gesetzesform -- ein 'Terrorgesetz'.

Ich werde mir einen Gewerbeschein als Satiriker besorgen und mich auf die Redefreiheit der Kunst zurückziehen.


FIFA

Ein nettes Beispiel eines masslosen Monopolisten: der Fussballverband FIFA. Im unten verlinkten Artikel der Zeit gut charakterisiert mit 'Zum Wesen der Fifa gehört es, sich als gemeinnütziger Verein zu geben und als Wirtschaftsunternehmen mit aristokratischen Chefs zu agieren.' treibt die Gewinn- und Kontrollsucht immer obskurere Blüten: so meint eben dieser Verein, dass bei der Fussball-WM 2010 *jedes* Public Viewing durch die FIFA zu genehmigen sei, unabhängig von Gewinnabsicht (sprich 'Eintritt') oder nicht.

Das erinnert stark an das Diktat, während der EM nur eine grauenhafte Suppe niederländischer Herkunft ausschenken zu dürfen... Mir bleibt nach wie vor unverständlich, warum Gerichte bzw. EU-Gremien bei Konstrukten wie Oracle+Sun monatelang prüfen bevor sie allenfalls den Zusammenschluss genehmigen, während die FIFA vollkommen ungeniert ihr Spiel treiben kann...

Bewundernswert, dass die im Artikel erwähnte Berliner Wirtin sich juristisch zur Wehr zu setzen gedenkt. Im Sinne aller Fussballfans bleibt nur, ihr Viel Glück und vor allem Gutes Gelingen zu wünschen.

Der Vollständigkeit halber bleibt festzuhalten, dass mir persönlich Public Viewing nach wie vor kaum abgehen wird...

Permlink: Plak.at: FIFA

Flugplatz

In Anbetracht der Tatsache, dass die Austro Control bereits in Erwägung zieht, aufgrund der Aschewolke heute, Freitag, nachmittag in Österreich ebenfalls den Flugverkehr auf Eis zu legen, hat Werbemail der AUA mit dem Subject 'Bei uns gibt's wirklich Plätze zu günstigen Preisen' einen besonderen Witz...

"ja, ja... sie können im Flugzeug sitzen... kein Problem. Nur mit Abheben wirds leider nix."


Meisterschaft

Karl Kraus' Liebe zu Shakespeare drehte sich -- wenig erstaunlich -- um dessen meisterliche Sprache. Abgesehen von dem Eindruck, den man beim Lesen seiner Werke bekommt, zeigt nun eine statistische Auswertung, dass Shakespeare tatsächlich ein aussergewöhnliches Sprachtalent besass: während der Sprachschatz eines durchschnittlich Englisch sprechenden Menschen zwischen 10.000 und 20.000 Worten liegt, verwendete er mehr als 31.000 und kannte geschätzte weitere 35.000. Kraus dürfte in ähnlicher Distanz zu durchschnittlichem Deutsch liegen...


Verhältnismässigkeit

Selbige setzt offensichtlich in Anbetracht der Hiobsbotschaft, dass das Jesus-Tablet für internationale Kunden um fast 4 (!) Wochen verschoben wurde, komplett aus: bei eBay werden anscheinen phantastische Summen für das Ding bezahlt, zwischen doppeltem und dreifachem Originalpreis.
An und für sich schon kein Zeichen von Besonnenheit, in Anbetracht des Gegenwertes -- ein hässliches plattes Ding mit äusserst beschränkten Fähigkeiten und bereits mit Herstellerpreis weit überbezahlt -- vollkommen abartig.


Seitenhieb

Wenn Oracle ankündigt, MySQL als Alternative zu MS-SQL aufbauen zu wollen, sehe ich das als ziemlichen Tiefschlag: Nicht, dass MS-SQL so umwerfend wäre, aber es ist trotzdem weit entfernt vom Müllhaufen MySQL...


Warnung

Eine nette Sammlung von absurden Warnungsaufdrucken auf unterschiedlichsten Produkten: so findet sich z.B. auf der Verpackung eines Rattengiftes der Hinweis, dieses könne bei Labormäusen Krebs verursachen... Auch der Hinweis, man solle die Kettensäge weder mit Händen noch Genitalien zu stoppen versuchen, hat sicher schon Leben gerettet.


Geek

Can it get any more geeky than that? A Quote:

"Sunday, April 11

8:39 am: I take the iPad to church again;"

I really hate to make fun of Shawn Blank, whose postings are normally on the interesting side of the web... but this relentless quest of forced iPad-usage is well below usual standards...

Permlink: Plak.at: Geek

Palm

Über die nähere Zukunft von Palm wurde in der jüngeren Vergangenheit wieder reichlich spekuliert, insbesondere die nicht gerade berauschenden Quartalsergebnisse gaben Anlass zu unterschiedlichen Übernahmegerüchten, während der Aktienkurs doch ziemlich Federn gelassen hat.

Mittendrin wurde gern übersehen, dass Palm nicht nur viel Erfahrung auf dem Gebiet portabler Computer besitzt sondern auch ein (zumindest in den USA überlebenswichtiges) beachtliches Patentportfolio... Auch, wenn die aktuellen Geräte hardwaremässig noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein mögen, das Betriebssystem gehört sicher zum Besten, was im Mobilbereich derzeit verfügbar ist.

Unter diesen Aspekten wirken die Aussagen von Palms CEO Jon Rubinstein bei weitem nicht so überzogen oder unrealistisch, wie man nach den zahllosen, meist ohne Recherche übernommenen 'Palm ist tot'-Artikeln meinen könnte. Lesenswertes Interview mit einem Mann, der überzeugt ist von den Produkten und seinen Mitarbeitern und durchaus anschaulich eine eigenständige Zukunft für Palm vertritt.

Gerade nach der enttäuschenden Vorstellung von iPhone OS 4 könnte Palms Stunde schlagen: wieder kein echtes Multitasking... etwas, das der Pre bietet. Und nicht nur das: im Gegensatz zum technisch in diesem Aspekt ebenbürtigen Android hat Palm dafür ein simples Interface geschaffen und den wichtigsten Aspekt, die Interaktion mit im Hintergrund laufenden Programmen, über ein flexibles und vor allem unaufdringliches Notification-System sehr angenehm und produktiv gestaltet.

Die oft ins Feld geführte, durchaus beeindruckende Anzahl an für iPhone (oder auch Android) verfügbaren Programmen kann als Argument bereits einem zweiten Blick nicht standhalten: wer sich einmal durch die unglaubliche Menge an unaussprechlichem Müll gewühlt hat, verweigert Apples konstante Gleichsetzung von Quantität mit Qualität (interessanterweise tun sie das nur in Fällen, wo sie selbst mit Quantität protzen können...).

Sicher besteht bei der Software noch Aufholbedarf, trotzdem ist eine gute Basis vorhanden. Und mittelfristig wird auch der Umgang mit der Entwicklergemeinde Früchte tragen: im Gegensatz zu Apple werden diese nicht nach Kräften gegängelt. Ein interessantes Gedankenspiel drängt sich geradezu auf: was, wenn Adobe nach der genau auf Adobe abzielenden letzten Änderung der Bestimmungen der Entwicklerzugänge, sich alternativen Plattfomen zuwendet? Teilweise ist genau das bereits geschehen -- im Falle der Tablets hat Adobe Stellung bezogen...

Wobei ich einschränkend hinzufügen möchte, dass diese Situation lediglich in Bezug auf Marktanteile interessant wäre -- technisch gesehen möge dem Palm Flash als Entwicklerplattform erspart bleiben, die Entscheidung für offene Standards (HTML5, JavaScript, CSS) war definitiv die richtige. Aber Palm wird alternative Zugänge im Gegensatz zu Apple nicht zu unterbinden versuchen. Und das ist gut so.

Permlink: Plak.at: Palm

iPad vs. JooJoo

Meine Liebe zu Apple-Geräten hält sich momentan ja in recht engen Grenzen (wo bleiben eigentlich die neuen Macbooks?), trotzdem finde ich es faszinierend, wie sehr konkurrierende Firmen daneben stehen...

Ich finde das iPad nach wie vor das unnötigste Gerät, das Apple bislang herausgebracht hat. Wenn nun aber Leute so etwas kaufen und andere Firmen in diesen Markt einsteigen wollen, verstehe ich beim besten Willen nicht, warum sie die gleichen Fehler wie z.B. beim iPod wieder machen: das iPad wird nicht gekauft weil es hunderte Features hat. Ein sicher entscheidender Punkt ist die Akkulebensdauer (die angeblich sogar über den von Apple behaupteten 10h liegt, ich habe Berichte von 12h durchgehender Videowiedergabe gelesen). Warum bringt man dann ein Gerät wie eben jenes JooJoo heraus: dessen Akku macht nach 2,5h schlapp...


