Palm

 
Von Wolfram Saringer
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Über die nähere Zukunft von Palm wurde in der jüngeren Vergangenheit wieder reichlich spekuliert, insbesondere die nicht gerade berauschenden Quartalsergebnisse gaben Anlass zu unterschiedlichen Übernahmegerüchten, während der Aktienkurs doch ziemlich Federn gelassen hat.

Mittendrin wurde gern übersehen, dass Palm nicht nur viel Erfahrung auf dem Gebiet portabler Computer besitzt sondern auch ein (zumindest in den USA überlebenswichtiges) beachtliches Patentportfolio... Auch, wenn die aktuellen Geräte hardwaremässig noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein mögen, das Betriebssystem gehört sicher zum Besten, was im Mobilbereich derzeit verfügbar ist.

Unter diesen Aspekten wirken die Aussagen von Palms CEO Jon Rubinstein bei weitem nicht so überzogen oder unrealistisch, wie man nach den zahllosen, meist ohne Recherche übernommenen 'Palm ist tot'-Artikeln meinen könnte. Lesenswertes Interview mit einem Mann, der überzeugt ist von den Produkten und seinen Mitarbeitern und durchaus anschaulich eine eigenständige Zukunft für Palm vertritt.

Gerade nach der enttäuschenden Vorstellung von iPhone OS 4 könnte Palms Stunde schlagen: wieder kein echtes Multitasking... etwas, das der Pre bietet. Und nicht nur das: im Gegensatz zum technisch in diesem Aspekt ebenbürtigen Android hat Palm dafür ein simples Interface geschaffen und den wichtigsten Aspekt, die Interaktion mit im Hintergrund laufenden Programmen, über ein flexibles und vor allem unaufdringliches Notification-System sehr angenehm und produktiv gestaltet.

Die oft ins Feld geführte, durchaus beeindruckende Anzahl an für iPhone (oder auch Android) verfügbaren Programmen kann als Argument bereits einem zweiten Blick nicht standhalten: wer sich einmal durch die unglaubliche Menge an unaussprechlichem Müll gewühlt hat, verweigert Apples konstante Gleichsetzung von Quantität mit Qualität (interessanterweise tun sie das nur in Fällen, wo sie selbst mit Quantität protzen können...).

Sicher besteht bei der Software noch Aufholbedarf, trotzdem ist eine gute Basis vorhanden. Und mittelfristig wird auch der Umgang mit der Entwicklergemeinde Früchte tragen: im Gegensatz zu Apple werden diese nicht nach Kräften gegängelt. Ein interessantes Gedankenspiel drängt sich geradezu auf: was, wenn Adobe nach der genau auf Adobe abzielenden letzten Änderung der Bestimmungen der Entwicklerzugänge, sich alternativen Plattfomen zuwendet? Teilweise ist genau das bereits geschehen -- im Falle der Tablets hat Adobe Stellung bezogen...

Wobei ich einschränkend hinzufügen möchte, dass diese Situation lediglich in Bezug auf Marktanteile interessant wäre -- technisch gesehen möge dem Palm Flash als Entwicklerplattform erspart bleiben, die Entscheidung für offene Standards (HTML5, JavaScript, CSS) war definitiv die richtige. Aber Palm wird alternative Zugänge im Gegensatz zu Apple nicht zu unterbinden versuchen. Und das ist gut so.