Es ist Zeit

 
Von Wolfram Saringer
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Slogans in Zeiten des Wahlkampfes, immer schwierig. Die derzeitige Gefährdungslage ist aber vielleicht der richtige Moment, plak.at wiederzubeleben.

Es wäre Zeit, Zeit für Änderungen. Hat einer beschlossen und ausgerufen, der ausser der Politik nichts gelernt (bzw. gemacht) hat. Was per se schon verdächtig ist, da zwangsläufig der Bezug zum Leben ausserhalb dieser Blase fehlt.

Und genau dieses Problem merkt man an allen Ecken und Enden des Wahlkampfes von Sebastian Kurz, demjenigen, der die alte, wenn auch nicht ehrwürdige, ÖVP zu einer Bewegung umstilisieren möchte (nicht sehr erfolgreich, die alten Verhaltensmuster wie Klientelpolitik scheinen bei jeder Gelegenheit durch).

So stellt Kurz in rascher Folge fragwürdige Besetzungen der Listenplätze vor (z.B. Hirn. Taschner, dessen Meinungen zu wissenschaftlichen Themen einer gewissen Nonkonformität nicht entbehren), doziert über seine private Definition von Gerechtigkeit und braucht Monate, um das vorzustellen, was er für ein Wahlprogramm hält.

Selbiges sorgt für sofortige Erheiterung bei denjenigen, die die krassen Vorhaben nachrechnen und auf eine sagenhafte Finanzierungslücke von 14Mrd € kommen. Kurz möchte die Rechnung nicht genauer erläutern, es klingt an, er wolle Wähler nicht verschrecken. Spannender Ansatz, denn damit gesteht er ja ein, dass es natürlich eben jene Wähler zahlen sollen.

Und was er nicht alles an seine Gönner wie z.B. Hrn Pierer von der Firma KTM verschenkt. Der seine Spende an die ÖVP als gute Investition sehen kann. Die sogenannte neue Gerechtigkeit beraubt hingegen alle jenen, die ohnehin schon wenig haben. Während hohe und höchste Einkommen nicht nur unangetastet bleiben, sondern mit Geschenken geradezu überschüttet werden.

Mir will das nicht ein: begreifen diejenigen, die in Umfragen für die derzeitige Führung der ÖVP sorgen, tatsächlich nicht, dass sie die Gelackmeierten dabei sind und nachher die Rechnung präsentiert bekämen?

Kurz leistet sich eine Verfehlung nach der anderen, sei es das oben als Wahlprogramm bezeichnete Pamphlet, oder die Absage jeder direkten Konfrontation mit Christian Kern auf ernstzunehmendem Boden (ja, als solchen muss man Ö1 in der traurigen österreichischen Medienlandschaft bezeichnen) , oder Flüge mit Privatflugzeugen mit unklarer Finanzierung. Jedes Interview klingt wie ein Beispiel für leeres Gerede, er vermeidet gezielt jede Form von Inhalt, wiederholt die immer gleichen Worthülsen, nervt mit seiner, sich jeder geläufigen Definition entziehenden Verwendung des Begriffes der Gerechtigkeit.

Christian Kern hat ganz richtig erkannt, dass Kurz ein Abziehbild der FPÖ ist, die mit ihrem neuen, stilleren Ton (man will in die Regierung) tatsächlich kaum noch von der ÖVP zu unterscheiden ist. Was Strache auch als Problem korrekt erkannt hat: Kurz wildert in seiner Wählerschaft. Spannenderweise gilt für die FPÖ ganz ähnlich, dass ihr oft als Autorisierung herangezogener Kleiner Mann in keiner Weise von der Umsetzung ihrer Ziele profitieren würde.

Es wäre also hoch an der Zeit, diese Schimäre zu beenden und Kurz den Platz anzuweisen, den er verdient: im rechten Eck derer, die ihre eigenen Interessen über die der Gesellschaft stellen. "Gehts der Wirtschaft gut..." Ja, eh. Als wäre die Wirtschaft Selbstzweck. Nein, Danke.