H-Palm

 
Von Wolfram Saringer
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Eine interessante und , für mich zumindest, etwas überraschende Wende: letzte Nacht gab HP bekannt, Palm um die lächerliche Summe von 1,2Mrd US$ zu übernehmen.

Somit kann man Jon Rubinstein nicht einmal vorwerfen, in seinen Interviews bewusst die Unwahrheit gesagt zu haben: die Möglichkeit einer Übernahme im Falle eines interessanten Kaufangebotes hat er ja offen gelassen. Und die Summe erscheint realistisch... es wirkt nicht wie ein Ausverkauf.

Der erfreulichste Aspekt daran: die Bekanntgabe wirkt in keinster Weise so, als wolle HP Palm (bzw. deren Produkte) einstampfen. Ganz im Gegenteil: mit den zugesagten Ausgaben für die Weiterentwicklung könnte HP webOS den Marktplatz verschaffen, den es in meinen Augen verdient: mit bei der Spitze.

Natürlich kamen sofort die Gerüchte auf, die kommenden HP Tablets würden auf webOS setzen. Nun interessieren mich Tablets nach wie vor nicht im mindesten, eine Erweiterung der installierten webOS Basis macht die Plattform allerdings für Entwickler interessanter und dürfte auf diesem Umweg auch für die darauf basierenden aktuellen und kommenden Smartphones Aufmerksamkeit bringen.

Im Gegensatz zu anderen potentiellen Käufern, insbesondere HTC und Nokia, hat HP derzeit kaum Eigenentwicklungen im Smartphonebereich, eine strategische Ausrichtung auf webOS bedeutet also keinen nennenswerten Bruch mit bisherigen Gerätelinien. HTC wäre in dieser Hinsicht der an einer aktiven Weiterentwicklung wohl uninteressierteste Käufer gewesen: die Firma baut erfolgreich Geräte basierend auf Android und Windows Mobile (künftig wohl auch Windows Phone). Hier wäre Palm wohl reduziert worden auf den Status von Munition im Abwehrkampf gegen Apple.

Nokia hat im Gegensatz dazu zwar Willen zum Bruch mit Traditionen gezeigt (z.B. das Maemo-basierende N900), hat jedoch erst kürzlich mit Intel eine Allianz geschlossen, um im Mobilbereich ein gemeinsames Linux-basierendes System aufzubauen. webOS wäre da wohl nicht gelegen gekommen... Und neben Symbian eine dritte Linie mit einem zweiten Mobil-Linux zu beginnen, wäre wohl wenig zielführend.

Ein interessantes Detail am Rande: der zuständige Manager bei HP war vorher auch bei Palm tätig. Mit ein Grund, warum ich denke, dass HP echtes Interesse an Palm, deren Produkten, Plattform und Mitarbeitern hat.

Insgesamt eine erfreuliche Entwicklung, die endlich Palms Zukunft mit etwas Sicherheit versieht. Und mit HPs weltweitem Vertriebsnetz sollte es auch langsam möglich sein, die Geräte in AT anzubieten...