David Foster Wallace: Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich

 
Von Wolfram Saringer
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Jeder, der mit Wallace nur ansatzweise in Berührung gekommen ist, kann sich das Ergebnis der Kombination Wallace + durchorganisierte Karibikkreuzfahrt auf einem Luxusdampfer vorstellen... Genau: eine pointierte Blossstellung der Industrie erzwungenen Vergnügens.

Abgesehen von einigen kleinen (oder manchmal etwas grösseren) Bosheiten seinen Mitreisenden gegenüber beschreibt Wallace eine Vergnügungsindustrie von geradezu perfider Perfektion mit strenger Hierarchie, für die meisten Fälle beginnend mit dem ihm besonders verhassten Hotelmanager Mr. Dermatis (wie die meisten leitenden Angestellten des Schiffes griechischer Provenienz), den er späterhin sogar verdächtigt, mit Hilfe der übereffizienten Unterdrucktoilette in seiner (d.h. Wallaces) Kabine ihm nach dem Leben zu trachten.

Auch zahlreiche andere, weniger dramatische Eindrücke wie beispielsweise das nahezu zwanghafte Entschuldigen der anderen Gäste für ihre Anwesenheit (meist entlang der Linie 'Ich war sooo gestresst, ich musste mir einfach etwas gönnen'), Unterhaltungsprogramm-Highlights, die am besten mit den schönen amerikanischen Ausdruck 'tacky' zu beschreiben wären und hinterhältige Prospekte, die nicht nur die Reise beschreiben sondern auch gleich die erlebten Eindrücke der Gäste vorwegnehmen und -formulieren, machen das Buch lesenswert.

Scharf beobachtet und durchaus geeignet, dem Kreuzfahrten weniger zugeneigten Leser handfeste Argumente dagegen zu liefern, lohnt das Lesen in jedem Fall. Auch und gerade im Flugzeug -- wo man ähnlichem Service-Lächeln-Terror ausgesetzt ist, allerdings schneller wieder entkommen wird...