Gier

 
Von Wolfram Saringer
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Zwei aktuelle Beispiele für den Schaden, den ungezügelte Gier im Verbund mit uninformierten Politikern anrichtet.
Die beiden unten verlinkten Artikel haben ein paar Gemeinsamkeiten: in beiden geht es um die Ausbeutung einer rechtlichen Sonderstellung zugunsten schmarotzerischer Auswüchse des Copyright- bzw. Patentsystems. Und in beiden geht es um eine Abschätzung des finanziellen Schadens, den diese sog. "Rechteverwerter" der Wirtschaft wie der Gesellschaft zufügen. Beide Zahlen sind erschreckend hoch (und im Falle der Abschätzung der britischen Universität hoffe ich auf den US-üblichen Gebrauch des Wortes 'Billion' als Milliarde).

Eine weitere Gemeinsamkeit: in beiden Fällen fliesst das Geld nicht (oder nur in kleinen Rinnsalen) zu den eigentlichen Urhebern (Künstlern bzw. Erfindern). Die (im Zweifel für den Angeklagten) wohlmeinende Verlängerung des Copyrights um den Lebensabend von Künstlern zu finanzieren bleibt zum allergrössten Teil in der Musikindustrie hängen. Abgesehen davon, dass meiner Ansicht nach ein Künstler sein letztes langfristig gewinnbringendes Werk kaum um 50 Jahre überlebt: entweder schafft er weitere oder er widmet sich anderen Tätigkeiten.

In Anbetracht des in den USA bereits deutlich sichtbaren Schadens für die gesamte Wirtschaft durch Softwarepatente sollte eine derartige Entwicklung in Europa eigentlich kein Thema sein: das Beispiel ist beileibe abschreckend genug. Dass grosse Firmen noch immer Lobbying in diese Richtung betreiben, obwohl ihre amerikanischen Muttergesellschaften bereits darunter leiden, ist wohl rational nicht zu erklären und sollte auch genauso behandelt werden: als irrationale Realitätsverweigerung. Und nicht als wertvoller Hinweis auf die Bedürfnisse der 'Industrie'.

Vor diesem Hintergrund erachte ich das Ergebnis der Berlinwahl mit über 9% Stimmenanteil für die Piratenpartei (sorry, der Name ist noch immer selten dämlich...) als zumindest kleines Zeichen, dass die 'Nicht-Industrie' sich nicht weiterhin ausbeuten lassen möchte sondern es um eine vernünftige Balance zwischen Kreativen und Gesellschaft geht. Das Wort 'Rechteinhaber' ist bereits ein Hinweis auf eine Fehlentwicklung: der sollte immer mit dem Urheber ident sein.