Bewerbung

Faszinierend, wie viel heisse Luft man um das einer Bewerbung beizulegende Photo erzeugen kann: im unten verlinkten Artikel gibts entgegen dem Versprechen im Kurztext keine klaren Worte. Man könnte den Artikel ohne wesentlichen Informationsverlust recht einfach zusammenfassen:
Nicht nur, aber schon auch. Andererseits aber... nicht zu vergessen... während jedoch. Ja. Nein. Manchmal. Aber sonst besser... und eigentlich... Zumindest, wenn nichts dagegen spricht.

Danke für die Wortspende.


Fanboy of the day

Selten einen weniger vor künstlicher Erregung strotzenden Text gelesen -- da möchte jemand ganz sicher gehen, beim nächsten Product Launch wieder vorne mit dabei sein zu können. Der Seitenhintergrund von Mr. Ihnatkos Artikel ist nicht zufällig weiss...

Kleine Auszüge:
"Well, I’m here to tell you that in fact, we haven’t seen tablets before."
Ja, klar... ein Berufener...

"When Apple looks at a fingertip, they see a warm, living thing that can feel."
Gehts noch ein bisschen pathetischer? Wohl kaum.

"The most compelling sign that Apple got this right is the fact that despite the novelty of the iPad, the excitement slips away after about ten seconds and you’re completely focused on the task at hand"

'Task at hand' -- genau das meinte ich mit dem weissen Seitenhintergrund ;-)

Dem übererregten Herrn sollte man ein stilles Kämmerlein zur Verfügung stellen. Dann müsste er nicht solchen Unsinn auf wehrlosen Webservern deponieren...


Klagen

Der Rat eines britischen Sicherheitsexperten bei Diskussionen mit einer Bank bzgl. einer nicht autorisierten Überweisung:

"So now you know – suing the bank is the fastest, simplest and least-hassle way of getting your money back,"

Leider scheint dieser Rat mittlerweile für immer mehr Firmen die beste Umgangsform darzustellen, 'Kundenservice' wird leider zunehmend zum Fremdwort. Mir fällt da sofort UPC ein, ein perfektes Beispiel für miesestes Kundenservice mit frechen Mahnbriefen bei selbstverschuldeter Schlamperei oder unverschämten Forderungen bei Vertragskündigung.

Permlink: Plak.at: Klagen

iPad vs. Flash

Das Fazit der u.a. Studie wundert mich wenig: "iPad-Käufer sind gut verdienende Apple-Fans". Klar -- wer sonst sollte sich so ein unnötiges Spielzeug zulegen?

Interessant in dem Kontext die Meldung, Google wolle Flash in Chrome (Browser und wohl später auch -OS) integrieren und zu einem fixen Bestandteil auf der gleichen Ebene mit HTML machen. Einerseits zeigt das wohl den sich langsam anbahnenden Kampf zwischen den beiden Firmen, andererseits muss es für Adobe wie ein Rettungsanker wirken: in den letzten Tagen haben einiges grosse Content-Provider in den USA bekannt gegeben, zum iPad-Start ihre Webseiten in HTML5 zur Verfügung stellen, d.h. Flash Videos ersetzen zu wollen.

Die konsequente Ablehnung von Flash sehe ich als einzigen positiven Punkt bei der Entwicklung der Mobilgeräte von Apple: Flash verdient zwar einen langsamen, schmerzhaften Tod, trotzdem wäre ich es lieber heute als morgen los.

Ein interessanter Punkt wird die Entwicklerunterstützung für HTML5-basierende komplexere Anwendungen... da hat Adobe noch einigen Vorsprung. Andererseits gibt es zahlreiche Bibliotheken, die die Entwicklung dynamischer Oberflächen mit HTML ermöglichen. Offen bleibt aber der SVG-Support als Alternative zu den Vektor-basierenden Flashinhalten.

Und hoffentlich lernen AdBlock&Co. bald, HTML5 Elemente gezielt zu blocken...


Dirk Kurbjuweit: Nicht die ganze Wahrheit

Normalerweise greife ich eher selten zu Kriminalromanen und insbesondere Detektivgeschichten -- wahrscheinlich widerstrebt mir der diese oft umwehende Moralinduft (der sich im übrigen auch bei jenen bemerkbar macht, deren Protagonisten sich explizit als ausserhalb der Gesellschaft angesiedelt verstehen). In Anbetracht des gewählten Umfeldes der Geschichte doch eine Ausnahme: im Umfeld der hohen Politik Berlins nimmt vor den Augen des in Ich-Perspektive erzählenden Detektivs eine ungewöhnliche Affäre Formen an.

Eine junge, (noch?) ihren Idealen folgende Abgeordnete beginnt eine Beziehung mit dem dummerweise verheirateten Parteivorsitzenden. Dass dieser darüber hinaus politisch andere Ansichten vertritt, verleiht den Figuren durchaus etwas Profil und vermeidet eine allzu simple Betrugsgeschichte. Interessant auch die menschlichen Betrachtungen des Erzählers, sowohl was die Glücksverteilung zwischen den beteiligten Personen (er wurde von der Ehefrau beauftragt) betrifft, als auch allgemeinere Dinge wie z.B. unauffälliges Verhalten durch Anpassung an die Umgebung.

Ja, es gibt immer etwas zu kritisieren... sicher hätte man die Personen auch vielschichtiger anlegen können, ihr Handeln komplexer. Auch das Ende vergibt irgendwie etwas von der aufgebauten Spannung, war aber für mich immerhin nicht komplett vorhersehbar -- was bei solchen Geschichten ja auch nicht ganz unwichtig ist.

Erschienen im Deutschen Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423138564
ISBN-13: 978-3423138567


Altstadt

Nette Wiener Gastwirtschaft, gutes Essen (probiert: Specklinsen und Fischgulasch), getrennter Nichtraucherbereich.

Altstadt (ehem. Oid-Wiener)
Pfeilgasse 27
A-1080 Wien


Meisterdieb

Die Geschichte liest sich wie ein Filmplot: ein Dieb mit aussergewöhnlich gutem Blick für Gelegenheiten und nicht nur den notwendigen Fähigkeiten (guter Umgang mit Schlössern und Überwachungstechnik) sondern auch einer gehörigen Portion Frechheit (so ruft er z.B. nachdem einer eine Bank ausgeräumt hat bei der Polizei an um falsche Fährten zu legen) lebt ein Luxusleben mit Einsätzen rund um die Welt. Lesenswert.


Gesunde Paranoia

Hin und wieder sollte man sich gerade im grossen, weltweiten Netz die Frage stellen: "Bist du paranoid genug?'
U.a. Artikel und insbesondere die darin verlinkte Forschungsarbeit unter dem Titel 'Certified Lies' beschreiben Mittel und Wege, SSL Verbindungen mit minimalen Indizien abzuhören. Die beschriebenen Methoden stehen staatlichen Stellen problemlos offen, da gerade in USA die Mitarbeit von Firmen bei Abhörmassnahmen recht leicht erzwungen werden kann (inkl. Stillschweigen darüber). Weiters äussern die Autoren der Studie ihre Überzeugung, dass derartige Kosntellationen bereits routinemässig genutzt werden.

Neben dem erwähnten Firefox-Plugin, dass auf eine Änderung bei der ausstellenden Behörde einer Website hinweist, bleiben zahlreiche weitere ungeschützte SSL-Verbindungen bei Mail, VPN etc.

Somit ist häufig wohl das in schlechtem Ruf stehende selbstunterzeichnete Zertifikat die bessere Lösung: sollte die ausstellende Certificate Authority belästigt werden -- weiss man davon ;-)


Politik

"A do-it-yourself guide to going nuke in a few easy steps" -- Durchaus respektable Analyse des Weges zur Atomwaffen-Nation, gut, wenn auch mit leicht anklingender Frustration, formuliert von Michael Rühle, dem "deputy head of the policy planning unit of the NATO Secretary General" -- das zu übersetzen spare ich mir...

Zitat:
"If you are not too concerned about raising international suspicions, you can be so bold as to invest in other nuclear activities as well, such as nuclear submarine propulsion. Dubious? Yes. Illegal? No—ask the Brazilians."


Piraten

Diesmal nicht zum Thema der langsam aufspriessenden Piratenparteien (immer noch ein Name, der jeden ernstzunehmenden Erfolg zuverlässig verhindert...) sonder um tatsächliche: diejenigen vor der somalischen Küste. Eine interessante Analyse des Business Model (Hint: es ist ein Investoren-basierendes Modell...).


