Farbenleere

 
Von Wolfram Saringer
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Anders lässt sich österreichische Politik nicht mehr beschreiben: es dominiert die Leere, in Ideen wie Figuren.

Über das Wiener Wahlergebnis wurden bereits viele Worte verloren, die Analysen, welche Themen man hätte forcieren sollen um 'Wähler abzuholen' gehen allerdings meiner Ansicht nach fehl: Aufgabe der Politik ist nicht das 'Abholen' der Wähler sondern das Unterbreiten von Vorschlägen, die eine langfristige Vision verfolgen. Und genau daran mangelt es.

So ist der aktuelle Zustand ein Fragen des Wählers nach seinen Wünschen und die nachfolgende Versicherung, dass man ja genau das realisieren wolle. Was kommt heraus, wenn man allgemein gering politisch Interessierte nach ihren Wünschen und Vorstellungen fragt? In Anlehnung an einen Ausspruch, der Henry Ford (*) zugeschrieben wird: ein sichereres Einkommen.

Es kann nicht zielführend sein, dass Politik zum lediglich exekutierenden Organ eines dumpfen Stammtisch-Wählerwillens verkommt. Wahlen sollten die Realisierung einer langfristigen Vision beurteilen und Ideen einbringen, nicht alleine die Themen vorgeben. Sonst passiert eben ein Wahlkampf wie in Wien oder es kommt zum Ruf nach dem 'starken Mann' wie gerade wieder bei 10% der Befragten in Deutschland.

Ein deutliches Zeichen des Verfalls jeglicher politischen Kultur (sofern so etwas in Österreich irgendwann existiert hat) ist der Fall des burgenländischen Bürgermeisters, der trotz eingestandenem Wahlbetrugs keinen Grund für einen Rücktritt sieht. Das kann doch so einfach nicht sein... ausser anscheinend in Österreich. Und erklärt wohl leider auch das häufig anzutreffende aktive Desinteresse an Politik, die nicht als Chance, derartige Umstände zu ändern, verstanden wird, sondern als Ursache des Übels.


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(*) Henry Ford meinte dereinst, hätte er seine Kunden gefragt, was sie für ein Produkt brauchen, hätten sie gesagt: eine schnellere Pferdekutsche...