Dirk Kurbjuweit: Nicht die ganze Wahrheit

 
Von Wolfram Saringer
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Normalerweise greife ich eher selten zu Kriminalromanen und insbesondere Detektivgeschichten -- wahrscheinlich widerstrebt mir der diese oft umwehende Moralinduft (der sich im übrigen auch bei jenen bemerkbar macht, deren Protagonisten sich explizit als ausserhalb der Gesellschaft angesiedelt verstehen). In Anbetracht des gewählten Umfeldes der Geschichte doch eine Ausnahme: im Umfeld der hohen Politik Berlins nimmt vor den Augen des in Ich-Perspektive erzählenden Detektivs eine ungewöhnliche Affäre Formen an.

Eine junge, (noch?) ihren Idealen folgende Abgeordnete beginnt eine Beziehung mit dem dummerweise verheirateten Parteivorsitzenden. Dass dieser darüber hinaus politisch andere Ansichten vertritt, verleiht den Figuren durchaus etwas Profil und vermeidet eine allzu simple Betrugsgeschichte. Interessant auch die menschlichen Betrachtungen des Erzählers, sowohl was die Glücksverteilung zwischen den beteiligten Personen (er wurde von der Ehefrau beauftragt) betrifft, als auch allgemeinere Dinge wie z.B. unauffälliges Verhalten durch Anpassung an die Umgebung.

Ja, es gibt immer etwas zu kritisieren... sicher hätte man die Personen auch vielschichtiger anlegen können, ihr Handeln komplexer. Auch das Ende vergibt irgendwie etwas von der aufgebauten Spannung, war aber für mich immerhin nicht komplett vorhersehbar -- was bei solchen Geschichten ja auch nicht ganz unwichtig ist.

Erschienen im Deutschen Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423138564
ISBN-13: 978-3423138567