Eastwood

Ein faszinierender Bogen: Nach Figuren wie z.B. dem Fremden ohne Namen in den Western mit Sergio Leone glaubten die wenigsten, dass dieser Schauspieler sich je über John-Wayne-Klischeefilme erheben könnte. Spätestens "Unforgiven" hat das geändert. Wobei man Dirty Harry keinesfalls verschweigen sollte...
Ein schöner Abriss über Clint Eastwoods Karriere.


Stopwords Pt.1

Immer wieder kommen mir in Zeitungsartikel, Büchern u.ä. Konstrukte unter, die ich als 'Stopwords' klassifizieren möchte: sie hindern mich zuverlässig am weiteren Lesen.

So geschehen heute in einem Standard-Artikel: das Wort 'launig' fällt eindeutig in diese Kategorie. Wenn der Autor 'dämlich' meint (und der Kontext legt diesen Verdacht nahe), warum schreibt er das dann nicht? Oder besser noch: warum schreibt er dann darüber?

'Launig' beschreibt in meinem Empfinden jedenfalls etwas Unerfreuliches weil Misslungenes: es sollte lustig sein, ist es aber nicht. Weil es zum einen nicht lustig sein darf, schliesslich gehts ja um irgendein ernstes Thema (hier um eine Figur der Aphrodite, die ihren angestammten Platz doch bitte zurückerhalten soll) und zum anderen der Betreffende zuwenig Wortgewalt besitzt, es in ausreichender Schärfe zu formulieren, sodass auch eine tatsächlich witzige Bemerkung dem Ernst der Lage gerecht werden könnte...


Kleines Glück

Ups, da muss jemand etwas übersehen haben: ein Gutachten der Uni Wien erkennt (nach zahlreichen anderslautenden), dass die Automaten der Firma Novomatic die Grenzen des sog. 'Kleinen Glücksspiels' mit Grenzen von max. 0,50,- Verlust und 20,- Gewinn überschreiten.
Und gänzlich unabhängig von diesem Thema wäre es vielleicht wirklich an der Zeit, strengere Bestimmungen für die Offenlegung von Parteispenden einzuführen...


Würstel im 16.

Muss tatsächlich erst ein Deutscher dem 16. einen echten Wiener Würtelstand organisieren? Dafür hat er aber gleich ganze Arbeit geleistet: ein schönes Konzept mit lokalen Produkten und sozialem Engagement -- der Betrieb ist zugleich für die beiden Betreiber der Ausstieg aus dem Obdachlosendasein. Und soll weiteren Betroffenen ebenfalls helfen: von Beginn weg sind 3 Vollzeitstellen vorgesehen mit 2 weiteren in Teilzeit. Sicher einen Besuch wert...

Ab 20.3.2010 am Johann-Nepomuk-Berger-Platz in Ottakring mit Produkten u.a. von Staud, Ottakringer und Radatz. Startkapital gabs von Pfarrer Wolfgang Pucher, dessen Vinziwerke in Graz und Wien soziale Ziele verfolgen.


"Väter"

OK, die Premiere war bereits im November 2009 -- dessen ungeachtet sein sehenswertes Stück am Akademietheater: "Väter". Drei Schauspieler deutscher, russischer bzw. litauischer Provenienz erzählen in kurzen Geschichten von ihren Erinnerungen an ihre Väter. Während der mit 3 Stunden zwar langen aber keineswegs langweiligen Aufführung werden die drei auf der Bühne in ihren jeweiligen Sprechpausen langsam zu ihren Vätern umgeschminkt.

Das simpel gehaltene Bühnenbild besteht primär aus graphisch aufbereiteten Photographien, die oft umgebaut und in die Erzählungen eingebunden werden. Die bereits angesprochenen Schminktische treten am Rand im Halbdunkel in den Hintergrund.

Auch, wenn nicht zu ergründen war, ob die erzählten Geschichten tatsächlich aus der Jugend der Schauspieler stammen (die unter ihren eigenen Namen sprechen), klingt es auf jeden Fall so. Eigentlich ein großes Lob für die Darsteller -- verdient. Jeder der drei bringt eine gute Mischung amüsanter wie auch melancholischer Erinnerungen... Definitiv sehenswert.

mit
Gundars Abolins
Juris Baratinskis
Oliver Stokowski

Regie: Alvis Hermanis


Zeit-Probleme

Interessante Ansätze... so berührt der Artikel (bzw. die darin geschilderten Theorieansätze) die interessante Sonderstellung der Zeit innerhalb der empfundenen 'Ordnung der Welt', die möglicherweise ja nur in unserem Geist so existiert bzw. eine von diesem genutzte Struktur darstellt, um die Welt begreifbar zu machen. Ein nettes Zitat noch als Leseanreiz:

"But, as Carroll pointed out, while we often find we've made a wrong turn and wound up going right when we meant to go left, we never find that we wind up in yesterday."


Internate

Ein, wie ich finde, ausgewogener Blick in ein Internat im u.a. Artikel von Thomas Knemeyer rechtfertigt nicht die sicher inakzeptablen Vorgänge in Klosterinternaten und ähnlichen Institutionen, distanziert sich aber von oft einfach zu reisserischen Darstellungen, die mittlerweile die Medien dominieren.

Ein weiterer Aspekt, der wohl derartigem Missbrauch zu Grunde liegt, klingt ebenfalls an: es geht weniger um kirchliche Ausbildungsstätten, das Naheverhältnis zwischen Erziehern und Schülern in Internatsanstalten birgt ganz allgemein das Risiko von Übergriffen. Ich denke, dass man das Zölibat dabei keinesfalls schuldfrei stellen darf, es ist aber bei weitem nicht der einzige Grund für Fehlverhalten.

Wie so oft würde der Diskussion ein wenig mehr Contenance wohl anstehen: Eine Wiederaufnahme der Hexenverbrennungen mit umgekehrten Vorzeichen kann wohl nicht das Ziel einer Gesellschaft sein, die sich als zivilisiert betrachtet.


Steinläuse u.ä.

Natürlich findet in einer nett gemachten Auflistung von nicht ernstgemeinten Lexikaeinträgen inkl. Autorenkommentar auch das berühmte Tierchen aus dem Pschyrembel Erwähnung, wie auch der Unzufriedenheitssatz -- wobei dieser durchaus ernst klingt...


Berufe

Erstaunlich, welche Ausbildungen es gibt... Stickereizeichnung etwa oder 'Oberflächen- und Emailtechnik' -- ja, tatsächlich: nicht E-Mail sondern Email, das komisch glatte Zeug aus alten Töpfen...

Permlink: Plak.at: Berufe

Hansen in der Börse

Früher gerne Samstags zum Frühstück besucht, nun nach längerer Zeit ein neuerlicher Anlauf: Das Hansen befindet sich im Keller der alten Börse, direkt angrenzend an ein Blumengeschäft (das allerdings auch über unsägliche Teile zur Umgestaltung des Gartens in eine Müllhalde verkauft). An dieser netten Lage hat sich nichts geändert.

Allerdings ist nach Überwindung der ersten Hürde einer offensichtlich nicht korrekt festgehaltenen Tischreservierung bereits die zweite bereit: die Wartezeit bis zur Erringung der Aufmerksamkeit des zahlenmässig durchaus imposanten Personals strapaziert den leeren Magen bereits deutlich. Dafür ist der Kaffee frisch geröstet -- hoffe ich jedenfalls, denn anders wäre die weitere Wartezeit ab Bestellung nicht zufriedenstellend zu erklären.

Dieses Muster zieht sich leider auch durch das weitere Programm: Kellner sind allgegenwärtig -- schauen aber beflissen weg und hasten vorbei. Irgendwann landet die bestellte Eierspeise mit getrockneten Tomaten und Grana dann doch, schmeckt auch gut wie früher. Auch der Umfang des als 'Baguette' in der Karte aufgeführten Gebäcks hat sich nicht geändert: ich verstehe darunter zumindest eine Hälfte des bekannten französischen Weissbrotes. Diese Erwartung wird lediglich im Durchmesser erfüllt, denn die 5 Scheiben ergeben in Summe nicht einmal eine Semmel.

Eine andere Variation Eierspeise kann weniger begeistern: lediglich mit Kernöl bewehrt bleibt geschmacklich wenig festzustellen. Ausser die wohl grosszügige Beigabe von Milch. Und vielleicht hätten auch im Winter nicht gerade Erdbeeren die abschliessende Waffel dekorieren müssen...

Da sich -- wie zu erwarten war -- auch am Schnösel-Touch des allgemeinen Publikums wenig geändert hat, war das wohl der letzte Besuch. Eigentlich schade, aber es gibt sympathischere Alternativen -- wie z.B. das Lutz.


B&W P5 Kopfhörer

Beim ersten Kopfhörer einer alteingesessenen Lautsprecherschmiede sind die Erwartungen hoch... zu Recht?

Intelligenz?

Möglicherweise sind wir doch die derzeit einzige halbwegs intelligente Lebensform im Universum:

"Perhaps, every time intelligence arises, that species swiftly thereafter destroys itself by the use of planet-busting weaponry, or becomes enervated by spending all its time in immersive artificial game/entertainment environments and dies out because it can't be bothered to breed."

Good point.


Ka-Do

In Alliteration des Kürzels eines gewissen, dem Altersstarrsinn zugeneigten Publizisten entstanden, wäre das als 'Weg des Trottels' zu übersetzen (Über Do - Zen-Wege zu schreiben wäre mir lieber...).

Aus den stumpfsinnigen Tiraden des gefährlichsten Boulevardmediums Österreichs (das 's' ist hier wichtig...) hat Günter Traxler einen netten Artikel zur anstehenden Bundespräsidentenwahl zusammengebaut. Mit nur wenigen Einwürfen der Vernunft...

Es ist simpel widerwärtig, in welcher Art und Weise Hr. Dichand seine rein persönlichen Ansichten als Allgemeingut breitwalzt und letzteklassige Vorschläge wie den EU-Austritt als notwendig für das Wohl "Österreichs" (was immer er darunter genau verstehen mag) erachtet. Könnte man bitte dieses Käseblatt endlich entsorgen? Am besten gleich zusammen mit seinem Gratisableger, der tagtäglich die U-Bahn zukleistert.

Permlink: Plak.at: Ka-Do

Ordnungsruf

Ein Ruf zur Vernunft in Deutschland vom Obersten Gericht in Karlsruhe: Vorratsdatenspeicherung ist grundgesetzwidrig, die gesammelten Daten müssen unverzüglich gelöscht werden. So viel zu den Träumen der Musikindustrie, diese Daten für ihre eigenen Zwecke in zivilrechtlichen Verfahren gegen Anwender zu nutzen...


Kostenlimit

Fr. Neelie Kroes zeigt weiterhin aktives Bemühen um Konsumenteninteressen: Ein Kostenlimit mit verpflichtenden Benachrichtigungen und Sperre bei fehlender Reaktion des Kunden klingt nach einem guten Ansatz zur ruhigeren Nutzung von Datendiensten im Roaming.


Abziehbilder

Was ist der Grund dafür, dass die Zentren westlicher Grossstädte einander immer ähnlicher werden, die immer gleichen, nichtssagend luxuriös ausgestatteten Filialen der weltweit operierenden Ketten in oft sogar ähnlich wirkender Anordnung zu fortschreitendem Gesichtsverlust beitragen? Ist es ein wünschenswerter Zustand, den aktuellen Aufenthaltsort nur mehr an den unterschiedlichen Beschriftungen der Flughäfen ergründen zu können?

Momentan bleibt anscheinend nur der Weg in die Peripherie, die dafür wieder andere Hässlichkeiten zu bieten hat...


Offener Brief an T-Mobile, Teil 2

Nachdem T-Mobile eine Fortsetzung des Vertrages mit geändertem Tarif aber ohne Mindestvertragsdauer wollte ich noch die Gründe für diese Entscheidung in Erfahrung bringen:


S.g. Hr. XXX,

Vielleicht können Sie mir helfen, das in Ihrem Schreiben bzgl. meiner
Kündigung zum Ausdruck gebrachte Interesse an einer Fortsetzung des
Vertragsverhältnisses in den korrekten Kontext zu setzen, indem Sie mir
folgenden, kurz zusammengefassten Sachverhalt verständlich machen:

T-Mobile lehnt also mein Angebot, monatlich 19,- für u.a. Leistungen (die
einem regulären Tarif entsprechen) zu entrichten, ab, weil ich aufgrund
der Tatsache, dass ich von T-Mobile keine subventionierte und somit
abzubezahlende Hardware in Anspruch nehme und daher eine
Mindestvertragsdauer als nicht gerechtfertigt ansehe. Oder habe ich da
irgendetwas falsch verstanden?

Ich *benötige* weder den Vertrag noch die Telephonnummer noch
irgendwelche anderen Leistungen. Es geht mir lediglich darum, zu verstehen,
warum T-Mobile es vorzieht, mit hohem finanziellen Einsatz
Neukundenaquisition zu betreiben als Bestandskunden, die noch dazu ihr
Interesse an einem Fortbestand der Vertragsbeziehung verlautbaren, zu
halten. Mir erschliesst sich simpel das Geschäftsmodell nicht ganz...

Trotzdem würde es mich freuen, von Ihnen ein meinen Vorstellungen
entsprechendes Angebot zu erhalten.

Mit freundlichen Grüßen,
Wolfram Saringer.


Alexander Gorkow: Mona

Die leisen Andeutungen zwischen den Zeilen einer in teilweise schon nervender Naivität erzählten Geschichte hormoneller Verwirrung bereiten nur wenig auf das doch recht heftige Ende vor.

Ein Mensch mit offensichtlich langweiligen Job (nämlich dem Vertrieb von Kühlkettensystemen) lernt auf einer Dienstreise in Rumänien eine Frau kennen. Diese ist im Endeffekt nicht gänzlich unschuldig daran, dass der folgende Vertragsabschluss mit den Rumänen, die nicht nur Schlachthäuser betreiben, sondern auch zahlreichen interessanten Hobbies wie z.B. die sich rationalem Denken nicht erschliessenden Verlängerung von Transportwegen aufgrund zwanghafter Besuche am Schwarzen Meer nachgehen, einige Züge trägt, die nicht unbedingt zum Wohle seines Arbeitsgebers beitragen.

Der Versuch, vor Ort Nachverhandlungen zu führen, bessert die Lage nicht unbedingt. Im Gegenteil -- der erste Schritt zur etwas turbulent verlaufenden und lakonisch skizzierten weiteren Entwicklung ist getan. Eine nicht unbedeutende Rolle spielen dabei Psychoaktive Pilz und deren Pariser Züchter...


Kalkül

Ein gutes Beispiel für die gegenseitige Bedingtheit von Gegenspielern wie z.B. der Contentindustrie und der Copyright-Gegner: In Grossbritannien sind 'echte' Interetsperren für Verstösse gegen Copyrightbestimmungen vom Tisch (u.a. wg. der Unvereinbarkeit mit der Tatsache, dass Internetzugang in Kreisen der EU inzwischen als quasi Menschenrecht angesehen wird).

Dessen ungeachtet nutzen beide Seiten das weiterhin als Argument für ihre Zwecke: Die Contentindustrie um die Angst vor Strafen wg. Filesharing aufreht zu halten und die Copyright-Gegner weil sich damit Emotionen besser schüren und in ihrem Sinne nutzen lassen. Besser als z.B. mit aktiven Gestaltungswünschen wie besseren Online-Musik- und Filmangeboten.

Ein in u.a. Artikel aufgeführtes Zitat (ursprünglich aus einem älteren Artikel der gleichen Site) bringt es gut auf den Punkt:

"Rallying the troops against Wicked Acts is the oil that keep the machinery of activist fund-raising going. There's little to be gained by slaying the dragon, and much more to be gained by keeping it caged, so it can be let out to scare the population every so often."


Kreide?

Da scheint jemand eine ordentliche Portion davon abbekommen haben -- zumindest klingen Worte des Verständnisses für Folgen, die 'normalen' Leuten aus der Bankenkrise erwachsen sind, und sogar Andeutungen, dass es Aufgabe der Banken sein könnte, das geschädigte Vertrauen durch eigene Schritte wieder aufzubauen, aus dem Mund des Chefs der britischen Investment-Bank Barclays unerwartet...

Die Vermutung, dass die Banken nicht schuldlos in das Fiasko gerutscht sind, geht mal in die richtige Richtung. So lasst den hehren Worten Taten folgen...


Apple A+

Interessante Konstellation: Einerseits wird 'Qualität und Effizienz' des Kundenservices von Apple -- mir nicht ganz nachvollziehbar -- in einer Umfrage der Business Week mit A+ bewertet, andererseits würden nur 66% Apple weiterempfehlen und nur 58% wieder ein Appleprodukt kaufen.

Deckt sich bei genauer Überlegung aber halbwegs mit eigener Erfahrung: ich zögere auch zunehmend, Apple zu empfehlen. Nicht, weil die Produkte per se von schlechter Qualität sind sondern primär, weil das Gebaren von Apple immer unerträglicher wird (AppStore Spirenzchen, Providersperre bei iPhone, Beschränkungen der freien Nutzbarkeit der Produkte an allen Ecken und Enden). Schade -- und wieder wird deutlich: Apple fehlt Konkurrenz.


Lilian Faschinger: Stadt der Verlierer

Die aus 2 verschiedenen Perspektiven erzählte Geschichte -- einmal aus Sicht der Hauptperson Matthias Karner, einmal aus Sicht einer ihn suchenden und später mit der Geschichte wieder in Berührung kommenden Detektivin -- entbehrt nicht einiger interessanter Wendungen.

Das vermeintliche Selbstmordopfer Vera überlebt und beginnt in der Folge eine Affäre mit ihrem Retter. So weit, so platt. Einige begleitende Umstände machen daraus doch noch eine lesenswerte Geschichte, so z.B. die nur der Hauptperson bekannte Nahebeziehung zu seiner Affäre (abgesehen von offensichtlicher Nähe) und die sich im weiteren daraus ergebende Zuspitzung der Ereignisse.

Die andere Erzählseite ist leider mit einigen in meinem Empfinden weniger gelungenen Figuren durchsetzt, so tragen weder die Verwandtschaft der Detektivin noch ihr ehemaliger Friseur und nunmehriger Geschäftspartner positiv zur Geschichte bei -- im Gegenteil, sie lenken durch verkrampft problematisierte Lebensläufe unangenehm ab. Als Begleitgeschichte hätte mir durchaus die sich entwickelnde Beziehung der Detektivin gereicht, so wirkt es teilweise leider etwas wie Seiten schinden.

Insgesamt lohnt es, diese Passagen nur zu überfliegen und die eigentliche Geschichte zu Ende zu lesen -- diese entwickelt sich anders als man anfangs denken mag.


Interruptus

Der Text begann mit folgenden Worten:

"Die feministische Initiative ARGE Dicke Weiber..."

Weiter bin ich dann nicht gekommen -- keine Ahnung, woran das gelegen haben mag.


Plattencover

So sehr Vinylanhänger auch davon schwärmen mögen: in einigen Fällen wäre das kleinere Cover der CD schon schlimm genug...
Meine Favoriten:
3/51: The Faith Tones - Jesus Use Me: Danke, lieber nicht.
29/51: Nelson: Because They Can: Gerade deshalb wäre es ein Zeichen von Größe, auf derartige Geschmacksattacken zu verzichten.

Interessanterweise entsprechen gerade die eindeutig religiös motivierten Attacken auf den Sehnerv allen Klischees und erinnern an die 'Smelly Family' -- von denen man ja auch schon erfreulich lang nichts mehr gehört hat. Was aber auch an meinem Radio- und Fernsehverzicht liegen mag...

Via BB (Nein, das bedeutet *nicht* Blackberry...)


Offener Brief an T-Mobile

S.g. Damen und Herren,

bezugnehmend auf Ihr Schreiben zu meiner laufenden Kündigung unter dem Titel 'Können wir Sie umstimmen?' darf ich folgendes anmerken: Ich war bislang nicht unzufrieden mit T-Mobile -- somit wäre die Antwort ein klares Jein...

Wie Sie aus den Nutzungsdaten des o.a. Anschlusses ersehen können, handelt es sich nicht um mein Haupttelephon. Vielmehr habe ich die SIM-Karte nach Verkauf des ursprünglich mit diesem Vertrag erworbenen iPhones mit unterschiedlichen anderen Smartphones genutzt da ich zum einen gerne derartige Geräte teste, zum anderen auch darauf ausgerichtete Services entwickle (z.B.http://m.auskunft.at/).

Mein sich daraus ergebendes Nutzungsprofil ist mit etwa folgenden Werten zu deckeln:
300min Sprachtelephonie in unterschiedliche Netze
1GB Datentransfer (realer Verbrauch weit darunter, es geht mehr um einen Sicherheitspolster um diesen Wert nicht ständig überprüfen zu müssen)
300 SMS in unterschiedliche Netze

Diese Dienste wären mir ca. 10,-/Monat wert, max. Bindefrist 6 Monate (ich benötige keine Hardware, die Geräte erwerbe ich normalerweise offen und verkaufe sie binnen kurzer Zeit weiter).

Den Umfang halte ich für eine Reihe Ihrer Kunden für interessant/geeignet. Es würde mich freuen, wenn Sie diese Anregung aufnehmen und mich evtl. mit einem entsprechenden Angebot kontaktieren würden. Ein derartiger Tarif wird von hochklassigen Providern in Österreich aktuell meines Wissens nicht angeboten, würde meiner Einschätzung nach aber vielen entgegenkommen, die Smartphones gerade für sich entdecken.

Mit freundlichen Grüßen,
Wolfram Saringer.


Platzhirsch

Samstag abend in die offensichtliche In-Hütte in Wiens Innenstadt reingestolpert (auf Fremd-Betreiben). In den Räumlichkeiten des ehemaligen Maxim am Opernring 11 beheimatet und zumindest Samstags offensichtlich auf alte 90er Sachen spezialisiert erstaunt zunächst mal, dass das durchwegs recht junge Publikum die alten Titel anscheinend kennt -- woher auch immer.

Einrichtung ist eher als Geschmackstest gedacht und ein wertvoller Beitrag zur Herausbildung desselben: man lernt in frühen Jahren zumindest schon mal, dass man Hirschgeweihe nicht an die Wand hängt -- es sieht einfach besch... aus.

Getränkepreise im Rahmen, Eintritt ebenfalls. Lichtanlage braucht sich hinter der Beschallung nicht zu verstecken: der Versuch wäre sinnlos. Hinter den winzigen JBL-Tops sieht man die 2 Moving Heads noch immer. Dazu ist zu sagen: auch 90er-Nummern machen mit guter Anlage (und dazu gehören auch vernünftig dimensionierte Bässe) mehr Spass...


Mandelbrot

Das geht ein bisschen schneller als früher mit dem Zoom... Und beantwortet wohl ausreichend die Frage, die man sich meist beim ersten Kontakt mit Fraktalen stellt: Geht das ewig so weiter? JA.
Ein Projektor wäre angebracht...

Via kottke.org


Interview mit einem Vampir

Inzwischen sollten die sog. 419-Scams (benannt nach dem nigerianischen Strafrechtsparagraphen, der sich auf eben diese bezieht) bekannt sein -- trotzdem scheint das noch immer äusserst lukrativ zu sein. Schon spannend, in wie weit Gier jedwede Vernunft auszuschalten imstande ist...

In einem Interview mit einem Mitglied einer solchen Gang gefunden:

"John: We had something called the recovery approach. A few months after the original scam, we would approach the victim again, this time pretending to be from the FBI, or the Nigerian Authorities. The email would tell the victim that we had caught a scammer and had found all of the details of the original scam, and that the money could be recovered. Of course there would be fees involved as well. Victims would often pay up again to try and get their money back."

Social Engineering at its best...


Thomas Glavinic: Das bin doch Ich

Ein witziger, leicht alkoholdurchtränkter Blick auf den Literaturbetrieb, insbesondere den Wiener Part desselben. Neben Flugangst, aggressivem Marketing indischer Restaurants am Naschmarkt (die der Autor nahezu zwanghaft immer wieder aufsuchen *muss*) und allgemein aufsässigen Zeitgenossen bedroht Glavinic' Glück ausserdem die Flugangst, eine gesunde Portion Hypochondrie sowie die Hinterhältigkeit von ÖBB und Grazer Allgemeinmedizinern.
Damit wäre zwar ein guter Teil des Inhalts verraten -- das Lesen lohnt dennoch. Nicht nur, um zu erfahren, wie sich ein Autor fühlt, der gerade einen Verlag für sein letztes Werk (in diesem Fall das im Endeffekt ziemlich erfolgreiche 'Die Arbeit der Nacht'), auch die Erzählweise per se macht das Buch sympathisch.


Offener Bücherschrank

Eine ausgesprochen nette Idee: an der Ecke Zieglergasse / Westbahnstrasse im 7. Bezirk in Wien eröffnet heute, am 5.2.2010, ein Bücherschrank, der den unentgeltlichen Tausch von Büchern stimulieren soll. Um die kommerzielle Ausschlachtung zu verhindern werden die Bücher mit Klebern als Tauschobjekte kenntlich gemacht.
Mittelfristig steht zu hoffen, dass zum einen der Schrank von Vandalismus verschont bleibt, zum anderen die Stadt sich an den Kosten der Erhaltung beteiligt und die auf Privatinitiative basierende Existenz des Kastens dauerhaft ermöglicht.
Ohne speziellen Ort des Tausches existieren derartige Börsen im Netz bereits seit geraumer Zeit, z.b. auch unterhttp://TravellingBooks.org/(Disclaimer: diese Site wird ebenfalls von mir betrieben, derzeit mangelt es allerdings an aktiver Bewerbung...)


Sprache: Zusammengesetztes

Nicht ganz zu Unrecht verweist der unten verlinkte Artikel auf die im Deutschen mittlerweile weit verbreitete (Un-) Art, mehrere Hauptworte nicht, wie korrekt, durch Weglassen der Wortgrenzen (Abstand, Grossbuchstabe, Bindestrich), zu einem neuen zu verbinden sondern in englischer Manier, das solche zusammengesetzten Hauptworte kaum kennt, locker aneinandergereiht stehen zu lassen. Mit Abstandhalter dazwischen. Sollte eigentlich nicht notwendig sein...
In geradezu epischer Manier zeigt Andreas Dölling Mittel und Wege, den überbordenden Anglizismen, und seien es lediglich solche der Form, Einhalt zu gebieten. Inkl. Anrufung des Duden. Lesenswert.


Die spinnen, die Briten...

In dieser leichter Abwandlung des bekannten Asterix-Spruches kann man die ausfallende Gehirnkrätze des englischen Verkehrsministers zusammenfassen. Im Langtext meinte die britische Lebensform, künftig seien Nachtscans auf den Flughäfen von Heathrow und Manchester obligatorisch, d.h. ohne Scan kein Flug. Fröhlicherweise dürfen auch Kinder gescannt werden... von medizinischen Aspekten abgesehen finde ich das moralisch in höchstem Maße bedenklich.
Einzig möglicher Schluss: diese beiden Flughäfen nicht mehr zu betreten. Fly british? No, thanks.


Rückgrat?

Bei einem Unternehmen der Finanzbranche noch dazu? Kaum zu glauben... aber SWIFT verweigert die Lieferung von Banktransaktionsdaten an die USA ohne Zustimmung des in dieser Sache vom EU-Rat hinterhältig umgangenen EU-Parlaments. Bravo, gute Entscheidung.


Marktmacht

Intelligenter Artikel zur aktuellen Kontroverse Flash vs. HTML5 Video:
"in my wildest dreams, the market would be shared somewhat evenly with the competition".

Stimmt... ohne Konkurrenz entwickelt sich nichts zu Gunsten des Kunden. Siehe Apple: Wären diese in einer ähnlichen Situation wie Nikon/Canon -- was für phantastische Geräte würden daraus entstehen. So aber bekommen wir ein fades iPad, ein vor Sperren strotzendes iPhone und keine Macbook Updates... Danke, Mr. Jobs.


Datenstriptease

Wenn die diversen Datensammlungen einzelner Anbieter nicht mehr reichen: Blippy bietet die Zusammenführung der Daten aus Kreditkartentransaktionen, Einkäufen bei Amazon, iTunes und anderen Webshops. Und zwar zum Zwecke des Direktmarketings... frecher gehts kaum. Bedauerlicherweise bisher nur in den USA -- könnte es sein, dass EU-Datenschutzbestimmungen tatsächlich geeignet sind, derartiges hintanzuhalten?


Big Brother - homemade

Was macht ein Mensch, der zwar schon immer gerne Schauspieler werden wollte, dem es aber an Talent mangelt? In Zeiten des weltumspannenden Netzes kein Problem mehr: er sucht sich sein Publikum selbst.
So 'lebt' Michael Buckley auf Youtube -- und auch davon: inzwischen lukriert er ausreichendes Einkommen (soweit man ca. 20.000USD/Monat als ausreichend bezeichnen möchte) um davon zu leben. Aufgrund des kolportierten Inhalts der Videos (Führungen durch sein Haus, Kommentare zu Pseudo-Prominenten wie auch Möchtegern-Stars und ähnlicher Klatsch) habe ich die Prüfung, ob er tatsächlich so ein sympathischer Mensch, wie im Artikel der Zeit beschrieben, ist...


Strassenplatte

dict.leo.org schlägt als Übersetzung von 'pad' u.a. diese vor. Oder auch Tampon, Fettpolster und Anpassungsglied.
Freilich werden all diese Bedeutungen im Medienrummel in baldige Vergessenheit geraten -- schliesslich hat das Wort heute, insbesondere mit vorangestelltem 'i' eine einzige Bedeutung verliehen bekommen: gemeint ist damit fürderhin ein aus den Fugen gegangenes iPhone. Tastatur hats natürich keine (als Zubehör gibts etwas ähnliches), dafür kann man unglaublich einfach Geld für Musik, Videos und -- welch Innovation -- Bücher ausgeben. Beruhigenderweise laufen auch all die wertvollen iPhone Anwendungen auf dem neuen Gerät...

So sieht also das 'wichtigste Produkt' von Steve Jobs Karriere aus... keine weiteren Fragen.


Humor

Wenn Bully Herbig behauptet, bei Monty Python abgeschrieben zu haben, wäre ein Besuch beim Augenarzt anzuraten. Oder eine Grundeinschulung ins Lesen.

Permlink: Plak.at: Humor

Bundeshymne

Man mag zum Text derselben stehen, wie man will: vieles ist einfach veraltet... mit Hämmern beispielsweise ist heute kein Staat mehr zu machen. Dessen ungeachtet war der Wunsch, den Text abzuändern, eine unglaubliche Zeitverschwendung -- man kann Marek in dem Fall nur Recht geben, wenn sie meint: "Wir haben (...) andere Sorgen".
Wäre schön, wenn sich die österreichische Politik wieder auf diese konzentrieren würde und von beschäftigungstherapeutischen Unsinnigkeiten künftig Abstand nehmen würde.
Zugegeben: das ist unwahrscheinlich. Aber träumen wird man noch dürfen...


Bindestriche und andere Namensfragen

Eine Berufene kümmert sich neuerdings um Aufgabengebiete, die unter ihrer Obhut wohl keine gedeihliche Perspektive haben. Z.B. die Namensgebung im Falle von Personen, die mit ihrem Geschlecht nicht zufrieden sind. Oder Bindestrichen -- Details bitte anderweitig nachzulesen, die Diskussion ist so unnötig, dass ich das hier nicht wiederholen mag.

Eine Frage erwächst daraus aber: kann man dieses Fektotum nicht wegmachen? Mit jedem Wort empfiehlt sich die Dame für eine baldige (und tunlichst unbezahlte) Polit-Pension.


Thomas Glavinic: Die Arbeit der Nacht

Eine beklemmende Geschichte, am Cover nicht zu unrecht mit Kafka in Verbindung gebracht: Ein Mann erwacht eines Tages, um herauszufinden, dass er offensichtlich der letzte seiner Art ist. Der letzte Mensch. Alleine in der gewohnten Umgebung, die er als zunehmend feindlich und bizarr wahrnimmt.
Sämtliche Anstrengungen, dem Albtraum zu entkommen, zumindest Hinweise zu finden, was passiert sein könnte, schlagen fehl. Gefangen im Käfig der Zivilisation wird immer deutlicher, dass ein Mensch alleine nicht einmal Mensch sein kann.
Geschickt arbeitet Glavinic mit hin und wieder geradezu erschreckenden Kleinigkeiten, die letztlich aber immer nur das Eine erneut deutlich machen: Es passiert nichts. Weil niemand da ist...
Lesen.


Internet-Schosshündchen

Eine nette Wortprägung des Autors des u.a. Spiegel-Artikels, der damit treffend die Unzucht der Spielzeuge der Gerätehersteller (allen voran Apple) bezeichnet, die mit in unterschiedlicher Art erschwerten Zugängen ihre jeweiligen 'Plattformen' vor Fremdanwendungen schützen -- und damit mittelfristig (oder im Fall von Apple auch bereits kurzfristig) Innovation be- wenn nicht sogar verhindern. Das wirft ein gänzlich anderes Licht auf die frohe Kunde von Amazon, künftig 'Apps' auf dem Kindle zuzulassen...

Bravo. Willkommen in der schönen, blinkenden Welt der frisierten Schosshündchen.


Günstig

Interessant, wie weit Preise digitaler Downloadangebote auseinanderklaffen können: für ein und dasselbe Album verlangt iTunes 21,78,- (AAC 256kBit), Amazon 17,98,- (MP3), 7Digital 8,99 (MP3 320kBit). Alle DRM frei und auf nahezu beliebigen Geräten abspielbar.

Kleinere Differenzen sind nicht unüblich, auch in der anderen Richtung. Leider ist Amazon MP3 noch immer nicht in AT verfügbar...

Stand 24.11.2009, Album "Goa Sun v.1 Mixed by Dr.Spook"

Update 22.01.2010: Zum einen ist Amazon MP3 erfreulicherweise seit einigen Wochen auch in AT verfügbar. Zum anderen ist mir soeben aufgefallen, dass die veröffentlichten Alben nicht unbedingt die gleiche Titelzahl haben: so hat z.B. das Album Teppan-Yaki von Shinichi Osawa bei 7Digital 10 Titel, bei iTunes aber 14. Zum nahezu gleichen Preis...


Flugsicherheit

Entgegen anderslautenden Gerüchten gibt es sehr wohl absolute Sicherheit im Flugverkehr: Details zu den erst kürzlich bekannt gewordenen Plänen.

Got Twitter?

Falls jemand ein Kommentar zu hier präsentierten Inhalten auf der Zunge liegt: per Twitter wäre eine Möglichkeit...


Thierry Cohen: Ich hätte es vorgezogen zu leben

Ein Jugendlicher, der an seinem 20. Geburtstag aus enttäuschter Liebe Selbstmod begeht, erwacht in unregelmässigen Abständen jeweils zu seinem Geburtstag aus einer Art Schlaf, um festzustellen, das anscheinend jemand anders das Leben lebt, das er sich so sehr gewünscht hatte -- verheiratet mit der von ihm angebeteten Frau.
Das wäre nun nicht so schlimm... nur scheint sein Alter Ego ein äusserst unangemessener Ersatz: ganz offensichtlich betrügt er seine Frau, neigt zu Gewalttätigkeit und pflegt noch einige weitere Schattenseiten. Der Mann beginnt nun einen aussichtslos scheinenden Kampf gegen diejenige Person, die er zwischen seinen kurzen Wachzuständen zu sein scheint.
Hintergrund des Buches ist der Versuch des Autors, den Selbstmord eines Freundes zu verarbeiten. Und eine Antwort auf die Frage zu finden, was er ihm hätte sagen können, um ihn von diesem Schritt abzuhalten.
Streckenweise doch etwas pathetisch, dessen ungeachtet ein interessantes Gedankenexperiment.


Josef Haslinger: Das Vaterspiel

Erst kürzlich von Michael Glawogger verfilmt bleibt das Buch eine lesenswerte Geschichte um einen Sohn, der versucht, aus dem Schatten des verhassten Vaters zu treten. In interessanter Verschachtelung der unterschiedlichen Erzählstränge, die Kindheit und Aufwachsen der Hauptperson mit der aktuellen Geschichte, in deren Zentrum eine Reise zu einer lange vergessenen Studienkollegin in die USA steht, verbindet, kommen und gehen zahlreiche schräge Typen. Auch die zunächst zusammenhanglos eingestreut wirkenden Gerichtsprotokolle finden schliesslich ihren Platz in der Geschichte.


Soul Kitchen

Ein seltener Fall eines Filmes mit netter Balance zwischen Geschichte und Gags: gleich weit entfernt von schwerer Kost wie auch simplem Klamauk stolpert ein von unterschiedlichen Katastrophen zwischen Freundin mit neuem Job in Shanghai und kauffreudigem Immobilienhai verfolgter Besitzer eines Lokals mit, gelinde gesagt, ernährungstechnisch gerade Mindeststandards genügender Küche zwischen der Kante des Abgrunds und dem Erfolg hin und her -- inkl. nettem Ende. Klare Empfehlung.


Bankempfehlung?

Eine eigene Studie hat festgestellt, dass die Quote der Bankkunden, die ihre Bank weiterempfehlen würden um 10% auf sagenhafte 1,8% gefallen ist. Und wenn man sich fragt, warum solche Zahlen Banken nicht zur Selbstreflexion zu bewegen imstande sind: es gibt noch schlechter abschneidende Sparten. Versicherungen haben tatsächlich negative Emfehlungsquoten, d.h. mehr unzufriedene als zufriedene Kunden. Bravo.


Affen

Es gibt ja Gerüchte, die Männern eine grosse Nähe (welcher Art im speziellen auch immer) zu Affen zuschreiben. Aktuelle Genforschung zeigt nun, dass im Gegenteil anscheinend Frauen den behaarten Vorfahren näher verwandt sind.
Andererseits ist zu vermerken, dass die genetischen Unterschiede nicht mit den kulturellen Alleinstellungsmerkmalen der Menschen zu korrelieren sind:

"When we sequenced the chimp genome people thought we'd understand why we have language and write poetry," says Page. "But one of the most dramatic differences turns out to be sperm production."

Das relativiert die Nähe oder Entfernung genetischer Verwandtschaft doch wieder etwas...

Permlink: Plak.at: Affen

Miete

Anscheinend sieht der OGH in manchen Fällen der Vermietung von Wohnungen die Einhaltung von Verträgen als optional an. Derartige Fehlschläge in der Interpretation von Gesetzestexten durch den OGH sind wohl kaum mit Personalmangel zu entschuldigen... Jetzt ist der Gesetzgeber gefordert, klarere Worte zu finden.

Permlink: Plak.at: Miete

Banken und Gemeinwohl

Der Chef des deutschen Goldman-Sachs-Ablegers äussert in einem Interview:
"Banken, besonders private und börsennotierte Institute, haben keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern".

Das mag stimmen. Nur finde ich, dann muss umgekehrt die Allgemeinheit auch Banken nicht vor dem Konkurs bewahren. Wenn diese aber von derartiger Bedeutung für das Gesellschaftssystem sind, dass sich dieses die Rettung sagenhafte Summen kosten lässt (die für andere Projekte niemals, und schon garnicht in dieser kurzen Zeit, bereitgestanden wären), dann erwächst in meinen Augen daraus sehr wohl eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft.


Leben

Die in der westlichen Hemisphäre selbstverständliche Zweiteilung des Lebens in Beruf und Privates (mit eindeutigem Schwerpunkt auf Beruf) wird immer paranoider: schliesslich könnte man etwas versäumen, sei es ein Karrieresprung oder ein *noch* besserer Partner. Leistungsdruck, der inzwischen auch im Privaten selbstverständlich geworden ist und weniger von aussen kommt, als vielmehr von den Betroffenen selbst erzeugt (und bedenklicherweise auch für gut befunden) wird.

Nun lassen sich eine optimale Karriere und ein erfülltes Privatleben einfach nicht verbinden. Aber das ist wohl nicht der Kern des Problems: es ist eher das zwangsläufige Scheitern an immer höher gesteckten Zielen -- die, bei Erfüllung, ja quasi automatisch glücklich machen müss(t)en.

Dass sich dieses automatisierte Glück dann nicht einstellen will, hat sicher vielschichtige Gründe. Einer davon mag eben das sofort neu und höher angelegte nächste Ziel sein. Ein wie ich finde aber wichtigerer Grund ist mangelnde Kontemplation und das Geniessen. Auch die Frage, woher vermeintliche Wünsche kommen, aus tatsächlichen Bedürfnissen, sozialem Umfeld und/oder Medien, wäre es wert, gestellt zu werden. Eine Antwort ist schwer genug, die Überlegung per se aber schadet keinesfalls.

Persönlich sehe ich es als nicht wünschenswert, keine Ziele zu haben. Aber ich denke, man muss mit Zielen nicht immer im gleichen Bereich bleiben...

Permlink: Plak.at: Leben

Anonymous Facebook Interview

Recht interessanter Blick in die interne Organisation von Facebook. Und ja: sie speichern *alles*, jeden Click, jedes Bild, jede Nachricht. Egal, ob gelöscht oder nicht.

PErfekt zum Auftreten von Facebook passt folgendes Statement aus diesem Interview: "Our site is coded, I’d say, 90% in PHP.". Danke, keine weiteren Fragen. Irgendwie war das ja klar... Crap site, crap language.


GMail vs. MobileMe

Seit jeher ein wirklich ärgerlicher Punkt beim (kostenpflichtigen) MobileMe Service von Apple: es gibt keinen Zugang via SSL, d.h. abgesehen vom Login läuft alles im Klartext.
GMail hat seit 2008 SSL als Option angeboten, nunmehr wurde dieses als Default eingerichtet... und zwar auch bei den kostenlosen Accounts.

Interessant, dass man bei der Suche nach Alternativen zu Apple Onlinediensten leider hauptsächlich bei Google fündig wird....


Private Drohne

Ziemlich schräges Spielzeug: eine Drohne mit 4 Propellern, die man von einem iPhone aus kontrollieren kann. Der Aktionsradius ist wohl eher beschränkt da die Anbindung über WLAN funktioniert, trotzdem ein nettes Spielzeug mit erstaunlich exakter Kontrolle. Auch eine Kamera trägt das Teil offensichtlich -- und soll Teil eines Spiels mit Augmented Reality darstellen. Witzige Videos...


Fernsehen tötet

Und zwar nicht nur den Geist: im zweiten Schritt ist auch der Körper dran wie, wenig erstaunlich, eine Studie zu passiven Lebensformen belegt. So steige die allgemeine Sterblichkeit um 11% -- wie immer man das genau bewerten möchte, in der Freizeit noch still zu sitzen nachdem man bereits den Tag grösstenteils unbewegt im Büro verbracht hat, ist vielleicht nicht die beste Variante...


Kundenservice

Vielleicht sollte man doch mal bei den Banken und Versicherungen eine kleine Umfrage nach der jeweiligen Definition des Wortes 'Kundenservice' starten... denn sie scheint sich erheblich von der des Restes der Welt zu unterscheiden.


Abwesenheitspflicht

Fr. Fekter verletzt diese aktuell im Stundenrythmus, unterstützt vom Staatsfunk, dem man an einigen Orten schwer entgehen kann. Und es ist schwer verdaulich, derartige Ansichten mit dieser Stimme bereits auf nüchternen Magen serviert zu bekommen...

Bleibt zu hoffen, dass Minister Darabos sie von der von Experten als gegeben angesehenen Verfassungswidrigkeit ihres Vorhabens, Menschen ohne auch nur den Verdacht einer Straftat in Haft setzen zu wollen, in Kenntnis setzt. Und die Dame am besten wieder beim Schotter Platz nimmt.


Sicherheit III

Im Profil 52/2009 findet sich ein nettes Interview mit Sloterdijk zum Thema Wirtschaftskrise. Dicht benachbart natürlich Staatsformen, Demokratie und... Sicherheit. Und dazu meint Hr. Sloterdijk äusserst treffend:

"Ich war von Anfang an entsetzt über die Leichtigkeit, mit der man hierzulande bereit war, sich einer von hysterischen Spießern formulierten Security-Agenda zu unterwerfen."

Hysterische Spiesser... perfekte Charakterisierung der Totengräber unserer mühsam erkämpften persönlichen Freiheit. Bedenklich finde ich den Zustand mindestens ebenso. Insbesondere verwundert mich immer wieder, wie das durchgehen kann, auf eben dieses Leichentuch 'Freiheit' zu schreiben -- und niemand beschwert sich...


Ruhe

Ein schon mehrfach hier angesprochenes Phänomen: zunehmend entdecken Mitglieder der westlichen Welt, dass ihnen etwas verloren gegangen ist. Man nannte es: Ruhe. Beschaulichkeit.

Bekannt ist die Tatsache, dass man die besten Einfälle am Häusl hat. Am wohl letzten Ort, den die grassierende Immer-Online-und-Erreichbar-Panik noch nicht erreicht hat. Zugegeben, das stimmt nicht in allen Fällen... es soll Personen geben, die den stillen Ort ausschliesslich in Begleitung ihres Mobiltelephons aufsuchen um sich nicht einsam zu fühlen.

Damit dürfte auch schon eine der treibenden Kräfte hinter der Online-Gesellschaft enttarnt sein: die als Bedrohung empfundene Einsamkeit, die nicht als Chance wahrgenommen sondern mit allen zu Gebote stehenden Mitteln verhindert wird. Dabei gibt es kaum geeignetere Entspannungsmethoden, als z.B. im Kaffeehaus Zeit zu vertun (denn das stimmt so einfach nicht -- es ist unglaublich produktive Zeit) oder einige Stunden im Wald oder auf einem Berg zu verschwenden. Allerdings nicht im Sinne der Hochleistungsgesellschaft mit teurer Ausrüstung im Extrembereich kletternd sondern ganz gemächlich mit Wanderschuhen...

Vorsicht: der verlinkte Zeit-Artikel ist 5 Seiten lang... wer hat schon soviel Zeit?

Permlink: Plak.at: Ruhe

Feuchte Träume

ORF-General Wrabetz wünscht sich im neuen Gesetz folgenden Passus bzgl. Gebührenpflicht:

"Das Programmentgelt ist unabhängig von der Häufigkeit und der Güte der Sendungen (...) zu zahlen (...)"

Ich frage mich nur, wo hier die Änderung wäre... die Höhe der Gebühren stand schon bisher in keinem erkennbaren Zusammenhang mit der 'Güte der Sendungen': realistisch gesehen wäre jeder potentielle Stadl-Empfänger schmerzensgeldberechtigt.


Theater der Sicherheit

Auch Bruce Schneier hat sich ausführlich zum Unterhosenbomber geäussert, sowohl in zahlreichen Interviews als auch in einem ausführlichen Artikel für CNN.com. Ein paar kleine Auszüge -- seltsam gut passend zu hier bereits öfter ausgebreiteten Ansichten:

""Security theater" refers to security measures that make people feel more secure without doing anything to actually improve their security."

"Despite fearful rhetoric to the contrary, terrorism is not a transcendent threat. A terrorist attack cannot possibly destroy a country's way of life; it's only our reaction to that attack that can do that kind of damage. The more we undermine our own laws, the more we convert our buildings into fortresses, the more we reduce the freedoms and liberties at the foundation of our societies, the more we're doing the terrorists' job for them."

"We'd do much better by leveraging the inherent strengths of our modern democracies and the natural advantages we have over the terrorists: our adaptability and survivability, our international network of laws and law enforcement, and the freedoms and liberties that make our society so enviable."

Wie immer genau auf den Punkt gebracht. Leider werden die Stimmen der Vernunft zunehmend schwerer zu hören im 'Theater der Sicherheit'...


Sicherheit?

Wiederholungen sind mir eigentlich zuwider, insbesondere, wenn sich inzwischen eigentlich nichts entscheidendes geändert hat und die neuerlich aufgefahrenen 'Argumente' die immer gleichen sind...

Dessenungeachtet sind natürlich nach dem Versuch, in einer US-amerikanischen Linienmaschine die immer gleichen Mechanismen zu neuem Leben erwacht: der Ruf nach verstärkter Überwachung und dem Einsatz neuerer Technologien (im speziellen die sog. Nacktscanner).

Statt die schon mehrfach geäusserten Bedenken bzgl. der Wirksamkeit der Massnahmen zu wiederholen, lieber eine Frage: wie konnte denn das passieren -- nachdem doch seit Jahren die Passagiere mit zahlreichen 'Sicherheitskontrollen' die Reise immer beschwerlicher gemacht wird? Der, entgegen den Annahmen der Verfechter dieser Massnahmen, wohl korrekte Schluss, ebenfalls bereits hier geäussert: so wirksam sind die getroffenen Regelungen eben einfach nicht. Und da hilft es nicht im mindesten, frei nach Watzlawick 'Mehr davon' zu verfügen: Der Ansatz ist im Kern falsch. Es macht z.B. Flüge zu immer lohnenderen Zielen für Terroristen, auch, weil die jeweils auf auch nur einen gescheiterten Versuch folgende Panik bereits mehr als genug Lohn für die Aktion darstellt.

Die Idiotie der geforderten Verschärfung der Massnahmen zeigt sich besonders gut an dem Detail, dass der Inhaber der explosiven Unterhosen auf einer Watchlist geführt wurde. Was hätte also eine weitere Vergrösserung der Unannehmlichkeiten für Reisende bewirkt? Dass der Name dort noch rot unterstrichen worden wäre?

Ein glänzendes Beispiel dafür, dass bestehende Regelungen vollkommen ausreichend gewesen wären (und, wohlgemerkt, hätte sich dieser Passagier ganz ohne über eine Passkontrolle hinausgehende Sicherheitsmassnahmen ausfiltern lassen), während die hochgelobten Schuhkontrollen absolut nichts beigetragen haben.

Und dem ehemaligen Leiter der Sicherheitsabteilung der betroffenen Fluglinie sollte man das Wort 'Nacktscanner' im Morsealphabet mit einem Baseballschläger an die Stelle des Körpers tätowieren, unter der bei manchen Menschen das fürs Denken zuständige Organ sitzt. Bei diesem Exemplar besteht ohnehin keine Gefahr, lebenswichtige Teile zu verletzen...



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